Traum jetzt überwinden
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Wir möchten so viele Betroffene wie möglich erreichen. Deshalb finden Sie hier die gesamte 1. Auflage von "Trauma jetzt überwinden" zum online lesen.

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Inhaltsverzeichnis

A Vorbereitungen

Einleitung

Angstzustände, Panikanfälle und Albträume. Für viele Betroffene von Trauma und Misshandlung sind dies alltägliche Erfahrungen. Sie wollen nichts sehnlicher, als die traumatischen Erlebnisse überwinden. Und das können Sie mit Hilfe dieses Buches.
Sie halten kein Theoriebuch und kein Buch mit Trauma-Erzählungen in den Händen, sondern ein Übungsbuch. Obwohl Sie sich das jetzt vielleicht noch nicht vorstellen können: Am Ende der Übungen haben Sie komplett mit dem Trauma aufgeräumt und können sich in Ihrem Alltag wieder anderen Themen zuwenden.
Die Trauma-Auflösung ist schonend: Sie werden nicht den Trauma-Gefühlen ausgesetzt. Sie brauchen nichts über Ihre Erlebnisse erzählen. Und wir werden auch darauf verzichten, Horrorgeschichten zu erzählen.
Dieses Buch ist entstanden, weil wir immer wieder von Freunden und Bekannten auf das Thema angesprochen wurden. Durch unsere Ausbildung in NLP (mehr zu NLP später) konnten wir diesen Betroffenen helfen. Eine der beeindruckendsten Erfahrungen für uns war dabei, wie stark die Bereitschaft zur Mitarbeit der Betroffenen war und wie groß das Engagement im Freundes- und Bekanntenkreis der Betroffenen. Da die NLP Techniken so zuverlässig funktionieren und sehr gut strukturiert sind, kamen wir auf die Idee, ein Mittel zur Trauma-Auflösung zu finden, das auch von Laien angewendet werden kann.
Wir haben den Text zu diesem Buch an einer Vielzahl von Betroffenen erprobt. Alle konnten die hier beschrieben Übungen erfolgreich durchführen. Unser Test-Spektrum reichte von Betroffenen mit einmaligen traumatischen Erlebnissen bis hin zu langjährig Missbrauchten; von ”leicht” Traumatisierten, die ”nur” unter Störungen des Sexuallebens litten, über die typischen Trauma-Symptome, wie Schreckhaftigkeit, Albträume und Zwangsverhalten, bis hin zu schwer Traumatisierten mit Wahnvorstellungen und Selbstmordanwandlungen. Die Betroffenen waren aus unterschiedlichen Altergruppen (die jüngste war z.B. 15 Jahre alt) und hatten unterschiedlichen Bildungsgrad. Alle, die sich genau an die Anweisungen gehalten haben, konnten mit Hilfe des hier vorliegenden Übungs-Programms ihr Trauma überwinden. Mittlerweile haben wir auch eine Webseite eröffnet, wo Sie sich mit Fragen und Anregungen hinwenden können: www.trauma-jetzt-ueberwinden.de.
Sie sollten eine Freundin oder einen Freund als Begleitung hinzuziehen, der/die Sie durch die Übung begleitet. Ideal ist natürlich eine ausgebildete Fachkraft. Sie brauchen ihr oder ihm nichts über Ihr traumatisches Erlebnis erzählen. Wir werden Ihre Begleitung B für ›Beraterin‹ bzw. ›Berater‹ nennen. Während Sie sich auf den Inhalt der Übung konzentrieren, führt Sie Ihr B, also Ihre Beraterin bzw. Ihr Berater, durch den Prozess.
Den ersten Teil A des Buches bilden einführende Kapitel und Übungen. Sie dienen dazu, Sie mit NLP vertraut zu machen und Ihnen mehr Kontrolle über Ihr inneres Erleben zu geben. Außerdem werden Sie und Ihr B (Beraterin bzw. Berater) zu einem eingespielten Team. Wenn Sie optimal vorbereitet sind, kommt im zweiten Teil B die eigentliche Trauma-Auflösung. Im dritten Teil C können Sie je nach Bedarf weitere Themen, die mit dem traumatischen Erlebnis zusammenhängen, bearbeiten. Der Zeitbedarf für Teil A ist etwa 4-6 Stunden. Wir kalkulieren für Teil B etwa die gleiche Zeit, damit dieser pro Erlebnis auf jeden Fall an einem Stück durchgeführt werden kann. In Teil C gehen wir von 1-2 Stunden pro Kapitel aus. Auf diesen Teil können Sie im Laufe der ersten Tage bzw. Wochen nach der Trauma-Auflösung immer wieder zurückkommen. Der Zeitbedarf kann sehr unterschiedlich sein. Es ist also auch in Ordnung, wenn Sie deutlich schneller oder langsamer vorgehen. Teil D enthält eine Übung für diejenigen, die ihre Identität (teilweise) über das Trauma definieren.

Was ist Trauma?

Mit Trauma bezeichnen wir hier Erlebnisse, die mit Panik-Gefühlen verbunden sind und deren Erinnerung wieder diese Panik-Gefühle auslöst. Das Gehirn kann solche Erlebnisse nur schwer oder gar nicht verarbeiten. Man kann mit der Vergangenheit nicht abschließen. Ein einziges traumatisches Erlebnis kann das Leben eines Menschen verändern. Die Betroffenen leben in ständiger Angst, dass es sich wiederholen könnte oder Situationen auftreten könnten, die die Erinnerung an das Trauma wieder aufleben lassen. Daher versuchen sie, ähnliche Situationen im Vorfeld zu vermeiden. Es entsteht eine höhere Sensitivität für bestimmte Reize. Das Vermeiden ähnlicher Situationen kann z.B dazu führen, dass jemand mit einer Phobie vor Spritzen nicht rechtzeitig zum Arzt geht. Ein Kriegsveteran nimmt vielleicht Schlaftabletten, um nachts nicht wieder in den Krieg ziehen zu müssen. Betroffene sexuellen Missbrauchs gehen vielleicht keine Beziehung ein, aus Angst, bestimmte Situationen könnten sich wiederholen.
Die Erinnerung an traumatische Erlebnisse wird oft von bestimmten Reizen, sogenannten Triggern, ausgelöst. Betroffene versuchen daher auch diesen Reizen auszuweichen. Es entsteht Angst vor der Angst. Diesen Mechanismus werden wir uns zu Nutze machen. Als Begleitmaßnahme erhalten Sie einen Trigger, der Sie sofort in ein überwältigend positives, wundervolles Gefühlserlebnis Ihrer Wahl bringt. Diesen Trigger nennen wir Power-Anker. Sie können ihn jederzeit auslösen, so dass Sie keine Angst mehr vor anderen, negativen Triggern zu haben brauchen.
Hier eine Liste der häufigsten Symptome von Trauma. Bitte überdenken Sie kurz, welche bei Ihnen auftreten und welche nicht:
  • Angst, Schreckhaftigkeit, Panikattacken, Albträume, Schlafstörungen und Schock. Das Leben eines Trauma-Betroffenen ist zu einem erheblichen Teil von Angst und Schrecken erfüllt. Viele verbringen nicht nur den Tag in dauernder Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit, sondern erleben nachts in Albträumen die Geschehnisse wieder und wieder.
  • Selbstwertverlust bzw. geringes Selbstwertgefühl (können Sie positiv über sich selbst sprechen?), Gefühl der Verunreinigung
  • sozialer Rückzug, Antriebslosigkeit, Angst vor Alleinsein, Gefühl allein sein zu müssen, »bloß nicht reden«
  • Schuldgefühle
  • Konzentationsschwierigkeiten, emotionaler Taubheitszustand
  • Wut, Rachegedanken
  • Geschlechtsverkehr mit beliebigen, häufig wechselnden Partnern (Promiskuität)
  • selbstzerstörisches Verhalten (um nicht fühlen zu müssen oder umgekehrt: um überhaupt zu fühlen), Sucht bzw. Substanzmissbrauch
  • Zwangshandlungen (z.B. Waschzwang), wieder zum Opfer werden zu müssen, andere zum Opfer machen
  • Angst vor Männern
  • Sexualstörungen
  • Kopfschmerzen, chronische (d.h. wiederkehrende) Schmerzen, Eß- oder Verdauungsstörungen
  • Erwartungshaltung (man rechnet damit, dass es nochmal passiert)
  • Halluzinationen, Verfolgungswahn, man wird z.B. wieder zu dem Kind, dem das Trauma passiert ist (Regression)
  • Selbstmordanwandlungen, man glaubt, mit dem Erlebten nicht weiterleben zu können
Nach der Trauma-Auflösung können Sie überprüfen, ob die Symptome noch auftreten.
All diese Symptome sind legitime Versuche, mit dem Erlebten zurechtzukommen. Leider haben sie aber auch gravierende Nachteile und tendieren dazu, das Leben der Betroffenen zu dominieren. Die Techniken in den folgenden Kapiteln geben Ihrem Gehirn leistungsfähige Alternativen. Diese können Sie auch bei anderen Gelegenheiten im Leben nutzen.
Folgende Aktivitäten können sich negativ auf die Trauma-Auflösung auswirken. Beschließen Sie daher diese Verhaltensweisen zu ändern bzw. zu unterlassen:
  • Sozialer Rückzug (stattdessen sollten Sie stabile Beziehungen zu verlässlichen Menschen z.B. zu Freunden oder Familie aufbauen. Bleiben Sie in Kontakt mit Freunden und Bekannten).
  • Selbstzerstörerische Verhaltensweisen.
  • Suchtverhalten, Substanzmissbrauch. Die hier beschriebenen Techniken sollten Sie ohne Einfluss von Drogen und Alkohol, sowie ohne Einfluss von psychoaktiven Medikamenten durchführen. Medikamente dürfen Sie nur unter ärztlicher Aufsicht und guter Betreuung absetzen.
  • Selbstmordversuche, Selbstmord ist eine permanente Lösung für ein temporäres Problem. Gescheiterte Selbstmordversuche führen oft zu Langzeitschäden. Ärzte, die Verletzungen aufgrund von Selbstmordversuchen feststellen, sind dazu verpflichtet, Sie (notfalls gegen Ihren Willen) in eine Nervenklinik einzuweisen. Für uns ist aber die Tatsache, dass Sie dieses Buch in den Händen halten, Beweis genug, dass Sie lieber eine bessere Lösung als Selbstmord suchen. Und die werden Sie auch finden. Mit den Techniken der folgenden Kapitel können Sie sich innerhalb kürzester Zeit von der gefühlsmäßigen Belastung befreien. Außerdem lernen Sie jede Menge weitere Techniken für den Umgang mit Ihren Gefühlen.
Wir wissen, dass viele Trauma-Betroffene eine lange Leidensgeschichte haben. Die hier dargestellten Techniken eignen sich für alle Arten von Trauma. Aufgrund der statistischen Datenlage werden etwa doppelt so viele Frauen wie Männer mindestens einmal Opfer sexuellen Missbrauchs bzw. Vergewaltigung (jede 6. bis 7. Frau). Daher werden wir dieses Thema schwerpunktmäßig behandeln. Die Ausführungen gelten aber auch für Opfer von anderen Gewaltverbrechen und Misshandlungen sowie Kriegserlebnisse, Geiselnahmen, Folter, Massenvernichtung, Naturkatastrophen, Unfälle (z.B. Verkehrsunfälle) und berufsbedingte Traumatisierungen (z.B. bei Rettungseinsätzen). In einigen Fällen werden Menschen wiederholt und/oder über einen längeren Zeitraum traumatisiert z.B. bei Geiselhaft, Kriegsgefangenschaft oder Kindesmissbrauch. Dieser Gruppe lässt sich mit den hier beschriebenen Techniken genauso helfen, wie Opfern einmaliger Traumatisierung. Jeder hat eine schnelle und effektive Trauma-Auflösung verdient.
Sexueller Missbrauch kann neben Traumatisierung noch zusätzlichen Einfluss auf das Leben der Opfer haben. Hier bieten wir weitere Techniken, die Sie durchführen können, nachdem das Trauma überwunden ist.
Sexueller Missbrauch und Gewalt treten oft wiederholt auf. Wenn Sie also eine Person kennen, die in Verhältnissen lebt, die von Gewalt und Missbrauch geprägt sind, helfen Sie ihr aus diesem Umfeld heraus. Die Betroffenen erkennen nämlich oft selbst nicht das Unrecht solcher Situationen. Im Anhang sind professionelle Anlaufstellen aufgelistet. Manchmal kann sich die Person nur vor dem Täter schützen, wenn sie vorübergehend in einer anderen Stadt wohnt. Dann kann Ihnen die zentrale Informationsstelle für autonome Frauenhäuser eine Einrichtung nennen, in der die Person zeitweise untergebracht werden kann.

Woher weiß ich, ob ich traumatisiert bin?

Manche Menschen wurden in ihrer frühen Kindheit von Angehörgen ihrer Familie traumatisiert. Da dies oft geheimgehalten oder abgestritten wurde, haben die Kinder später Schwierigkeiten zu wissen, ob sie traumatisiert wurden. Wir wollen niemandem etwas einreden. Andererseits kommen aber immer wieder Menschen zu uns mit der Vermutung, dass früher etwas passiert sei. Wenn Sie die obigen Hauptsymptome Angst, Schreckhaftigkeit, Panikattacken und Albträume haben, kann dies ein Indiz für Trauma sein. Wir schlagen vor, dass Sie zunächst weiterlesen. Sie werden Techniken erlernen, wie Sie mit traumatischen Erinnerungen umgehen können. Falls Sie wirklich traumatisiert wurden, kann Ihr Gehirn Ihnen, sobald Sie die Techniken gut beherrschen, diese Erinnerungen zugänglich machen (s. hierzu später Erinnerungs-Lücken aufheben). Als nächster Schritt folgt die Trauma-Auflösung. Falls aber keine Traumatisierungen vorliegen, können Sie diese Vermutung als widerlegt ansehen und sich anderen Themen zuwenden.
Lange Zeit kannte man kein zuverlässiges Mittel zur Überwindung von Trauma. Die ersten therapeutischen Verfahren basierten auf Gesprächen. Man dachte, wenn der Klient das Trauma versteht, kann er es überwinden. Dies ist aber ineffektiv. Daher verbrachten die Betroffenen oft Jahre und Jahrzehnte, Woche für Woche Zeit beim Therapeuten ohne die geringste Besserung. Dies führte sogar dazu, dass viele heute noch glauben, Trauma könne man nicht überwinden.
Entscheidender Bestandteil jeder funktionierenden Trauma-Therapie ist eine Desensibilisierung von dem jeweiligen traumatischen Erlebnis. Bei der Desensibilisierung erinnern Sie sich auf eine besondere Art an das traumatische Erlebnis, so dass Sie die Kontrolle über die Erinnerung behalten. Allergikern wird zur Desensibilisierung eine kleine, kontrollierte Dosis des Allergens verabreicht. Dadurch lernt das Immunsystem damit umzugehen, ohne überwältigt zu werden. Ähnlich funktioniert die Trauma-Desensibilisierung: Sie erinnern sich auf eine bestimmte Weise an eine kleine Dosis des Erlebnisses und nehmen gleichzeitig einen Bewusstseins-Zustand des Lernens ein. Die neue Betrachtungsweise schützt Sie vor den Panikgefühlen. Das, was das Gehirn am besten kann, ist lernen. Und so löst schon eine einmalige neue Betrachtung diejenigen Lernaktivitäten aus, die das Erlebnis neutralisieren.
Die Wirkung der Desensibilisierung ist:
  • Sie können neutral an das Erlebnis denken, ohne dass Panik und belastende Emotionen auftreten. Die Erinnerung an die Fakten bleibt erhalten, aber die Gefühle fallen weg.
  • Reize und Trigger haben ihre Bedeutung geändert und damit ihre Wirkung verloren.
  • Sie können die Erinnerung an das Erlebnis endgültig verarbeiten. Das Gehirn kann einen anderen Bezugsrahmen herstellen. Statt jede Nacht davon zu träumen, wissen Sie, dass es vorüber ist.
Es ist ein Fehler, Trauma-Betroffene wieder in den Panikzustand zu versetzen. Vermeiden Sie daher solche Methoden. Es ist aber ebenso ein Fehler, auf die Desensibilisierung zu verzichten. Ohne diese haben Sie keinen Zugang zu der Erinnerung, der Ihnen erlaubt, sich von dem Einfluss solcher Erlebnisse zu befreien. Gesprächstherapie alleine hilft nicht. Da Desensibilisierung oft nicht in ein festes 45-Minuten-Raster passt, schiebt so mancher Therapeut diesen Schritt durch unnötig lange Vorgespräche vor sich her.
Sie können selbst überprüfen, wie erfolgreich die Desensibilierung ist. Das gibt Ihnen zusätzliche Sicherheit vor unangenehmen Überraschungen und zeigt Ihnen, dass Sie nun mit dem Erlebnis abschließen können. Desensibilisierung ist auch Voraussetzung für die Übungen im dritten Teil des Buches, in dem Sie ggf. Begleitprobleme bearbeiten können. Manchmal ist nämlich neben der Desensibilisierung noch etwas Nachbearbeitung nötig. Wir sind z.B. nicht zufrieden, wenn das Trauma von sexueller Misshandlung zwar aufgelöst ist, die Betroffene aber Männern gegenüber misstrauisch ist. Wir legen Wert darauf, dass solche Einflüsse traumatischer Erlebnisse überprüft und ggf. aufgelöst werden. Dies kann dann z.B. dazu führen, dass die Betroffene besser weiß, wie sie gute von schlechten Männern unterscheiden kann und optimistisch an die nächste Liebesbeziehung denkt.

Was andere nicht tun sollten:

  • Trauma-Betroffene fühlen sich ausserhalb der Gemeinschaft. Sie haben den sehnlichen Wunsch, ein normales Leben zu führen, wie jeder andere auch. Sie sollten im Umgang mit der Trauma-Problematik also weder dramatisieren, noch so tun, als wäre es nicht passiert. Es hilft den Betroffenen weder ›als Opfer‹ behandelt zu werden, noch, wenn Sie der Problematik ausweichen oder weglaufen. Am besten Sie bleiben sachlich und helfen der betroffenen Person bei den Übungen in diesem Buch.
  • Versuchen Sie nicht, die betroffene Person zum Reden zu bringen. Bilden Sie sich nicht ein, zu verstehen, was derjenige oder diejenige durchgemacht hat. Überlassen Sie es dem Gesprächspartner, wie stark er oder sie ins Detail gehen möchte. Wenn Sie zu stark ins Detail gehen, führen Sie Ihr Gegenüber tiefer in das Erlebnis herein und riskieren Panikattacken. Dies kann destabilisierend wirken und sogar Selbstmordanwandlungen auslösen. Drängen Sie Trauma-Betroffene zu überhaupt nichts. Sie müssen sich nämlich vor unangenehmen Erinnerungen schützen. Bitte auch keine inhaltlichen ›Patentrezepte‹ und ›schlaue Tipps‹. Beschränken Sie sich auf formale Anregungen z.B. die Dinge aus großem Abstand zu betrachten. Seien Sie froh, dass Ihnen das nicht passiert ist.
  • Ja, es ist wichtig, mit seinen Gefühlen in Kontakt zu kommen. Aber erst nach der Trauma-Auflösung. Hierzu bietet dann der dritte Teil des Buches viele Gelegenheiten.
  • Gerichtsverhandlungen können eine sehr große Belastung darstellen. Die Ermittlungsbehörden haben mittlerweile speziell für Trauma-Opfer ausgebildetes Personal. Sorgen Sie dafür, dass diese Spezialisten eingeschaltet werden, falls Sie sich für eine Anzeige entscheiden. Sie müssen auch nicht stundenlang auf der Polizeiwache Ihr Erlebnis zu Protokoll geben. Lassen Sie sich eine Liste der Fakten geben, die die Ermittlungsbehörden auf jeden Fall brauchen und schreiben Sie die Dinge zu Hause auf. Dieses Protokoll können Sie dann später der Polizei übergeben. ›Schotterblume‹ bietet auf ihrer Webseite viele Informationen für Trauma-Betroffene im Umgang mit Behörden und bei Gerichtsverhandlungen (s. Anhang).
  • Statistisch wirkt es sich in 30% aller Fälle schädlich auf die psychische Selbstheilung aus, wenn Opfer von Sexualverbrechen ihrem neuen Partner erst von dem traumatischen Erlebnis berichteten und danach Sex mit ihm hatten. War es genau umgekehrt, d.h. sie hatten erst Sex und informierten danach ihren Partner von der Traumatisierung, hatte dies keinen Einfluss auf den Heilungsprozess. Überlegen Sie sich also genau, ob eine sexuelle Beziehung zu diesem Zeitpunkt angemessen ist.
  • Viele Außenstehende reagieren auf Trauma-Geschehnisse mit impliziten Schuldzuweisungen: »Wärest Du doch nicht die dunkle Gasse entlang gegangen!«. Als wenn ein Täter in dunklen Gassen ein Recht zur Tat hätte!? Solche Reaktionen sind für die Betroffenen katastrophal, weil ihnen dann auch noch die Schuld für das Geschehene zugewiesen wird. In Wirklichkeit möchten Sie als Angehöriger das Geschehene mit diesem Wunsch rückgängig machen. Die Trauma-Betroffenen verstehen dies aber in den allermeisten Fällen als Schuldzuweisung. Schuldgefühle sind ein typisches Trauma-Symptom. Sie sollten diese nicht auch noch verstärken, sondern stattdessen klar Stellung beziehen und sagen, wer Täter und wer Opfer ist.

Was ist NLP?

NLP, Neuro-Linguistisches Programmieren, ist eine Technologie zur effektiven persönlichen Veränderung. Sie entstand aus der Beobachtung einiger der erfolgreichsten Psychotherapeuten. NLP beschäftigt sich mit dem subjektiven Erleben, mit effektiver Kommunikation und mit persönlicher Veränderung. Eigentlich ist NLP eine Methode, mit der man besondere Fähigkeiten vom Menschen modellieren und für andere erlernbar machen kann. Die Erfinder, Richard Bandler und John Grinder, entwickelten NLP in den 70er Jahren, indem sie herausragende Therapeuten, wie Milton Erickson, Virginia Satir und Fritz Perls untersuchten. Sie stellten fest, dass alle effektiven Therapeuten in dem Moment, wo sich ihr Gegenüber veränderte, gemeinsame Elemente in ihrem Verhalten aufwiesen. Aus der Essenz dieses Verhaltens entwickelten sich die ersten NLP-Techniken mit Schwerpunkt Psychotherapie. NLP kann mittlerweile auf eine Erfolgsgeschichte von über 30 Jahren zurückblicken. Heute wird NLP nicht nur zu Therapiezwecken eingesetzt, sondern auch in der Wirtschaft, beim Coaching, beim Lehren und in der Werbung.
NLP geht davon aus, dass sich innere Prozesse äußerlich durch Sprachgebrauch und non-verbale Kommunikationssignale z.B. Gesten und Gesichtsausdruck zeigen. Wenn jemand z.B. innere Bilder oder Filme betrachtet, kann man dies an seinen Augen wahrnehmen, z.B. wenn er nach oben schaut oder den Blick defokussiert. Aus solchen Beobachtungen kann der NLP-Praktiker dann Verhaltensänderungen entwickeln und den Partner durch die von außen erkennbaren inneren Prozesse leiten. Er könnte z.B. feststellen, dass ein bestimmtes immer wiederkehrendes inneres Bild jemanden sich automatisch schlecht fühlen lässt und ihn daher auffordern dieses Bild zu verändern. Während des gesamten Veränderungsprozess orientiert sich der NLPler an äußeren non-verbalen Anzeichen und passt seine Kommunikation immer wieder den Reaktionen seines Partners an.
Im NLP müssen alle Veränderungen an konkreten Anzeichen überprüfbar sein, d.h. sichtbare Verhaltensänderungen bewirken. »Woran wirst Du erkennen, dass diese Veränderung eingetreten ist? Woran, konkret, wirst Du das erkennen? Woran merkst Du, dass Dein Ziel erreicht ist?«. Antwort: »Daran, dass ich mich am nächsten Montag in dieser Situation so und so fühle und so und so verhalten werde.« Ein guter NLPler testet den Erfolg seiner Techniken. Man verlässt sich nicht auf die verbalen Äußerungen, sondern überprüft die Veränderungen möglichst im realen Leben. Nach Überwindung von Höhenangst würde man z.B. auf einen Turm steigen. Der Erfolg von Trauma-Auflösung lässt sich besonders gut dadurch feststellen, dass die Panik-Gefühle verschwunden sind.
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NLP Techniken funktionieren auch ohne dass der NLP-Praktiker den Inhalt der Erlebnisses seines Klienten kennen muss. Er nimmt nur Einfluss auf den eigentlichen Veränderungsprozess, während der Klient sich auf den Inhalt seiner Erlebnisse konzentriert. Statt über den Inhalt eines Erlebnis zu sprechen, kann der Klient dem NLP-Praktiker einfach ein Code-Wort für dieses Erlebnis nennen.
Eine wichtige Forderung des NLP ist: Sie sollen lernen, Ihr inneres Erleben selbst zu steuern, statt ihm ausgeliefert zu sein. Indem Sie lernen Ihr Gehirn zu kontrollieren, sind Sie in der Lage sich selbst zu helfen, statt auf jemand anderen angewiesen zu sein.
Persönliche Veränderungen mit NLP sind leicht und gehen schnell. Gehören Sie zu den den Menschen, denen man jahrelang eingeredet hat, persönliche Veränderung sei ein schmerzvoller und langwieriger Prozess? Dann bitten wir Sie, dieser Glaubensvorstellung beim Lesen dieses Buchs entweder beiseite zu schieben oder außer Kraft zu setzen. Lassen Sie sich von der Wirkung der NLP-Techniken angenehm überraschen. Bedenken Sie: Im Alltag geschehen viele Veränderungen plötzlich und mit einem Lächeln. Übrigens behandeln wir die Veränderung von Glaubensvorstellungen in Kapitel 15. Sie sollten außerdem Ihr Gehirn nicht unterschätzen. Die Quote für ›spontane‹ Heilung von einmaligen traumatischen Erlebnissen liegt bei 30% innerhalb des ersten Jahres.
Wir werden hier NLP-Methoden verwenden, die von Bandler und Grinder, sowie Robert Dilts entwickelt wurden. Zusätzlich greifen wir auf Techniken von Tad James, sowie Connirae und Steve Andreas, ebenfalls NLP-Entwickler der ersten Stunde, zurück. Außerdem haben wir neuere Techniken von Michael Hall und Robert Dilts eingearbeitet. Zum Nachlesen finden Sie im Anhang eine Liste der entsprechenden NLP-Bücher. Teilweise haben wir die Techniken um ein paar Komponenten erweitert. Sie sind alle ohne Vorkenntnisse durchführbar.

Hier ein Beispiel, wie NLP wirken kann:
Jemand mit Hemmungen zu tanzen wendet eine NLP-Technik an und geht anschließend in eine Diskothek. Statt gegen seine Hemmungen ankämpfen zu müssen, entdeckt er in sich ein starkes Gefühl der Neugier, welches bewirkt, dass er das Tanzen einfach ausprobiert. Nach einer NLP-Technik muss man sich nicht anstrengen sich anders zu verhalten bzw. zu fühlen, sondern man tut es ganz natürlich und automatisch. Sie haben die Option, etwas zu tun, müssen aber nicht. Es ist Ihre Entscheidung.
Wir möchten hier keine theoretischen Abhandlungen über NLP verfassen. Was NLP ist, erfahren Sie am besten, wenn Sie die Übungen in den folgenden Kapiteln durchführen.

NLP hat für uns folgende Vorteile:


  1. Es funktioniert auch, ohne dass Sie Ihre Geschichte erzählen.
  2. Die Veränderung ist schnell und schonend.
  3. Es kann von Laien und unabhängig von bestimmten Medikamenten oder Geräten durchgeführt werden.

Führen Sie das hier dargestellte Programm mit einer Vertrauensperson zusammen durch. Er oder sie wird in dieser Zeit die Rolle des B, also Ihrer Beraterin bzw. ihres Beraters einnehmen und überwachen, dass Sie alle Übungen richtig und gründlich durchführen. Dadurch können Sie sich auf die Inhalte konzentrieren, während Ihr B darauf achtet, dass Sie alles richtig machen (Arbeitsteilung). In Fällen mit psychotischen ”Anwandlungen”, z.B. Wahrnehmungsstörungen, ist eine Beraterin bzw. ein Berater unverzichtbar. Hier müssen Sie zusätzlich die Hinweise im Anhang, Kapitel Psychotische Symptome beachten, Fachpersonal hinzuziehen (z.B. einen staatlich anerkannten Therapeuten) und rund um die Uhr für durchgängige Betreuung sorgen! Unsere Testpersonen waren in vielen Fällen in ›offiziellen Stellen‹ (z.B. in einem Frauenhaus) untergebracht oder wohnten bei einem Freund bzw. einer Freundin.
Sie brauchen nichts über die eigentlichen Erlebnisse zu erzählen!
Ihr B wird anhand Ihrer non-verbalen Kommunikations-Signale (Gesichtsausdruck, Atmung, etc.) sehen können, dass Sie alles richtig machen. Die ersten Übungen haben daher nicht nur den Zweck Ihnen mehr Einfluss auf Ihr inneres Erleben zu geben, sondern auch Ihrem B die Möglichkeit zu geben, sich auf Ihre non-verbalen Kommunikationssignale einzustellen. Wenn Sie dann beide optimal auf einander eingespielt sind, können Sie die folgende Trauma-Auflösung durchführen.
Sollten Sie professionell im Bereich der Psychologie arbeiten, können Sie unser Buch den Betroffenen als Hausaufgabe mitgeben oder als B die Übungen mit Ihrem Klienten oder Ihrer Klientin durchgehen.
Als Betroffene bzw. Betroffener brauchen Sie nicht an die Wirkung der NLP Techniken zu glauben. Sie funktionieren unabhängig davon. Ihr B ist aber effektiver, wenn er oder sie daran glaubt, dass das Trauma mit Techniken wie NLP aufgelöst werden kann. Hierzu können Sie bei Bedarf die Übungen in den Kapiteln Überprüfung der Einstellung und Inneres Erleben auch mit vertauschten Rollen durchführen. Das gilt natürlich auch für alle anderen Übungen.
Frage: Wie oft muss man die Techniken zur Trauma-Auflösung pro Erlebnis wiederholen? Antwort: Nur einmal, dies aber gewissenhaft und gründlich. Oft wird sogar ein Trauma-Erlebnis durch die Bearbeitung eines anderen mit aufgelöst. In jedem Fall sollten Sie sich am Ende des Übungsprogramms durch Tests vergewissern, dass Sie das Trauma überwunden haben.

Die schweigend Leidenden:

Es gibt eine Gruppe von Menschen, die Hilfe brauchen, aber nie einen Therapeuten aufsuchen würden. Andere empfinden Therapie als ein Eingeständnis, dass man ›nicht ganz richtig tickt‹. Wieder andere wenden sich nicht an Therapeuten aus Angst, sie müßten über das Erlebte sprechen oder weil sie leider in der Annahme leben, dass sie schon zurecht kommen bzw. es bereits überwunden haben. Es ist unser Wunsch, dass Sie solchen Menschen dieses Buch empfehlen und gegebenenfalls für die Übungen als B fungieren. Diese Menschen wissen oft gar nicht, wie anders ihre Welt aussehen könnte, weil sich das Trauma zu sehr auf ihr Alltagsleben auswirkt.
Folgendes erwartet Sie:
In der ersten Übung sorgen wir für die richtige Einstellung und nützliche Glaubensvorstellungen bezüglich persönlicher Veränderung. Dies unterstützt alle folgenden Techniken. Dann lernen Sie, wie Sie ganz allgemein Ihr inneres Erleben kontrollieren können. Als nächstes folgt ein Power-Anker, der Ihnen ermöglicht, jederzeit auf ein besonders angenehmes Erlebnis zurückzugreifen. Falls Sie z.B. von Ängsten überkommen werden, können Sie diesen Anker benutzen um aus dem Angst-Zustand wieder in einen angenehmen Zustand zu wechseln. Auch in Situationen, in denen Sie z.B. schlechte Laune haben, können Sie sich mit diesem Anker in Sekundenschnelle in einen angenehmen Zustand versetzen.
Dann bringen wir Ihnen die doppelte Dissoziation bei, mit der Sie sich so stark von einem Erlebnis distanzieren können, dass die negativen Gefühle keinen Einfluss mehr haben. Viele Menschen dissoziieren sich automatisch bei negativen Erlebnissen, d.h. sie sehen sich buchstäblich von außen, als ›hätten sie einen neben sich stehen‹. Mit der doppelten Dissoziation gehen wir noch einen Schritt weiter, so dass Sie ein Mittel haben an schreckliche Erlebnisse zu denken, ohne dass die Panik auftritt: Sie sollen nicht nur lernen, sich von außen zu betrachten, sondern lernen den Betrachter, der sich von außen betrachtet, zu betrachten. :-)
Doppelte Dissoziation

Doppelte Dissoziation
Dann folgt der Kernpunkt des Programms: Die Desensibilisierung von der traumatischen Erfahrung. Dabei bringen wir Ihrem Gehirn bei, das Erlebnis so abzuspeichern, dass die Reiz-Reaktionskette, die bisher zur Panik führte, unterbrochen wird, und Sie eine neue Sichtweise der Situation gewinnen. Dadurch setzen Verarbeitungsprozesse ein, so dass die allermeisten Symptome meist innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen ganz von alleine verschwinden.
Zu keinem Zeitpunkt werden wir Sie irgendwelchen Panikzuständen aussetzen. Davon hatten Sie in der Vergangenheit mehr als genug!
Anschließend können Sie je nach Bedarf bestimmte Themen nachbearbeiten. Dazu gehören beispielsweise Schuldgefühle, Schamgefühle oder die Veränderung von Glaubenssätzen, d.h. Ideen, die man sich aufgrund bestimmter Erfahrungen in den Kopf gesetzt hat und die die persönliche Handlungsfreiheit einschränken. Bitte beachten Sie: Voraussetzung ist, dass Sie die Trauma-Auflösung schon durchgeführt haben.
Hinweis zur Sprache: Wir werden Sie, die das Trauma überwindet und sich damit Aktiv verändert, mit A bezeichnen. Damit umgehen wir, uns auf ein Geschlecht festlegen zu müssen. B ist, wie oben erwähnt, Ihr Berater bzw. Ihre Beraterin und wird Sie durch die Übungen begleiten.
Die meisten wollen jetzt sofort loslegen und das Trauma endlich auflösen. Falls Sie aber Bedenken haben, können Sie unser Programm erst einmal an einem ”kleineren” Erlebnis ausprobieren, z.B. einem Unfall ohne große Folgen. Sobald Sie dann festgestellt haben, das Sie jederzeit in Sicherheit sind, können Sie das eigentliche Trauma-Erlebnis Schritt für Schritt bearbeiten.

Mit dem Trauma zurechtkommen

Folgende Aktivitäten können Sie begleitend zu den Übungen durchführen, da diese den Verarbeitungsprozess unterstützen. Vielleicht sind Sie ja schon selbst auf einige dieser Maßnahmen gekommen, da Sie intuitiv wissen, was gut für Sie ist. Besonders hilfreich ist folgende Einstellung: Egal, was auch immer passieren mag. Ich kann mich davon erholen! Siehe hierzu auch das Kapitel Überprüfung der Einstellung.
Partnerin Suchen Sie den Grund für das traumatische Erlebnis. Es geht hierbei nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, dass Sie alle Informationen haben um sich vor einer Wiederholung zu schützen. Ergreifen Sie ggf. Vorsichtsmaßnahmen. Vermeiden Sie z.B. ›dunkle Ecken‹, gehen Sie nicht alleine durch dunkle Straßen, etc. Betroffene von traumatischen Erlebnissen sind hin- und hergerissen zwischen der Angst vor der Wiederholung des Erlebnisses und dem Entschluss sich von dem Erlebten nicht beeinträchtigen zu lassen. Daher schätzen sie das Gefahrenpotential bestimmter Situationen möglicherweise als zu hoch, aber oft auch zu gering ein. Manche können sich an wichtige Einzelheiten nicht erinnern und möglicherweise daher auch nicht vor Wiederholung schützen. Lücken in der Erinnerung sind ein Schutzmechanismus des Gehirns, Sie vor Eindrücken zu schützen, die ungefiltert eine zu starke psychische Belastung darstellen würden. Mit der doppelten Dissoziation bringen wir Ihnen eine wirksame Technik bei, sich von solchen Erinnerungen zu distanzieren. Wenn es dann für Sie angemessen ist, können Sie (nur wenn Sie möchten) Erinnerungs-Lücken aufheben.
Partnerin Zu welchen Menschen stehen Sie (gewollt oder ungewollt) in einer persönlichen Beziehung? Dies beinhaltet private und berufliche Beziehungen. Suchen Sie stabile soziale Beziehungen, die auf Vertrauen und Freundschaft basieren. Meiden Sie autoritäre, d.h. auf Angst basierende Beziehungen im Privatleben und möglichst auch im Berufsleben. Wenn Sie im Privat- oder Berufsleben (sexuell) belästigt werden, müssen Sie diese Verhältnisse beenden. Da dies oft mit organisatorischen Schwierigkeiten verbunden ist, haben wir im Anhang Weitere Anlaufstellen professionelle Beratungsstellen aufgelistet.
Viele Trauma-Betroffene befassen sich mit Geschichten von weit schlimmeren Erlebnissen. In diesem Licht erscheint einem dann die eigene Erfahrung als geringer (Minimalisierung). Es kann auch helfen, Freunden gegenüber häufig davon zu reden oder darüber zu schreiben. Einige stürzen sich in die Arbeit, um die Erinnerung an die Erlebnisse zu unterdrücken. Jede dieser Möglichkeiten ist in Ordnung, solange es Ihnen und Ihrem Umfeld gut tut.
Partnerin Ermitteln Sie Ihr Tages-Aktivitätsmuster. Wieviel Zeit verbringen Sie mit welcher Aktivität und was davon macht Ihnen Spaß? Ändern Sie Ihr Aktivitätsmuster so, dass Sie sich überwiegend wohlfühlen. Streichen Sie möglichst viele unangenehme Aktivitäten. Machen Sie nicht andere für Ihr Verhalten verantwortlich, sondern übernehmen Sie selbst die Verantwortung für Ihre Verhaltensweisen - auch für die symptomatischen. Aber erlauben Sie sich auch diejenigen Verhaltensweisen zu haben, die Sie an sich selbst nicht leiden können.
Partnerin Gefühle sind wichtig! Viele Betroffene unterdrücken nicht nur die Gefühle der Panik, sondern auch alle anderen Gefühle. Entwickeln Sie ein Gefühl für Ihren Körper, z.B. durch Tanzen oder Sport. Manchen Menschen hilft auch Kampfsport, der zu einer präzisen Körperkontrolle und damit Kenntnis Ihres eigenen Körpers verhilft. Kampfsportler sind meist in Gefahrensituationen ruhiger, erfahrener und wissen sich zu verteidigen, statt eine Opferrolle einzunehmen (zur Opferrolle haben wir im Kapitel Überprüfen der Einstellung auch eine Technik).
Partnerin Entwickeln Sie ein positives Körperbild: Stellen Sie sich 30 Minuten nackt vor einen Spiegel und betrachten Sie sich eingehend. Nicht schummeln! Schauen Sie auf die Uhr und schauen Sie sich mindestens 30 Minuten lang an. Lächeln hilft dabei.
Außerdem können Sie
  • Beratungsangebote wahrnehmen, s. Anhang
  • häufig Freunde bzw. die Familie besuchen
  • positiv denken und sich beschäftigen
  • sich ein schönes Hobby suchen, z.B. Sport
  • reisen oder umziehen

Hinweise für die Beraterin bzw. den Berater

Ihre Aufgabe als B, also als Beraterin bzw. Berater besteht darin, Ihr A durch die hier angegebenen Techniken zu führen. Vor jeder Übung sollten Sie sich gemeinsam mit Ihrem A und mit dem genauen Ablauf der einzelnen Schritte vertraut machen. Sorgen Sie auch für eine angenehme Atmosphäre, in der sie sich beide entspannt und gut fühlen. Lächeln und Humor sind jederzeit erlaubt! Ihre Rolle als B beinhaltet einen wohlmeinenden Grundzustand. Achten Sie darauf, dass Ihr A die Anweisungen genau befolgt. Sie behalten den roten Faden und verhindern, dass Ihr A ›abdriftet‹. Hier noch ein paar Hinweise, die Ihnen und Ihrem A die Techniken leicht machen:
  • Führen Sie die hier dargestellten Techniken in unveränderter Form durch. Hierbei sollen Sie die Anweisungen wörtlich nehmen. Generell gilt: Sie sollen Ihr A von negativen Gefühlen distanzieren und zu positiven Gefühlen in Kontakt bringen (und nicht umgekehrt!). Mehr dazu später. Wichtig: Unbedingt die Übungen in Teil A und B nur in der hier angegebener Reihenfolge durchführen, die sich daran anschließenden Übungen des Teils C je nach Bedarf. Vielleicht auch hier beim ersten Lesen in der angegebenen Reihenfolge. Wenn Sie die Techniken später auch auf andere (nicht-traumatische) Themen anwenden möchten, können Sie alle Übungen auch unabhängig voneinander durchführen.
  • Leiten Sie Ihr A in einzelnen Schritten durch die Techniken. Wenn man z.B. für eine Technik drei Erinnerungen braucht, sagen Sie Ihrem A nicht »Nun erinnere Dich an drei Situationen«, sondern stattdessen »Nun erinnere Dich an eine Situation. Hast Du eine? Gut! Nun erinnere Dich an eine weitere Situation. Gut! Und nun noch eine dritte.«
  • Formulieren Sie Ihre Anweisungen in klaren, einfachen Sätzen in positiver Form d.h. ohne Verwendung von Negationen. Ihr A wird Ihren Anweisungen wörtlich folgen. Wenn Sie sagen »Sei nicht sauer!« muss sich Ihr A erst erinnern, wie es ist, sauer zu sein, bevor sie weiß, wie sie sich nicht fühlen soll. Die Chancen, dass sie dabei sauer wird, sind groß. Sagen Sie stattdessen »Fühle Dich ganz entspannt. Stelle Dir dies vor. Schau Dir das an. Schau Dir Dich in dem Bild an. Was ist das für ein gutes Gefühl? Wo ist das gute Gefühl im Körper?«
  • Sagen Sie Ihrem A genau, wie sie denken soll, aber geben Sie ihr möglichst wenig Inhalt vor. Beobachten Sie genau die Reaktion Ihres A. Wenn Sie Ihren Anweisungen gut folgen kann, können Sie eine non-verbale Reaktion innerhalb von wenigen Sekunden sehen. Falls sie Probleme hat und Ihre Anweisungen erst für sich passend machen muss, können Sie dies an einer vielleicht 1-3 Sekunden lang andauernden Unruhe erkennen. Bandler und Grinder baten in ihren Seminaren die Teilnehmer ein Kristallkugelspiel zu spielen: Stellen Sie sich vor, sie hätten eine Kristallkugel und müssten Ihrem A gegenüber Gedankenleserin bzw. Gedankenleser spielen. Sie müssten ihr etwas erzählen, ohne wirklich ihre Gedanken zu kennen. Daher fangen Sie sehr vage an: »Ich sehe im Nebel der Kugel einen Mann«. Signalisiert Ihr A eher Zustimmung, machen Sie mit dem Mann weiter. Erkennen Sie eher Ablehnung, sagen Sie »Jetzt lichtet sich der Nebel und ich sehe, es ist doch eine Frau«. Wenn Sie diese inhaltliche Unklarheit benutzen, machen Sie es Ihrem A besonders leicht, sich auf ihr inneres Erleben zu konzentrieren und gleichzeitig Ihren Anweisungen zu folgen. Diese sollen ja in positiven Sätzen klar formuliert sein (s. oben). Sagen Sie z.B. »Erinnere Dich an ein angenehmes Erlebnis«. Dabei lassen Sie offen, was das konkret für ein angenehmes Erlebnis ist. Wenn Sie merken, dass Ihr A beginnt sich angenehm zu fühlen, sagen Sie einfach »ja« oder »gut« oder nicken. Sie brauchen nicht zu wissen, um was es geht. Wenn Sie möchten, dass sich Ihr A von diesem Erlebnis dann ein Bild macht, sagen Sie »Und schau' Dir dieses Erlebnis jetzt genau an«. Auch hierzu brauchen Sie nichts über das Erlebnis wissen. Sie werden aber an den Augenbewegungen und am Fokus ihrer Augen erkennen, ob sich Ihr A jetzt wirklich das Bild ansieht. Verlassen Sie sich auf das, was Sie beobachten können und passen Sie kontinuierlich Ihre Anweisungen auf Ihr A an.
  • Vertrauen Sie im Zweifel Ihrer Sinneswahrnehmung mehr, als den verbalen Antworten Ihres A. Fragen Sie aber, wo sie gerade ist, wenn Sie im Unklaren sind, welchen Teil Ihrer Anweisungen sie gerade durchführt. Nehmen Sie eine Position ein, in der Sie Ihr A gut beobachten können. Setzen Sie sich z.B. nicht frontal gegenüber, sondern etwas über Eck, damit Sie sie auch von der Seite sehen können.
  • Sprechen Sie in Ruhe mit Ihrem A. Lassen Sie ihr Zeit auf Ihre Anweisungen zu reagieren. Sie können anhand der non-verbalen Kommunikationssignale z.B. Augenbewegungen erkennen, wann Ihr A Ihre Anweisung befolgt. Dies geschieht etwa 1/2 Sekunde bis 3 Sekunden nachdem Sie sie dazu aufgefordert haben. Zählen Sie jetzt einmal drei Sekunden ab, damit Sie ein Gefühl für die Länge der Zeitspanne bekommen, innerhalb derer Ihr A wahrscheinlich reagieren wird: 21...22...23. Lassen Sie Ihrem A bei längeren inneren Prozessen, z.B. einer Suche, Zeit: »Nimm' Dir jetzt mal ein besonders angenehmes Erlebnis«. Hier muss Ihr A mehrere angenehme Erlebnisse durchgehen, bis sie ein passendes, besonders gutes gefunden hat. Sie können ihr Brücken bauen, indem Sie ihr Erlebnisse vorschlagen. Auch für das Ablaufenlassen von Filmen vor dem inneren Auge braucht Ihr A Zeit. Sie können weiter reden, während Ihr A ihre Aufmerksamkeit nach innen richtet, so dass Ihre Formulierungen sie bei den inneren Prozessen unterstützen. Oder Sie können Sprechpausen machen und abwarten. Wenn Sie aber zu lange Sprechpausen machen, verliert Ihr A eventuell den Kontakt zu Ihnen und driftet in irgendwelche Erinnerungen ab, anstatt Ihre Anweisungen zu befolgen. Dann wiederholen Sie einfach Ihre Anweisungen solange, bis sie sie ausgeführt hat. Es ist völlig ok, beliebig oft den gleichen Satz zu sagen.
  • Gehen Sie innerlich mit: Während Sie sie z.B. auffordern, sich ein inneres Bild zu machen, schauen Sie sich selbst ein inneres Bild an. Wenn Sie möchten, dass sich Ihr A entspannt, atmen Sie tief durch, lehnen sich zurück, lächeln und sagen (mit entspannter Stimme) »du kannst es Dir jetzt erlauben, Dich richtig zu entspannen«. Sie erzeugen damit so viele non-verbale Signale, dass es Ihrem A besonders leicht fallen wird, Ihren Anweisungen zu folgen.
  • Ihr A braucht nichts über ihre Erlebnisse zu erzählen. Sie soll selbst entscheiden, ob und was sie Ihnen dazu mitteilt. Ihr A soll Sie, während Sie die Übungen durchgehen, möglichst wenig mit Inhalten belasten, damit Sie sich ganz auf den Prozess konzentrieren und Ihr A optimal bei den Übungen unterstützen können.
  • Trauma-Betroffene können selbstmordgefährdet sein! Die Betroffenen wollen dadurch der emotionalen Belastung entfliehen und glauben, dass sie mit dem Erlebten nicht mehr weiterleben können. Teilen Sie Ihrem A vorsorglich mit, dass die Leidensphase zu Ende ist, sobald Sie das Kapitel Trauma-Auflösung durchgeführt haben. Auch durch die anderen Übungen lernt Ihr A jede Menge Techniken im Umgang mit erwünschten und unerwünschten Gefühlen. Bei Selbstmordgefahr müssen Sie Fachpersonal hinzuziehen und bis zur vollständigen Trauma-Auflösung für eine durchgängige ›rund-um-die-Uhr‹-Betreuung sorgen.
  • Hier noch Hinweise für Fachleute, die normalerweise andere Techniken als NLP einsetzen: Während Sie Ihr A bzw. Klientin durch die Übungen führen, können Sie natürlich sämtliche kommunikativen Fähigkeiten, Erkenntnisse und Erfahrungen aus Ihrer Fachrichtung einsetzen. Behalten Sie aber die Grundstruktur der Übungen bei. Besonders bei der Trauma-Auflösung ist es wichtig, zuerst dissoziiert, dann assoziert zu arbeiten. Lassen Sie Ihr A bzw. Klientin im voraus wissen, was als nächstes kommt und welches Ziel die jeweilige Übung hat. Im NLP ist neben Multilevel-Kommunikation zudem wichtig, dass die Klienten die Übungen selbstständig durchführen lernen und dass Veränderungen in konkreten zukünftigen Situationen kontextualisiert werden. Besonders im dritten Teil können Sie - besser als jedes Buch - Ihrem A bzw. Klientin wertvolle Hinweise aus pychologischer Sicht geben und das Übungsprogramm um Techniken Ihrer Fachrichtung bereichern.

Wahrnehmung

Gute Wahrnehmung hat im NLP einen hohen Stellenwert. 60% der Kommunikation findet über Körpersprache statt z.B. Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Atmung, Muskeltonus, Augenbewegungen, Körpersprache statt z.B. Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Atmung, Muskeltonus, Augenbewegungen, Augenfokussierung, Hautfärbung und Glanz, etc. Weitere 30% sind Stimmklang, wie Tonhöhe, Lautstärke, Tempo, Modulation, etc. Nur 10% der Informationen bei der Kommunikation werden durch Sprache d.h. Wörter übermittelt. Im NLP ordnet man einem bestimmten non-verbalen körperlichen und stimmlichen Ausdruck einen jeweiligen inneren Zustand zu. Wenn Sie z.B. an jemanden bestimmten denken, drückt sich dies in Ihren non-verbalen Kommunikationssignalen aus, die bei jedem individuell verschieden sind. Ein guter NLPler kann sich auf die jeweiligen äußerlichen Veränderungen einstellen und sieht daher, wenn Ihr A in einen bestimmten inneren Zustand geht. Er kann so erkennen, ob Ihr A den Anweisungen folgt. Sie haben also immer non-verbale Rückmeldung über das, was Ihr A gerade tut. Beobachten Sie daher genau und passen Sie Ihre Kommunikation sofort der Beobachtung an.

Beispiel:

B: »Nun brauchen wir ein besonders angenehmes Erlebnis. Nimm' Dir bitte ein besonders angenehmes Erlebnis. Was für eine Erinnerung kannst Du nehmen, die so stark ist, dass diese Erinnerung Dich in allen Situationen, in denen Du bessere Laune haben möchtest, sofort auf gute Gedanken bringt und Dich guuut fühlen lässt.«

(A schaut skeptisch, da sie vielleicht eher an schlechte Laune denkt)

B: »Nicht daran denken, sondern an ein gutes Erlebnis. Wir suchen angenehme Erlebnisse!«

(A grinst und atmet tief ein)

(B nickt und grinst ebenfalls und geht mit, d.h. auch sie erinnert sich an ein angenehmes Erlebnis)

B: »Genau! Und nun schau' Dir dieses angenehme Erlebnis an. Ist dieses Erlebnis intensiv genug? Oder möchtest Du ein anderes nehmen?«

(A lächelt und hat leicht abwesenden Blick)

B: »All diese angenehmen Erlebnisse...Welches ist gut, damit Du Dich in jeder Situation sofort gut fühlen kannst?«

(B wartet 1-2 Sekunden)

B: »Schau' Dir diese angenehmen Erlebnisse genau an...welches war besonders angenehm?«

(B wartet 1-2 Sekunden)

(A blickt auf einmal in eine bestimmte Richtung)

B: »Dieses?«

(A schaut verwirrt und unsicher)

B: »Ok, vielleicht ein anderes. Schau' sie Dir genau an. Was für eine Erinnerung ist besonders kraftvoll?« (A schaut wieder in eine definitive Richtung, atmet tief ein, schaut B an und lächelt: »Jetzt habe ich eine besonders gute Erinnerung.«)

Diese Art der Kommunikation erlaubt Ihrem A in ihrem inneren Erleben zu bleiben. Sie braucht sich nicht darauf zu konzentrieren, Ihnen verbal zu antworten. Das macht es ihr besonders leicht und angenehm. Wenn Sie Ihr A schon länger kennen, hat sich vielleicht schon eine bestimmte Kommunikation zwischen Ihnen eingespielt, die sie natürlich auch nutzen können. Im obigen Beispiel haben sie vielleicht auch bemerkt, dass Ihr A zu keinem Zeitpunkt über den Inhalt des angenehmen Erlebnis mit Ihnen gesprochen hat.
Bei den Übungen gehen Sie am besten so vor: Lesen Sie zusammen das jeweilige Kapitel ganz durch. Am Ende finden Sie eine Zusammenfassung. Besprechen Sie die Übung und klären, wer wofür zuständig ist. Vielleicht möchten Sie sich zusätzlich Notizen machen. Es geht am leichtesten, wenn Sie die jeweilige Übung an einem Stück durchführen.
Berater Zum Warmwerden: Fordern Sie Ihr A auf, sich an ein schönes Erlebnis zu erinnern und Ihnen ein Stichwort zu nennen, was dieses treffend beschreibt. Wiederholen Sie dies mit weiteren angenehmen Erlebnissen bis zu fünfmal. Beobachten Sie dabei ihre non-verbalen Kommunikationssignale.
Nun geht es los! Wir wünschen eine angenehme Reise!

Überprüfung der Einstellung

Ihre Glaubensvorstellungen über die Veränderung des inneren Erlebens haben Einfluss darauf, wie leicht sie die Übungen durchführen können. Es funktioniert zwar auch, wenn man nicht daran glaubt. Aber es ist leichter mit den ”richtigen” Glaubenssätzen und einer nützlichen Einstellung. Und wir möchten es Ihnen so leicht wie möglich machen. In Bandlers NLP-Kursen wurden als erstes alle Glaubensvorstellungen über das Lernen überprüft. Danach hatten die Teilnehmer die Einstellung, dass sie leicht, schnell und mit Spaß an der Sache lernen können. Dann erst ging das eigentliche (beschleunigte) Kursprogramm los.
Unsere Gesellschaft nimmt wissenschaftliche Erkenntnisse zum Teil mit einer erheblichen Verzögerung auf. Daher halten sich einige Glaubenssätze, die sogar Fachleute daran hindern können, Heilungsmöglichkeiten wahrzunehmen. Hier einige Negativ-Beispiele:
»Psychische Heilung ist ein langwieriger Prozess«, »Veränderung ist schwierig und leidvoll«, »Der Mensch verändert sich nicht gerne«, »Für dramatische Erlebnisse braucht man dramatische Heilungsmethoden«.
Viele Trauma-Betroffene hoffen zwar auf eine Linderung der Symptome, glauben aber nicht wirklich daran, dass sie ihr Trauma vollständig auflösen können. Hier lautet der einschränkende Glaubenssatz »Das Trauma wird mich mein Leben lang begleiten/verfolgen«, statt »Ich kann das Trauma vollständig auflösen und ein normales Leben führen.«
Ein wichtiger Aspekt Ihrer Einstellung ist die zeitliche Einordnung der traumatischen Erlebnisse. Für viele Betroffenen ist es so, als wäre das traumatische Erlebnis in der Gegenwart statt in der Vergangenheit. Sie ziehen keine klare Trennung zwischen vergangenen Erlebnissen und dem Hier-und-Jetzt. Wo in Ihrer Vergangenheit ist das traumatische Erlebnis einzuordnen? Machen Sie sich bitte folgendes klar: »Vergangene Erlebnisse sind heute nicht mehr real«. Diese Glaubenssatz macht es Ihnen leichter mit unangenehmen Erlebnissen klarzukommen, als die Vorstellung »unangenehme Erlebnisse werden mich ein Leben lang begleiten«. Natürlich sollen Sie sich an die Fakten des Erlebnisses erinnern können. Aber nur im Rückblick! Nur die Gegenwart ist real, die Vergangenheit ist bereits vorüber, und die Zukunft ist erst Möglichkeit. Daher Richard Bandlers Ausspruch: »Das Beste an der Vergangenheit ist, dass sie vorüber ist«. Solch eine Einstellung schwächt außerdem unaufgefordert auftretende Erinnerungen (Flashbacks und Intrusionen) ab. Wie wäre es, wenn Sie alle unangenehmen Erinnerungen der Vergangenheit als vergangen d.h. nicht mehr real, ansehen würden?
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Hier ein paar nützliche Glaubenssätze:
  • Ich kann negative Erlebnisse so einordnen, dass klar wird/ist, dass sie vergangen sind.
  • Das Trauma-Erlebnis fand in der Vergangenheit statt, nicht in der Gegenwart bzw. Zukunft
  • Informationen über negative Erlebnisse haben Schutzfunktion.
  • Alle positiven Erlebnisse erzeugen Ressourcen, die uns in Zukunft zur Verfügung stehen.
  • Ich kann lernen, mich schnell und effektiv zu verändern und die Richtung selbst bestimmen.
  • Ich kann die Wirkung von persönlichen Veränderungen im Alltag wahrnehmen und testen.
Überprüfen Sie jetzt Ihre Einstellung, Ihre Glaubenssätze und Vorannahmen bezüglich Trauma-Auflösung. Falls sie Glaubenssätze mit sich herumtragen, die Ihnen die persönliche Veränderung erschweren könnten, notieren Sie sich diese, um sie in nachfolgender Übung umzuwandeln. Bestimmen Sie zu jedem Glaubenssatz, den sie umwandeln möchten, eine Alternative, die Ihnen die persönliche Veränderung erleichtert. Der neue Glaubenssatz soll sich positiv auf Ihr Leben und Ihre Weiterentwicklung auswirken. Verwandeln Sie einschränkene Glaubenssätze in solche, die Ihnen mehr Möglichkeiten schaffen.
Als B sollten Sie natürlich ebenfalls Ihre Glaubenssätze überprüfen und ggf. die Übung mit vertauschten Rollen durchführen.

Checkliste für wirkungsvolle Glaubenssätze

  • Positiv formuliert (sagen, was man will, statt was man nicht will)
  • Dynamischer Prozess, statt »ich bin gut in X«, lieber »ich kann lernen besser in X zu sein«
  • Ist der Glaubenssatz genau genug formuliert? In welchem Kontext soll er gelten? Wann? Wo?
  • Woran können Sie erkennen, dass sich der Glaubenssatz bewahrheitet?
  • Ist der neue Glaubenssatz verlockend genug?
  • Können Sie nach diesem Glaubenssatz handeln? Sind Sie dabei unabhängig von anderen?
  • Passt der Glaubensatz zu allen Aspekten Ihres Lebens, zu Ihren Werten und Zielen?
  • Was wäre, wenn Sie ihn jetzt glauben? Sind Sie zu 100% mit dem Glaubenssatz zufrieden? Gibt es Einwände?

Bitte beachten Sie: Diese Checkliste bezieht sich auf die Form der Glaubenssätze, nicht auf den Inhalt. Jeder soll und muss den Inhalt seiner Glaubenssätze selbst bestimmen. Als B sollen Sie darauf achten, dass die formalen Kriterien der Checkliste erfüllt sind, aber inhaltlich Ihre eigene Meinung heraushalten.
Die mit einem großen B markierten Anweisungen sind für Ihren Berater bzw. Ihre Beraterin bestimmt. Die mit A gekenntzeichneten sind für Sie. Als Team können Sie alle Anweisungen, also auch die für den jeweils anderen, vor jeder Übung gemeinsam lesen.

Glaubenssätze neu bewerten (Meta-Yessing/Meta-Noing):

Partnerin Denken Sie an eine Situation, in der Sie etwas strikt abgelehnt haben z.B. einen Verehrer, oder jemand, der Ihnen etwas aufschwatzen wollte. Bitte kein Trauma-Erlebnis nehmen, sondern eine Situation aus dem Alltagsleben, bei der Sie ein eindeutiges Nein-Gefühl hatten. Denken Sie an eine Situation, in der Sie deutlich und kräftig »Nein!« gesagt haben. Erleben Sie noch einmal dieses deutliche Nein-Gefühl und machen Sie, wenn das Nein-Gefühl am intensivsten ist, eine dazu passende Geste (z.B. eine wegwerfende Handbewegung). Sagen Sie während der Geste laut und energisch »Nein!«. Verstärken Sie das Nein-Gefühl, machen gleichzeitig die Nein-Geste und sagen ein lautes »Nein!«. Nun erinnern Sie sich an eine weitere Situation, in der Sie etwas ebenfalls mit einem deutlichen Nein abgelehnt haben. Auch hier wieder dieselbe Nein-Geste machen und »Nein!« rufen, wenn das Gefühl am intensivsten ist. Nehmen Sie noch eine dritte Nein-Situation und machen wieder die selbe Nein-Geste - »NEIN!!«. Denken Sie nun kurz an etwas anderes (neutrales), um aus den Nein-Gefühl herauszugehen, und überprüfen dann, ob das Ausführen der Nein-Geste das starke Nein-Gefühl wieder hervorruft.
Berater Erinnern Sie Ihr A nacheinander an ein paar Nein-Situationen, in denen sie etwas kräftig abgelehnt hat. Achten Sie auf ihre non-verbalen Kommunikationssignale (z.B. Körperhaltung, Mimik, Atmung), wenn sie etwas deutlich ablehnt, also während der Nein-Geste. Am besten wirkt es, wenn Ihr A während der Geste laut »Nein!« sagt. Bringen Sie Ihr A zwischen jeder Nein-Situation wieder in einen neutralen Gefühlszustand.
Partnerin Denken Sie nun an eine Situation, in der Sie mit etwas absolut einverstanden waren und zugestimmt haben, also an ein klares »Ja!«. In dem Moment, wo das Ja-Gefühl am stärksten ist, machen Sie eine Ja-Geste und sagen mit Freude »Ja!«. Die Ja-Geste soll sich deutlich von der Nein-Geste unterscheiden. Viele machen als Ja-Geste mit beiden Händen oder Armen eine symmetrische Bewegung. Sie drehen z.B. beide Hande mit den Handflächen nach oben. Intensivieren Sie das Ja-Gefühl, machen gleichzeitig die Ja-Geste und sagen laut »Jaa!«. Denken Sie nun an eine weitere Situation mit einem deutlichen »Ja«. Und wieder die selbe Ja-Geste und der Ja-Ausruf, sobald das Ja-Gefühl am intensivsten ist, wiederholen Sie dies jetzt noch mit einer dritten Situation - »Jaaaa!«. Diese Ja-Geste sollte jetzt das starke Ja-Gefühl auslösen. Dies können Sie überprüfen, indem Sie erst an etwas Neutrales denken und dann die Ja-Geste ausführen um das Ja-Gefühl zu aktivieren.
Berater Erinnern Sie Ihr A nacheinander an ein paar Ja-Situationen und achten auf ihren non-verbalen Ausdruck während der Ja-Geste. Sie soll während der Geste ein lautes »Jaa!« artikulieren. Fordern Sie auch hier Ihr A zwischen den Ja-Situationen auf, wieder einen neutralen Gefühlszustand anzunehmen.
Partnerin Nun denken Sie an einen Glaubenssatz, den Sie ändern möchten, z.B. »Negative Erlebnisse werden mich mein Leben lang verfolgen«. Während Sie nun diesen Glaubenssatz bewerten, machen Sie die Nein-Geste und rufen »Nein!«. Bin ich mit diesem Glaubenssatz einverstanden? Während Sie sich das fragen, machen Sie die Nein-Geste - »Nein!«. Wird sich dieser Glaubenssatz positiv auf Ihr Leben auswirken? Während Sie über seine Wirkung nachdenken, machen Sie die Nein-Geste - »Nein!«. Wiederholen Sie diesen Schritt ca. fünf Mal, indem Sie jedesmal, während Sie über den Glaubenssatz nachdenken, ihn bewerten und sich nach seinen Auswirkungen auf Ihr Leben fragen, die Nein-Geste ausführen und energisch »Nein!« sagen.
Berater Fordern Sie Ihr A auf, in bewertender Art und Weise über ihren alten Glaubenssatz nachzudenken. Sie soll, während sie den alten Glaubenssatz bewertet, die Nein-Geste ausführen und »Nein!« sagen. Wiederholen Sie diesen Schritt so oft, bis Ihr A in dem Moment, wenn sie an den alten Glaubenssatz denkt, ablehnend aussieht. Bewertungsfragen sind: »Findest Du diesen Glaubenssatz gut?«, »Bist DU mit ihm einverstanden?«, »Ist dieser Glaubenssatz gut für Dich?«, »Möchtest Du mit diesem Glaubenssatz leben?«, »Möchtest Du diesem Glaubenssatz Einfluss auf Dein Leben erlauben?« etc.
Partnerin Denken Sie nun an den neuen Glaubenssatz, der Ihren alten ersetzen soll, z.B. »Ich kann negative Erlebnisse so einordnen, dass klar ist, dass sie vergangen sind.« Ist dieser neue Glaubenssatz positiv formuliert und beinhaltet Lernprozesse? Wenn ja, bewerten Sie diesen Glaubenssatz und machen währenddessen die Ja-Geste und rufen »Ja!«. Wirkt sich dieser neue Glaubenssatz positiv auf Ihr Leben aus? Machen Sie, während Sie darüber nachdenken, die Ja-Geste und rufen »Ja!«. Während Sie sich fragen, ob der neue Glaubenssatz Ihre Möglichkeiten erweitert, machen Sie die Ja Geste. Wiederholen Sie auch diesen Schritt fünf Mal: Denken Sie an diesen Glaubenssatz, bewerten ihn, fragen sich nach seiner Auswirkung auf Ihr Leben und führen gleichzeitig die Ja-Geste aus und rufen: »Jaa!«.
Berater Lassen Sie Ihr A in bewertender Art und Weise über ihren neuen Glaubenssatz nachdenken. Sie soll, während sie den neuen Glaubenssatz bewertet, die Ja-Geste ausführen und laut »Ja!« sagen. Wiederholen Sie diesen Schritt so oft bis Ihr A in dem Moment, wenn sie an den neuen Glaubenssatz denkt, nach »ja!« aussieht. Sie können wieder folgende Bewertungsfragen stellen: »Findest Du diesen Glaubenssatz gut?«, »Bist DU mit ihm einverstanden?«, »Ist dieser Glaubenssatz gut für Dich?«, »Möchtest Du mit diesem Glaubenssatz leben?«, »Möchtest Du diesem Glaubenssatz Einfluss auf Dein Leben erlauben?«, »Möchtest Du diesen Glaubenssatz behalten?« etc.
Partnerin Test: Wenn Sie nun an den alten Glaubenssatz denken, glauben Sie ihn noch? Glauben Sie an den Neuen?
Berater Sie können Ihrem A ansehen, ob sie beim alten Glaubenssatz eher ablehnend aussieht und beim neuen eher zustimmend.
Überprüfen Sie auch, ob Sie sich in einer Opferrolle sehen. Dies beinhaltet nämlich Passivität und Hilflosigkeit. Ändern Sie diese Einstellung in: »Ich bin eine Suchende«, »ich bin eine aktiv und bewusst Gestaltende«, »Ich gehe los, gestalte und bestimme mein Leben!«, »...und bei Schwierigkeiten werde ich das lernen, was ich zur Überwindung brauche«. Dies gibt Ihnen die Chance, die Werte und Richtung Ihres Lebens selbst neu zu bestimmen!
Nachdem Sie alle einschränkenden Glaubenssätze bearbeitet haben, nehmen Sie sich einen Moment Zeit und denken über Ihre neue Einstellung nach, die Sie mit den neuen Glaubenssätzen gewonnen haben. Wie denken Sie jetzt über die Trauma-Auflösung? Was erwarten Sie von den Übungen? Wie denken Sie über Ihre persönliche Weiterentwicklung? Welche Mindestanforderung stellen Sie? Sind Sie bereit sich überraschen zu lassen, wenn Ihre Erwartungen sogar übertroffen werden? Sie können aber auch ruhig skeptisch sein, wenn das bewirkt, dass Sie genauer hinsehen und Ihr sonstiges Wissen in den Prozess einbauen.
Vielen gibt diese konzentrierte Art über Glaubenssätze nachzudenken neue Denkanstöße. Nun können Sie das Übungsprogramm mit neuen Glaubenssätzen und neuer Einstellung fortführen. Sie können aber auch erst für ein paar Tage Ihre Glaubenssätze überprüfen und dann hierher zurückkehren. Meta-Yessing/Meta-Noing eigenet sich natürlich auch, um andere einschränkende Glaubenssätze in nützliche zu verwandeln. Mehr dazu später im Kapitel Glaubenssätze ändern. Viele von unseren Test-Personen setzen die Ja-Geste und die Nein-Geste auch in anderen Alltagssituationen ein, wann immer sie ein starkes Ja-Gefühl bzw. Nein-Gefühl brauchen.

Inneres Erleben

Da wir nach Richard Bandler nicht mit einer Bedienungsanleitung für unser Gehirn zur Welt kommen, müssen wir anderweitig lernen, wie wir unsere inneren Prozesse steuern können. Dies ist in seinem Buch ›Die Veränderung des subjektiven Erlebens‹ (s. Literaturhinweise im Anhang) meisterhaft und humorvoll beschrieben. Viele Menschen sind z.B. Stimmungsschwankungen und schlechter Laune ausgeliefert. Bandler und Grinder stellten fest, dass unsere Gefühle und Stimmungen durch Bilder hervorgerufen werden, die wir uns vor unserem inneren Auge machen. Auch das, was wir uns vor unserem inneren Ohr vorspielen, beeinflusst unser Gefühlsleben. Manche hören z.B. die kritische Stimme eines Elternteils oder Lehrers und fühlen sich dann schlecht.
Sobald Sie das einmal erkannt haben, können Sie solche Bilder, Filme oder Stimmen verändern und damit Ihr Gefühlsleben beeinflussen. Sie erhalten so die Kontrolle über Ihr inneres Erleben.
Welche Farbe hat Ihre Zahnbürste? Um diese Frage zu beantworten, müssen Sie sich kurz Ihre Zahnbürste vor Ihrem inneren Auge vorstellen. Sie lesen ein Buch. Der Held verlässt das Haus, steigt in ein rotes Auto und braust davon. Während Sie dies lesen, sehen Sie wahrscheinlich jemanden vor Ihrem inneren Auge, wie er aus einem Haus geht und in ein rotes Auto steigt. Hören Sie dabei auch das Geräusch, wie das Auto davon braust? Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und beachten Sie, welche Dinge Sie vor Ihrem inneren Auge und/oder in Ihren inneren Ohren wahrnehmen. Wenn Sie genau darauf achten, werden Sie feststellen, dass es bei Ihren inneren Bildern und Filmen Unterschiede zu den Bildern der äußeren Realität gibt. Bei manchen sind die inneren Bilder zum Beispiel etwas dunkler oder unschärfer als die der Realität. Es ist gut, dass Ihr Gehirn hier einen Unterschied zwischen innerer und äußerer Realität macht. Andernfalls hätten Sie Schwierigkeiten sofort zu erkennen, was Realität ist. Wenn Sie in Zukunft stärker auf Ihre inneren Bilder bzw. Filme, sowie inneren Monologe, Dialoge, Töne und Geräusche achten, lernen Sie diese weitgehend unbewusst ablaufenden Denkprozesse bewusst wahrzunehmen.

Visualisieren

Manche glauben, dass ihnen das Visualisieren schwer fällt. Wenn Sie vorhin ein rotes Auto gesehen haben, gehören Sie nicht dazu. Dann können Sie diesen Kasten überspringen. Ansonsten hier ein paar Hinweise zu Ihren inneren Bildern:
  • Jeder Mensch macht sich innere Bilder und Filme. Die Frage ist nur, ob er sich darüber bewusst ist.
  • Manche Menschen sind zu kritisch und sehen zwar Bilder und Filme, diese unterscheiden sich aber in ihrer visuellen Qualität von den Bildern der äußeren Realität. Gut so, denn so unterscheiden Sie innere von äußerer Realität. Bei vielen sind die inneren Bilder etwas dunkler, vielleicht nicht so scharf, usw. Nichtsdestotrotz sind es Bilder. Im folgenden lernen Sie Ihre visuellen Fähigkeiten kennen.
  • Entspannen Sie sich und lächeln!
  • Wenn Sie an etwas denken, kommt vielleicht zuerst kein Bild, sondern eher ein Gefühl oder eine auditive Erinnerung z.B. ein Wort, Ton oder Geräusch. Achten Sie auf das, was Sie fühlen oder hören und machen es stärker. Sie werden bemerken, wie Sie dadurch auch das Bild oder den Film (besser) sehen können. Manchmal ist es auch ein Geruch oder Geschmack. Sie können also von einem Wahrnehmungssystem ins andere übergehen.
  • Glauben Sie, dass Sie kein ›visueller Mensch‹ sind? Dann sollten Sie diesen Glaubenssatz mit Hilfe von Meta-Yessing/Meta-Noing im vorangegangenen Kapitel ändern: »Ich kann lernen mein visuelles System genauso gut zu benutzen, wie die anderen Systeme auch«.
Das, was vor unseren inneren Augen und Ohren stattfindet, beeinflusst unser Gefühlsleben. Sie kennen sicher folgendes Phänomen: Sie haben eine besonders angenehme Zeit verbracht und währenddessen immer wieder ein bestimmtes Lied im Radio gehört? Wenn Sie jetzt in Ihren inneren Ohren dieses Lied erklingen lassen, kehren automatisch die angenehmen Gefühle dieser Zeit zurück.
Bandler und Grinder entdeckten nun, dass man die Eigenschaften dieser inneren Wahrnehmung ändern kann und damit die Wirkung, die diese auf das Empfinden hat. Erinnern Sie sich jetzt bitte an ein angenehmes Erlebnis! Haben Sie dabei vor Ihrem inneren Auge ein Standbild oder einen Film? Wo in Ihrem Gesichtsfeld ist das Bild oder der Film Ihrer Erinnerung? Welche Entfernung von Ihnen hat das Bild oder der Film? Ist das Bild oder der Film eher groß oder eher klein? Erinnern Sie sich daran farbig oder schwarz-weiß? Eher hell oder eher dunkel? Die Art, wie Sie diese visuelle Erinnerung vor Ihrem inneren Auge repräsentieren, beeinflusst die Art, wie Sie auf dieses angenehme Erlebnis reagieren. Um sich den Zugang zu dem Bild oder Film zu erleichtern, können Sie ein Stichwort nennen, das dieses Erlebnis treffend beschreibt. Oder Sie strecken den Arm aus und fassen das Bild oder den Film an oder zeigen nur darauf.
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Jetzt lernen Sie, die Wirkung dieses angenehmen Erlebnisses zu beeinflussen. Ihr B kann Sie dabei unterstützen. Als B haben Sie die Aufgabe, Ihr A von negativen Gefühlen wegzubewegen und sich guten Gefühlen und Erinnerungen hinzuwenden. Hinweis: Bis zum Kapitel Trauma-Auflösung soll Ihr A keine traumatischen Erlebnisse bearbeiten. Ihr A soll sich generell nicht intensiv schlecht fühlen, sondern sich in einem Bewusstseinszustand befinden, der ihr Handlungsfähigkeit gibt. Beobachten Sie sie also genau. Manche Betroffene nehmen nämlich stark belastende Erlebnisse. Dann müssen Sie sie unterbrechen und in einen guten oder neutralen Zustand zurückbringen.
Bitte führen Sie wirklich alle folgenden Übungen durch. Diese haben nicht nur einen positiven Einfluss auf Ihr Leben, sondern auch den Sinn, dass Sie und Ihr B optimal aufeinander eingespielt sind.
Nun zurück zu dem angenehmen Erlebnis:

Übung zur Veränderung des Empfindens (visuell)

Partnerin Nennen Sie Ihrem B ein Stichwort mit dessen Hilfe Sie sich gut an dieses angenehme Erlebnis erinnern können z.B. ›Sommerurlaub‹. Sie entscheiden, welches Stichwort am besten geeignet ist. Teilen Sie Ihrem B mit, ob es sich um ein Bild oder einen Film handelt. Den Inhalt behalten Sie für sich. Schauen Sie sich mit offenen oder geschlossenen Augen das Bild oder den Film an. Nun machen Sie das Bild oder den Film größer. Behalten Sie den Inhalt gleich und ändern nur die Bildgröße. Achten Sie darauf, wie sich Ihre Gefühle verändern. Bei den meisten Menschen verstärkt sich das Gefühl, wenn sie das Bild oder den Film größer machen. Umgekehrt wird das Gefühl schwächer, wenn Sie das Bild oder den Film kleiner machen.
Berater Bitten Sie Ihr A Ihnen zu zeigen, wo im Raum sie ihr Bild bzw. ihren Film sieht und schauen Sie mit ihr zusammen hin. Begleiten Sie sie, indem Sie die obigen Anweisungen wiederholen, z.B. »Während Du Dir das Erlebnis X (hier das Stichwort benutzen) ansiehst, kannst du das Bild/den Film größer machen...und noch etwas größer und noch größer«. Dabei achten Sie auf die non-verbalen Kommunikationssignale Ihres A z.B. Gesichtsausdruck und Atmung. Verstärkt das Größermachen des Bildes bzw. des Films ihre Gefühle? Atmet sie tiefer, rötet sich Ihr Gesicht und lächelt sie stärker? Nun bitten Sie sie das Bild bzw. den Film kleiner zu machen. Wie ändert sich dabei ihr Ausdruck?
Partnerin Gehen Sie gemeinsam ein paar dieser Eigenschaften (sogenannte Submodalitäten) durch: Größe, Abstand zu Ihrem Gesichtsfeld, Bild-Position (oben, unten, links, rechts, vorne, hinten), Farbintensität, Helligkeit; und achten Sie darauf, wodurch sich Ihre Gefühle verstärken und wodurch sie sich abschwächen. Ihr Gehirn lernt, wie Sie die Eigenschaften von Erinnerungen ändern können, um Ihre Gefühle zu beeinflussen. Zum Schluss machen Sie aus dem Standbild einen Film oder aus dem Film ein Standbild, um zu bemerken, wie dies das Erlebnis beeinflusst.
Berater Begleiten Sie Ihr A beim Variieren der Submodalitäten. Sie geben unaufdringlich Anweisungen, während Ihr A nach innen geht. Benutzen Sie dabei das Stichwort, das sie Ihnen genannt hat. Dadurch helfen Sie ihr, sich besser an das Erlebnis zu erinnern. »Und wenn Du jetzt 'Sommerurlaub' ansiehst und dabei das Bild/den Film näher an Dich heranholst, achte auf Deine Gefühle.« Sprechen Sie so mit Ihrem A, dass Sie Ihnen nicht antworten muss, sondern sich ganz auf ihr Erleben konzentrieren kann. Für Sie dient diese Übung - wie die drei folgenden auch - unter anderem zu lernen jemanden sprachlich durch einen Prozess zu begleiten und dabei auf non-verbale Signale zu achten. Versuchen Sie zu erkennen, wie sich die Gefühle Ihres A verändern und fragen Sie nach der Übung, ob Sie richtig gelegen haben. Vielleicht hatten Sie z.B. den Eindruck, dass sich die Gefühle Ihres A intensivierten, als Sie das Bild näher an sich heran holte. Die Fähigkeiten, die Sie durch diese Übungen erlernen, können Sie in späteren Kapiteln (und natürlich auch sonst im Leben) nutzen.
Da Sie und Ihr B schwerkpunktmäßig etwas anderes bei dieser Übung lernen, können Sie die Rollen tauschen. So haben beide maximalen Nutzen davon. Sie könnten sich z.B. angewöhnen, in Zukunft automatisch angenehme Bilder und Filme größer und unangenehme kleiner zu machen. Bei welchen Gelegenheiten werden Sie in Zukunft angenehme Bilder verstärken und unangenehme abschwächen?

Übung zur Änderung des Blickwinkels

Achten Sie darauf, ob Sie sich bei dem angenehmen Erlebnis im Bild oder Film selbst gesehen haben oder aus Ihren Augen auf die Szenerie um sich herum geschaut haben. Falls Sie sich selbst gesehen haben, als hätte Sie jemand anderes fotografiert oder gefilmt, nennt man dies dissoziierte Perspektive. Der Blick aus Ihren Augen auf die Szenerie heißt assoziierte Perspektive. In dieser Ansicht können Sie an sich selbst herunter schauen oder gerade noch die Nasenspitze erkennen, so wie wir die äußere Realität um uns herum wahrnehmen.
Assoziiert / Dissoziiert

Assoziiert / Dissoziiert
In der assoziierten Perspektive sind die Gefühle normalerweise stärker, während sie durch die dissoziierte Perspektive abgeschwächt werden. Ändern Sie nun Ihre Perspektive: Wenn Sie sich vorher selbst gesehen haben, steigen Sie nun in ihr Bild ein und blicken aus Ihren Augen auf die Szenerie. Haben Sie vorher aus Ihren eigenen Augen geschaut, treten Sie nun im Geiste einen Schritt zurück und sehen sich, wie sie in der Szene aussehen. Wiederholen Sie diesen Wechsel der Perspektive und achten darauf, wie sich Ihre Gefühle ändern. Wir möchten, dass Sie in Zukunft die Wahl haben, welche Perspektive Sie einnehmen. Dann können Sie sich nämlich von unangenehmen Dingen dissoziieren und zu angenehmen assoziieren. Mehr dazu im Kapitel Sich von dem Erlebnis distanzieren.

Übung zur Veränderung des Empfindens (auditiv)

Wir alle haben nicht nur innere Bilder und Gefühle, sondern auch Töne, Geräusche und Stimmen im inneren Ohr. Denken sie z.B. an Vogelgezwitscher oder das Hupen eines Autos. Wie hört sich das trockene Ping-Pong beim Tischtennis an? Wie klingt die Stimme eines geliebten Menschen? Unser Gehirn kann anhand klanglicher Eigenschaften unterscheiden, ob es sich um reale oder innere Stimmen oder Geräusche handelt. Früher hielt man Menschen, die Stimmen hören oder Selbstgespräche führen, für gestört. Heute weiß man, dass intensives inneres auditives Erleben Bestandteil erfolgreicher Denkstrategien ist. Ein Komponist muss sich den Klang seiner Komposition in seinem inneren Ohr anhören können, wie ein Schriftsteller, der sich innerlich den Text vorliest, damit er den Sprachfluss beurteilen kann.
Partnerin Erinnern Sie sich daran, wie Sie sich mit jemandem unterhalten haben, den Sie gut kennen. Wie klingt seine oder ihre Stimme? Hören Sie sie in beiden Ohren oder nur auf einer Seite? Wo ist die Stimme räumlich in Ihrer Erinnerung lokalisiert? Hört es sich eher laut oder eher leise an? Ist die Stimme eher höher oder eher tiefer als im Original? Ist sie eher langsamer oder eher schneller?
Berater Einige Menschen können sich leichter an Bilder oder Filme als an Töne oder Stimmen erinnern. Dann beginnen Sie zuerst mit einem Bild oder Film Ihres A. Sagen Sie z.B. »Und während Du Dich an sie/ihn erinnerst und ihr/sein Gesicht ansiehst, kannst du vielleicht auf ihre/seine Stimme hören.« Sie können also vom visuellen zum auditiven System übergehen (und umgekehrt). Stellen Sie dann Fragen zur Stimme: »Wie klingt die Stimme? Ist sie eher laut oder leise? Eher schnell oder langsam? Wo ist die Stimme lokalisiert?«
Berater Um Ihr A mit Bildern oder Filmen zu unterstützen, benutzen Sie Wörter des Sehens wie z.B. ›anschauen‹, ›ansehen‹, ›blicken‹, ›Perspektive‹, ›hingucken‹, ›klar‹. Beim inneren Hören verwenden Sie Wörter wie ›anhören‹, ›hinhören‹, ›Klang‹, ›was sagt es Dir?‹, ›deutlich‹, usw.
Auch hier können Sie wieder die Rollen tauschen und mit allen auditiven Eigenschaften herumexperimentieren. Sie können auch den Klang der Stimme ändern (z.B. aus einer kritischen Stimme eine Micky-Maus-Stimme machen) oder Musik einfügen, z.B. Fanfaren um sich zu bestärken oder Gute-Laune-Musik um sich besser zu fühlen.
Wiederholen Sie die obigen drei Übungen ein paarmal mit verschiedenen Erlebnissen, so dass es Ihnen leicht fällt, die Submodalitäten Ihrer Erinnerungen zu verändern. Gleichzeitig spielen Sie sich als Team gut aufeinander ein. Nehmen Sie hierbei immer angenehme Erlebnisse.

Übung zur Wirkung vergangener Erlebnisse

Es ist wichtig, dass unangenehme Erinnerungen Sie nicht (mehr) einschränken und angenehme Erinnerungen Sie unterstützen. Dazu können Sie die Art, wie Sie Erinnerungen speichern, ändern. Sie behalten den Inhalt Ihrer Erinnerungen bei, ändern aber die Darstellung und damit den Einfluss der Erlebnisse.
Partnerin Gehen Sie Ihre persönliche Geschichte von der frühen Kindheit (z.B. Kindergarten) bis zum heutigen Tag durch. Nehmen Sie der Reihe nach alle wichtigen positiven und negativen Erlebnisse, die wichtig für Ihre Entwicklung waren. Wenn Sie möchten, können Sie sich dabei vorstellen, wie Sie mit dem Zug durch die Landschaft Ihrer Erinnerungen von der Kindheit bis zur Gegenwart reisen. Lassen Sie sich dabei soviel Zeit, wie Sie brauchen. Überspringen Sie alle traumatischen Erlebnisse! Also diejenigen Erlebnisse, die mit Panik verbunden sind. Die nehmen wir uns später vor. Sie brauchen also nicht an jedem Bahnhof anzuhalten. Bei positiven Erlebnissen machen Sie die Erinnerung intensiver, indem Sie z.B. die Bilder oder Filme näher an sich heranholen, die Helligkeit aufdrehen und die Farben intensivieren. Bei negativen Erlebnissen machen Sie das Bild bzw. den Film kleiner, schieben es weiter von sich weg, drehen die Helligkeit herunter und machen die Farben blasser. Sie können sich aussuchen, welche Erlebnisse sie so verändern wollen. Wie ändert sich dabei die Bedeutung der Erlebnisse? Je mehr Erinnerungen Sie so bearbeiten, desto leichter fällt es mit der nächsten. So erreichen Sie, dass Ihre persönliche Vergangenheit Sie nicht einschränkt oder in depressive Verstimmungen bringt. Stattdessen wirkt sie durch die Kraft positiver Erinnerungen unterstützend und verschafft Ihnen Zugang zu Ihren Stärken. Sie können die Kraft positiver Erinnerungen in Zukunft besser nutzen, während die negativen ihren Einfluss verlieren.
Berater Verabreden Sie mit Ihrem A ein Zeichen, so dass Sie wissen, wann sie sich an das nächste Erlebnis erinnert z.B. ein kleines Kopfnicken. Ihr A soll Ihnen das Erlebnis nicht erzählen. Sobald Sie das Nicken sehen, versuchen Sie zu raten, ob es sich um ein positives oder negatives Erlebnis handelt. Wenn Sie nicht sicher sind, fragen Sie nach. Dann geben Sie Ihrem A Anweisungen und beobachten, wie sich Ihr Ausdruck, Atmung, etc. verändert. Geben Sie die Anweisungen so, dass Sie es Ihrem A möglichst leicht machen, die Erinnerung zu bearbeiten. Halten Sie sich bezüglich des Inhalts möglichst vage. Benutzen Sie Wörter des Sehens, die die Änderung der Submodalitäten beschreiben. »Und während Du Dir dieses (negative) Erlebnis anschaust, kannst du es weiter von Dir wegschieben, es dunkler machen und die Farben blasser werden lassen.« Sie können den Prozess auch mit Ihrer Stimme unterstützen, indem Sie Ihrer Stimme bei positiven Erlebnissen einen zunehmend freundlicheren Klang geben und bei negativen Erlebnissen gleichgültig klingen. Die Stimme kann also die Veränderung des Erlebnisse unterstützen. Während Ihr A lernt, Ihre Vergangenheit so zu organisieren, dass diese möglichst großen Nutzen für sie hat, lernen Sie als B sie über eine längere innere Aktivität hin zu begleiten und dabei mittels Ihrer Wahrnehmung zu verfolgen, was in ihr gerade passiert. Hinweis: Sie müssen nicht unbedingt erraten, ob es sich um ein positives oder negatives Erlebnis handelt. Stattdessen können Sie auch zwei Zeichen verabreden, eins für positive Erlebnisse, eins für negative.
Berater Nachdem Ihr A ihre persönliche Geschichte so bearbeitet und wieder in der Gegenwart angekommen ist, fragen Sie sie, wie sich die Wahrnehmung und Bedeutung Ihrer Vergangenheit verändert hat. Achten Sie dabei nicht nur auf ihre Worte, sondern (auch) auf die non-verbalen Kommunikationssignale wie Gesichtsausdruck, Körperhaltung, Atmung, etc.
Natürlich können Sie auch hierbei wieder die Rollen tauschen.
Genauso, wie Sie die visuellen Eigenschaften Ihres Erlebens ändern können, geht dies auch mit den auditiven. Viele Menschen hören in den Situationen, in denen sie zu schüchtern oder wenig erfolgreich sind, eine innere Stimme, die sie kritisiert oder hemmende Dinge sagt. Diese Stimme können Sie natürlich ebenfalls ändern. Dabei empfiehlt es sich z.B. die Stimme liebevoll besorgt oder leiser zu machen und weiter weg zu schieben. Sie können insbesondere auch den Stimmklang angenehmer gestalten. Oft sagt dann die Stimme auf einmal eher unterstützende Dinge oder verschwindet ganz.
Besonders die letzten beiden Übungen können Ihre Art, wie Sie auf Ihr Leben blicken, grundlegend verändern. Manchmal kann man mit dieser Technik auch Depressionen heilen, denn depressive Menschen überbewerten vergangene negative Erlebnisse und sehen positive Erlebnisse nicht als wichtig genug an. Dadurch sieht ihr Leben eher wie eine Kette schlechter Erfahrungen aus. Wenn man ihnen aber beibringt, Erfahrungen genau umgekehrt zu speichern, löst man damit die Depressionen auf. Durch ein wenig Übung lernt das Gehirn, in Zukunft ganz automatisch positive Erlebnisse intensiver und negative Erlebnisse schwächer zu speichern. Mehr zur Gestaltung Ihrer persönlichen Vergangenheit später im Kapitel Die Vergangenheit erneuern. Hinweis: Dies soll nicht als Allheilmittel für Depressionen verstanden werden. Die Behandlung von Depressionen ist (abgesehen von trauma-bedingten) nicht Gegenstand dieses Buches. Bei Depressionen muss unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden, da diese medizinische Ursachen haben können. Menschen mit Depressionen können unter Umständen selbstmordgefährdet sein!
Sobald Sie und Ihr B ihren jeweiligen Part gut und sicher übernehmen können, gehen Sie zum nächsten Kapitel über. Dort lernen Sie, wie Sie sich innerhalb kürzester Zeit von negativen Gefühlen befreien und in einen guten Zustand versetzen können.

Power-Anker

Als nächstes statten wir Sie mit einem Power-Anker aus - ein Mittel zur schnellen Stimmungsänderung. Suchen Sie sich dazu ein mächtiges positives Erlebnis aus Ihrer Vergangenheit. Nehmen Sie eins, in dem Sie im Vollbesitz Ihrer geistigen und körperlichen Kräfte waren und das sich wundervoll angefühlt hat. Es geht um ein wirklich starkes Erlebnis! Dieses wollen wir mit einer körperlichen Berührung so verknüpfen, dass Sie sich durch diese Berührung wieder an dieses Erlebnis erinnern und die angenehmen Gefühle intensiv genießenn können. Sie brauchen Ihrem B nichts über den Inhalt des Erlebnisses zu erzählen. Wichtig ist bei der Erinnerung an dieses Erlebnis assoziiert zu sein, d.h. die Szene aus Ihren eigenen Augen betrachten. Wenn Sie doch über das Erlebnis erzählen möchten, tun Sie dies, indem Sie die Sätze mit ›ich‹, statt ›man‹ anfangen, z.B. »Man steht am Meer und schaut sich den Sonnenuntergang an« wird zu »Ich stehe am Meer und schaue mir den Sonnenuntergang an«. Außerdem verwenden Sie die Gegenwartsform, als würde es gerade passieren (d.h. statt »Ich stand am Meer...« sagen Sie »Ich stehe am Meer...«). Dadurch wird das Erlebnis noch intensiver.
Berater Um es Ihrem A leicht zu machen, sich an ein mächtiges intensives wundervolles Erlebnis zu erinnern, können Sie sich selbst an ein derart starkes Erlebnis erinnern und damit eine fantastische Stimmung ausstrahlen. Erzählen Sie Ihrem A kurz davon. Dann listen Sie weitere Beispiele für starke positive Erlebnisse auf. Genießenn Sie beide die gute Stimmung! Viele Menschen fühlen sich z.B. in dem Moment wunderbar (und unschlagbar), wenn Sie nach langer Arbeit endlich den Durchbruch erleben. Oder Sie erinnern sich an ein bestimmtes Erlebnis am ersten Urlaubstag. Vielleicht kennen Sie sogar Beispiele aus dem Leben Ihres A. Das Erlebnis soll stärker als das Trauma-Erlebnis sein und damit nicht in Beziehung stehen. Bitte achten Sie auch darauf, dass es kein ›defensives‹ Erlebnis ist. Nicht »Da hat mich Supermann beschützt«, sondern »Da war ich selbst Supermann!«. Ihr Aufgabe ist es, Ihr A richtig tief in das wundervolle Erlebnis der Stärke hereinzuführen.
Partnerin Suchen Sie sich eine neutrale Stelle am Körper aus, die Sie jederzeit gut erreichen können (z.B. am Oberarm). Es sollte eine spezifische Stelle sein, die aber nicht mit anderen Assoziationen besetzt ist. Die Handinnenflächen sind z.B. eher ungeeignet, da sie zum Händeschütteln und anderen Dingen zu oft verwendet werden. Suchen Sie für Ihr B eine weitere gut erreichbare Körperstelle zum Berühren aus, z.B. an einem bestimmten Punkt am Ober- oder Unterarm.
Partnerin Nun erinnern Sie sich intensiv an das mächtige, wundervolle Erlebnis. Geben Sie sich voll der Erinnerung hin, atmen Sie tief dabei, damit sich Ihre Gefühle verstärken und lassen Sie sich von Ihrem B in das Erlebnis hineinleiten. Ändern Sie ggf. Ihre Sitzhaltung/Körperposition, damit die Gefühle intensiv durch Ihren Körper fließen können. Während Sie sich an dieses Erlebnis erinnern, drücken Sie die Körperstelle umso fester, je stärker Sie sich erinnern. Der Druck soll also genau der Erlebnisintensität entsprechen.
Berater Führen Sie Ihr A intensiv in dieses wundervolle Erlebnis und halten Sie dabei die vorher verabredete Körperstelle. Drücken Sie umso stärker, je intensiver Ihr A in das Erlebnis hineingeht. Wenn Sie in sich selbst die positiven Gefühle verstärken, machen Sie es Ihrem A leichter in das angenehme Erlebnis zu gehen. Bringen Sie Begeisterung in Ihre Stimme! Sprechen Sie ungefähr im Atemrhythmus Ihres A. Sagen Sie zunächst etwas über das Sehen: »Wenn Du jetzt an dieses Erlebnis denkst, siehst du vielleicht bestimmte Dinge. Wie sah es damals aus?«, dann über das Hören: »Und während Du Dir jetzt dieses Erlebnis anschaust, kannst du vielleicht auch etwas hören: Stimmen oder Hintergrundgeräusche.«. Dann über das Fühlen: »Und dabei kannst Du auf Dein Gefühl achten. Wie fühlt sich dieses Erlebnis an? Versetze Dich voll in das Erlebnis hinein!«. Immer, wenn Sie sehen, wie Ihr A tiefer in das Erlebnis hineingeht, bestätigen Sie Ihr A, indem Sie nicken oder »ja« oder »gut!« sagen. Wiederholen Sie die Schritte, indem Sie wieder mit dem Sehen anfangen, dann zum Hören und zum Fühlen übergehen. Oft gibt es auch einen Geruch und/oder Geschmack: »Und während Du dieses intensive Gefühl so richtig genießt, erinnerst Du Dich vielleicht an den typischen Geruch dieser Situation. Und vielleicht hast Du einen bestimmten Geschmack auf der Zunge.« Achten Sie dabei auf Ausdruck und Atmung Ihres A und verstärken Sie den Druck an der verabredeten Stelle, sobald Ihr A tiefer in das Erlebnis hineingeht. Wenn Ihr A richtig intensiv drin ist, fragen Sie »Und nun komm mit einem Stichwort, das das Erlebnis absolut treffend beschreibt, zurück und sage mir dieses Stichwort.« Sobald sich ihre Lippen bewegen um das Stichwort zu sagen, verstärken Sie nochmals den Druck auf die Körperstelle.
Nun haben Sie beide zwei sogenannte Anker: den Druck auf die Körperstelle und das Stichwort. Sie können beide Anker einzeln oder zusammen benutzen z.B. den Druck auf die Körperstelle ausüben und gleichzeitig das Stichwort sagen.
Test: Machen Sie nun eine kurze Pause und denken an etwas völlig anderes. Dann testen Sie beide Anker. Drücken Sie genau die Körperstelle. Als B sagen Sie beim Drücken das Stichwort. Kommt das Erlebnis intensiv wieder?
Wiederholen Sie die diese Übung noch einmal, wobei Sie jedoch diesmal das Gefühl, das mit diesem wundervollen Erlebnis verbunden ist, doppelt so stark machen. Hierzu können Sie das Bild bzw. den Film doppelt so groß machen oder näher an sich heranholen. Machen Sie ebenfalls die Stimme(n) und Hintergrundgeräusche lauter. Genauso, wie sich manche Menschen auf Knopfdruck intensiv ärgern oder schlecht fühlen, sollen Sie sich hierbei durch den Anker intensiv gut fühlen - richtig intensiv! Diese Übung also mindestens zweimal durchlaufen.
Es ist wichtig, dass Sie beide den Anker testen. Jede von Ihnen sollte mit ihrem Anker das Erlebnis auslösen und damit eine intensive Gefühlsregung hervorrufen können. Sie sollen wieder richtig voll in diesem wundervollen Erlebnis drin sein! Falls keine intensive Reaktion erfolgt, wiederholen Sie die Übung. Sie können gegebenenfalls die Submodalitäten des Erlebnisses variieren, um intensivere Reaktionen zu bekommen. Machen Sie z.B. das Bild bzw. den Film an die Erinnerung größer und die Farben intensiver. Sie entscheiden, welche Submodalitäten wie geändert werden sollen, damit das Erlebnis maximale Intensität hat.
Partnerin Wir möchten, dass Sie den Power-Anker selbst auslösen können, falls das Trauma-Erlebnis Sie in Panik zu versetzen droht. Er soll gut funktionieren, ohne dass Sie auf jemand anderen angewiesen sind.
Berater Als doppelte Sicherheit für Ihr A sollen Sie den Power-Anker auslösen können. Lassen Sie sich von Ihrem A bestätigen, dass der Power-Anker gut genug ist, um damit durch die Kapitel der Trauma-Auflösung zu gehen. Falls nicht, können Sie ihn noch verstärken lassen oder ein anderes wundervolles Erlebnis wählen.
Von nun an haben Sie einen Power-Anker. Wenn Sie sich also von negativen Gefühlen befreien wollen, drücken Sie einfach die Körperstelle und denken oder sagen das Stichwort. Dadurch haben Sie augenblicklich die Erinnerung und die Stärken des positiven Erlebnis zur Verfügung.
Erinnerungen an traumatische Erlebnisse werden oft durch sogenannte ›Trigger‹ ausgelöst. Was genau die traumatische Erinnerung auslöst, ist bei jedem verschieden. Ab heute sind Sie diesen Triggern aber nicht mehr hilflos ausgeliefert, da Sie ja nun Ihren Power-Anker haben. Falls nötig drücken Sie einfach die Körperstelle und denken an das mächtige, wundervolle Erlebnis. Sie brauchen keine Angst mehr vor Panikattacken zu haben. Aber auch Alltagssituationen, in denen Sie sich bisher ›automatisch‹ schlecht gefühlt haben, können Sie mit dem Wissen um Ihren Power-Anker anders entgegentreten.
Als B haben Sie mit dem Power-Anker ein Mittel, mit dem Sie Ihr A aus einem möglichen Panikzustand herausholen und in das wundervolle Erlebnis versetzen können. Aber auch das Stichwort allein ist ein kleiner Anker, mit dem Sie Ihr A an das wundervolle Erlebnis erinnern können.

Sich von dem Erlebnis distanzieren

Die doppelte Dissoziation ist eine Betrachtungsweise, die Sie vor belastenden Erinnerungen schützt.
Die einfache Dissoziation kennen Sie ja schon aus der Übung zur Änderung des Blickwinkels. Wenn Sie nicht aus Ihren eigenen Augen schauen, sondern sich selbst in dem Bild oder Film sehen, werden Ihre Gefühle schwächer. Steigen Sie hingegen in das Bild ein und schauen aus Ihren eigenen Augen, werden die Gefühle intensiver. Dies ist gut, wenn Sie gerade an etwas Angenehmes denken. Wenn Sie aber an ein unangenehmes Erlebnis denken, können Sie sich von Ihren Gefühlen distanzieren. Sie welchseln die Perspektive, treten aus dem Bild heraus, sehen sich selbst in der Situation. Bei einigen Menschen würde für die im nächsten Kapitel beschriebene Trauma-Auflösung diese einfache Dissoziationsstufe schon ausreichen und sie hinreichend von den Gefühlen und der Panik des traumatischen Erlebnis distanzieren. Da wir aber ganz sicher gehen wollen, werden wir eine zweite Dissoziationsstufe aufbauen. So distanzieren Sie sich so weit von dem Erlebnis, dass Sie nahezu vollständig von den Gefühlen abgekoppelt sind.
Partnerin Suchen Sie sich eine Körperstelle, an der Ihr B Sie ankern kann. Es soll eine andere Stelle sein, wie die oben beschriebene (nicht die des Power-Ankers). Nehmen Sie auch hier wieder eine spezifische Stelle z.B. die Armbeuge. Nehmen Sie nun ein Erlebnis, von dem Sie sich stärker distanzieren möchten, z.b. einen Zahnarztbesuch oder ein heftiges Streitgespräch. Bitte auch hier kein traumatisches Erlebnis nehmen. Das kommt erst im Teil B. Sie sollen hier an einem Beispiel lernen, welche Auswirkungen die doppelte Dissoziation auf Ihre Gefühle hat.
Partnerin Nun gehen wir mit diesem Erlebnis ins Kino. Sehen Sie sich selbst im Kino. Stellen Sie sich vor, wie Sie im Kino sitzen und auf die Leinwand blicken, auf der gleich der Film des Erlebnisses gezeigt wird. Plazieren Sie ihr Selbst im Kinosaal in eine optimale Position: nicht zu nahe an der Leinwand aber auch nicht zu weit weg. Was für Kleidung hat Ihr Selbst an, während es im Kinosaal sitzt? Sobald Sie mit Ihrem Selbst im Kinosaal zufrieden sind, gehen Sie in den Vorführraum und betrachten Ihr Selbst von hier aus durch die Öffnung für den Projektor. Schauen Sie sich an, wie Ihr Selbst im Kino sitzt und auf die Leinwand blickt. Betrachten Sie Ihr Selbst unten im Saal und geben Sie Ihrem B ein Zeichen, sobald sie als Vorführerin im Projektorraum bereit sind.

Berater Führen Sie Ihr A in die Perspektive der doppelten Dissoziation. Fordern Sie sie auf, sich selbst zu sehen und lassen Sie sich beschreiben, wie sie gekleidet ist. Geben Sie ihr dann Gelegenheit, ihr Selbst optimal im Kinosaal zu plazieren. Sprechen Sie dabei in der dritten Person zu ihr: »Wenn Du jetzt auf Sabine im Kinosaal schaust, was für Kleidung hat sie an? Welche Farbe haben die Schuhe, die Sabine trägt? Und jetzt möchte ich, dass Du der Sabine einen optimalen Platz im Kinosaal zuweist. Sie soll nicht zu nahe an der Leinwand sitzen, aber auch nicht zu weit hinten. Sieht Sabine so aus, dass es in Ordnung ist, wo sie sitzt oder möchte sie lieber woanders sitzen?« Formulierungen in der dritten Person helfen Dissoziationsstufen aufzubauen. »Und während Du jetzt Sabine im Kinositz betrachtest kannst Du in den Vorführraum gehen und Sabine von dort aus anschauen«. Sobald Sie merken, dass Ihr A kurz davor ist, Ihnen zu signalisieren, dass sie mit ihrem Selbst im Kinosaal zufrieden ist und sich im Vorführraum befindet, ankern Sie diese Perspektive. Drücken Sie auf die Körperstelle, die Ihnen Ihr A genannt hat. Halten Sie diese Körperstelle solange Ihr A im Vorführraum ist und lassen Sie los, sobald Sie merken, dass sie ins Hier und Jetzt zurück kommt. Testen Sie dann Ihren Anker, indem Sie diese Stelle drücken und sie in den Vorführraum schicken. Ihr A sollte spontan an den Vorführraum denken und ihr Selbst im Kinosaal sehen. Hinweis: Sie können Ihr A am besten in die Szenerie der doppelten Dissoziation führen, wenn Sie diese selbst vor Ihrem inneren Auge sehen.
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Diese Kino-Situation muss Ihnen absolut klar präsent und vertraut sein. Sie sollten den Kinosaal und den Vorführraum detailliert beschreiben können. Welche Farbe haben die Wände? Gibt es einen Vorhang? Liegen im Vorführraum Gegenstände herum? Gibt es Popcorn-Reste im Kinosaal? Sollten die Wände neu gestrichen werden? Wie sehen die Sitzbezüge aus? Ist der Vorführraum eher groß oder klein? Gibt es eine Glasscheibe zum Kinosaal oder nur ein Loch in der Wand?
Partnerin Im Vorführraum besteht Ihre Aufgabe nun darin, den Film, in dem Sie als Hauptdarstellerin erscheinen werden, vorzuführen, und zwar Ihrem Selbst, das im Kino sitzt. Dabei achten Sie als Vorführerin mit Ihrem heutigen Wissen eher auf Ihr Selbst, als auf den Film. Ihr Selbst verfügt genauso über Ihr heutiges Wissen und über Ihre Stärken. Als Vorführerin kontrollieren Sie die Eigenschaften des Films, wie Helligkeit, Bildgröße und Farbe. Beobachten Sie, wie der Film auf Ihr Selbst im Kinositz wirkt. Geben Sie Ihren B ein Zeichen, wenn Sie den Film gestartet haben und achten von da an nur noch auf die Reaktionen Ihres Selbst im Kinosaal. Geben Sie Ihrem B ein Zeichen, wenn der Film zu Ende ist.
Berater Vergewissern Sie sich, dass Ihr A noch kein traumatisches Erlebnis als Filmmaterial nimmt. Während Ihr A den Film laufen lässt, halten Sie den Dissoziationsanker gedrückt und beschreiben immer wieder das Szenario. Beschreiben Sie Ihrem A, wie sie im Vorführraum auf ihr Selbst im Kinosaal blickt und nicht nur sehen kann, welche Kleidung ihr Selbst an hat, sondern auch, wie sich ihr Selbst im Kinositz den Film ansieht. »Und während Du jetzt im Vorführraum in den Kinosaal schaust, ist es Deine Aufgabe auf Sabine im Kinositz zu achten. Dort sitzt Sabine mit den schwarzen Schuhen und dem grünen Pullover. Nur Sabine im Kinositz schaut sich den Film an, während Du als Vorführerin auf Sabine achtest und dabei die Kontrolle über den Projektor wahrnimmst.« Sie dürfen die Beschreibung der gesamten Szene gerne beliebig oft wiederholen, bis der Film zu Ende gelaufen ist. Ihre Aufgabe besteht darin die doppelte Dissoziation Ihres A sicherzustellen. Sobald Ihr A das Ende des Film signalisiert oder ins Hier und Jetzt zurückkehrt lassen Sie den Anker los.
Wiederholen Sie, falls nötig, diese Übung, so dass Sie das Szenario der doppelten Dissoziation sicher beherrschen. Sie bringen damit Ihrem Gehirn eine hochwirksame Betrachtungsweise bei. Bei unseren Tests verschwanden bei einem Teil der Betroffenen allein durch diese Technik ein Teil der Trauma-Symptome (z.B. selbstverletzendes Verhalten).
Berater Achten Sie darauf, dass Ihr A zuerst die Dissoziationsstufen aufbaut und erst dann den Films auf der Leinwand erscheinen lässt, wenn sie ihr Selbst im Kinositz plaziert und die Position im Vorführraum eingenommen hat. Unterscheiden Sie in Ihrer Sprache genau zwischen der Person im Kinositz und der im Vorführraum. Sprechen Sie über die Person im Kinositz nur in der dritten Person. Die Vorführerin können Sie mit Du oder Sie anreden.
Partnerin Sie können Ihre verschiedenen Selbst-Bildnisse noch ineinander integrieren. Stellen Sie sich (ohne gedrückten Anker) vor, wie Ihr Selbst am Ende des Film aus der Leinwand steigt und in das Selbst, welches im Kino sitzt, aufgenommen wird. Dann lassen Sie dieses Selbst aus dem Kinositz auf sich zugehen und nehmen es in Ihren Körper auf.
Wenn Sie auch diese Übung erfolgreich durchgeführt haben, ist es Zeit für eine Pause. Lassen Sie Ihrem Gehirn eine Nacht Zeit das bisher Erlebte und die neuen Fähigkeiten zu verarbeiten und in Ihr Verhaltensrepertoire zu integrieren. Am nächsten Tag können Sie mit der Trauma-Auflösung in Teil B weitermachen.

B Trauma-Auflösung

Für Betreuung sorgen

Obwohl wir mit dem Übungsprogramm sehr gute Erfahrungen gemacht haben, besteht die prinzipielle Möglichkeit, dass die Betroffenen entgegen unseren Anweisungen zu tief in traumatische Erlebnisse gehen. Das Übungsprogramm kann dadurch als belastend empfunden werden. Daher unser Anliegen:
Sorgen Sie für umfassende und kompetente Betreuung! Ziehen Sie ggf. Fachpersonal hinzu, z.B. einen staatlich anerkannten Psychotherapeuten bzw. Psychotherapeutin!
Der Gesetzgeber verpflichtet uns beim Thema Trauma zu folgenden Hinweisen: Obwohl unser Übungsprogramm so konzipiert ist, dass es möglichst schonend von den Betroffenen durchgeführt werden kann, kann es - muss aber nicht - zu folgenden Komplikationen kommen, die belastend und sogar destabilisierend wirken können:
  • Die Betroffene verfällt in Panikgefühle. Dies kann durch Fehler oder Unachtsamkeit bei der Durchführung der Übung passieren. Es ist auch möglich, dass die Übung anders wirkt als erwartet.
  • Durch die Beschäftigung mit der Vergangenheit können belastende Erinnerungen oder Erkenntnisse auftreten.
  • Es können Erinnerungen an vergessene Erlebnisse wachgerufen werden.
Können Sie und Ihr B damit umgehen, falls obige Komplikationen auftreten? Falls nicht, ziehen Sie Fachpersonal hinzu oder verschieben Sie das Übungsprogramm auf einen späteren Zeitpunkt. Ebenso die Übungen in Teil C, die die vollständige Trauma-Auflösung ja voraussetzen.
Bei mehrfacher Traumatisierung werden Sie im Rahmen dieses Übungsprogramms durch einen bestimmten Abschnitt Ihrer persönlichen Lebensgeschichte gehen und alle relevanten Erlebnisse bearbeiten. Dies kann einige Übungssitzungen erforderlich machen. Da Sie sich in dieser Zeit mit einem objektiv unangenehmen Teil Ihrer Lebensgeschichte auseinandersetzen, kann das sehr belastend wirken. Sie müssen während der gesamten Zeit - bis Sie alle Erlebnisse bearbeitet haben - am besten rund um die Uhr für durchgehende Betreuung sorgen. Richten Sie es so ein, dass Sie jederzeit Gesellschaft haben können, falls Sie dies wünschen und nie alleine sein müssen.
Die Bearbeitung eines traumatischen Erlebnis sollte möglichst nicht unterbrochen werden. Führen Sie das Kapitel Trauma-Auflösung pro Erlebnis in einer zusammenhängenden Sitzung durch. Jeder Durchlauf neutralisiert mindestens ein Trauma-Erlebnis (meist auch noch weitere ähnliche Erlebnisse). Mit jedem Durchlauf lernen Sie, die Trauma-Auflösung leichter durchzuführen. Während am Anfang Ihr B unbedingt dabei sein sollte, können Sie später, nachdem Sie die Trauma-Auflösung ein paarmal durchgeführt haben, weitere Erlebnisse alleine bearbeiten. Falls es dann bei einzelnen Erlebnissen zu schwer erscheint, können Sie Ihr B wieder hinzuziehen.
Eine Konsequenz dieser Vorgehensweise ist, dass Sie sich zu helfen wissen, falls später unerwartet ein vergessenes Erlebnis auftaucht.
Berater Als B haben Sie jetzt die Aufgabe zu überprüfen, dass Ihr A eine eventuell nötige Betreuung sichergestellt hat. Je nach Schwere der Symptomatik kann Ihr A dies möglicherweise selbst nicht richtig einschätzen. Außerdem haben Sie natürlich das Recht, an dieser Stelle das Übungsprogramm abzubrechen, falls Sie befürchten, dass es Ihre Fähigkeiten übersteigt.
Übrigens: Ein Teil unserer Testpersonen konnte das Übungsprogramm ganz ohne Komplikationen durchführen und so alle traumatischen Erlebnisse überwinden. Die anderen berichten, dass es die belastenden Gefühle wert war, da sie jetzt ein neues Leben führen können. Es war wie eine Art »Heldenreise«, bei der sie mit ihrer Angst konfrontiert wurden, diese dann überwunden haben und gestärkt aus dem Übungsprogramm hervorgegangen sind.
Voraussetzung für Trauma-Auflösung ist, dass Sie sich objektiv nicht mehr in Gefahr befinden. Falls doch, müssen Sie sich erst effektiv vor dieser Gefahr schützen. Falls Sie z.B. in einer gewalttätigen Beziehung leben, sollten Sie diese also erst beenden. Hier hilft das Kapitel Beziehungs-Check. Dann kehren Sie hierhin zu diesem Kapitel zurück.
Berater Ist Ihr A effektiv vor der Gefahr der Wiederholung geschützt?\vspace*{10pt}
Funktioniert Ihr Power-Anker? Funktioniert die doppelten Dissoziation aus dem vorigen Kapitel?
Dann geht es jetzt weiter:
Partnerin Trauma bewirkt, dass man sich mit seinen Ängsten intensiv beschäftigt. Ein bedeutender Teil der Aufmerksamkeit im Alltagsleben wird darauf verwendet, das Erlebte zu vergessen bzw. zu verdrängen. Manchmal läuft man deswegen vor etwas davon oder wird zu etwas hingezogen. Dies kostet viel Zeit und Energie. Überlegen Sie sich daher, bevor Sie jetzt mit der Trauma-Auflösung weitermachen, wie Sie in Zukunft die dann freiwerdende Zeit und Energie verwenden möchten. Was werden Sie in Zukunft mit dem Mehr an Zeit und Energie anfangen? Bitte suchen Sie sich ein Thema aus, das nichts mit dem Trauma zu tun hat.

Wiederholte Traumatisierung, Timeline

Manche Menschen leiden unter einem einzelnen traumatischen Erlebnis. Andere haben mehrere ähnlich geartete Erlebnisse oder wurden in einem bestimmten Lebensabschnitt regelmäßig missbraucht bzw. traumatisiert. Falls es sich bei Ihnen um ein oder einzelne traumatische Erlebnisse handelt, wenden Sie die Trauma-Auflösung (meist chronologisch) auf alle Erlebnisse an, beginnend mit dem wichtigsten.
Jedes Erlebnis, wie schrecklich es auch gewesen sein mag, ist immer von zwei Situationen der Sicherheit eingerahmt!
Bei denjenigen mit mehrfacher Traumatisierung hat es sich als besonders nützlich erwiesen, die persönliche Timeline aufzubauen. Dies ist eine besondere Ansicht Ihrer persönlichen Geschichte, bei der Sie Ihr Leben in einer Gesamtschau betrachten. Bei den meisten Menschen sind in dieser Gesamtschau negative Erlebnisse anders dargestellt als positive. In der Gesamtschau Ihres Lebens können Sie den Zusammenhang ähnlicher, wiederkehrender Erlebnisse besonders gut erkennen.
Die Timeline-Technik wurde von Tad James entwickelt und erlaubt Ihnen, Ihr Leben aus dem nötigen Abstand im Überblick zu betrachten: Wohin - im Raum - würden Sie auf Ihre Vergangenheit schauen? Wo liegt Ihre Gegenwart? Wohin - im Raum - zeigt Ihre Zukunft? Unser Gehirn ordnet zeitlich verschiedene Erinnerungen räumlich an, um unterscheiden zu können, welche Erinnerung zeitlich auf welche andere Erinnerung folgt. Manche Menschen kennen die räumliche Anordnung ihrer Erinnerungen schon. Wo liegt Ihre Geburt? Wo liegt Ihre Gegenwart? Wo schauen Sie hin, wenn Sie sich vorstellen, was in Zukunft sein wird? Vielleicht haben Sie schon bemerkt, wie Ihre Erinnerungen räumlich angeordnet sind. Dann fahren Sie jetzt mit der Hand durch den Raum Ihre Timeline entlang von Ihrer Geburt bis zu Gegenwart und dann in die Zukunft. Sollte Ihnen der räumliche Verlauf ihrer Timeline noch nicht klar sein, bauen wir Ihre Timeline jetzt schrittweise mit Hilfe einzelner Erinnerungen auf.
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Timeline aufbauen

Partnerin
  1. Erinnern Sie sich an ein neutrales, wiederkehrendes Erlebnis, das Sie vor einer Woche erlebt haben, z.B. wie Sie am Montagmorgen zur Arbeit gegangen sind. Dieses Erlebnis sollte nicht mit unangenehmen Gefühlen verknüpft sein. Es sollte sich vielmehr neutral bis positiv anfühlen. Schauen Sie sich dieses Bild (oder den Film) der Erinnerung letzte Woche an.
  2. Nun erinnern Sie sich daran, wie Sie vor zwei Wochen zur Arbeit gegangen sind. Schauen Sie sich das Bild von vor zwei Wochen an.
  3. Nun schauen Sie sich das Bild an, in dem Sie vor einem Monat zur Arbeit gegangen sind.
  4. Nun brauchen wir noch ein Bild, wie Sie vor drei Monaten zur Arbeit gegangen sind.
  5. Nun ein Bild vor einem halben Jahr.
  6. Dann ein Bild vor etwa einem Jahr. Was war vor einem Jahr?
  7. Und noch Bilder, in denen Sie vor zwei und fünf Jahren zur Arbeit gegangen sind.
  8. Schauen Sie jetzt alle Bilder gleichzeitig an. Das Bild vor einer Woche, das vor zwei Wochen, das vor einem Monat, das vor drei Monaten, das vor einem halben, einem, zwei und fünf Jahren. Wenn Sie alle Bilder gleichzeitig ansehen, werden Sie feststellen, dass diese in einer räumlichen Linie von Ihrer Geburt bis jetzt zur Gegenwart angeordnet sind.
  9. Schauen Sie jetzt in die Zukunft. Wie werden Sie in einer Woche zur Arbeit gehen? Schauen Sie, wie Sie in zwei Wochen zur Arbeit gehen werden. Dann, wie in einem Monat, dann in drei Monaten, dann wie Sie in einem halben Jahr zur Arbeit gehen werden. Wie werden Sie nächstes Jahr zur Arbeit gehen? Wie in zwei, wie in fünf Jahren? Auch hier bildet Ihre Zukunft eine Linie, die mit der Gegenwart beginnt. Alle Bilder zusammen, von Ihrer Geburt an bis in die Zukunft, bilden Ihre Timeline.
Verschiedene Timelines

Verschiedene Timelines
Berater Bei dieser Übung kommt es darauf an, die zeitliche Einordnung aller Erinnerungen wahrzunehmen. Ihr A soll sich daher nur auf die zeitliche (und räumliche) Anordnung konzentrieren, nicht auf einzelne Erlebnisse. Behalten Sie Ihr A im Auge, damit Sie Ihr ansehen, falls sie versuchen sollte in ein Erlebnis hineinzugehen. Unterbrechen Sie sie dann sofort. Sie soll in einer neutralen bis guten Verfassung sein. Sie können auch hier den Power-Anker auslösen.
Partnerin Es ist nicht wichtig sich an konkrete Jahreszahlen zu erinnern. Es kommt hier darauf an Bilder konkreter Erinnerungen aus unterschiedlichen Zeiten gleichzeitig zu sehen. So stellen Sie fest, wie Ihr Gehirn deren zeitliche Abfolge durch räumliche Anordnung darstellt. Die Bilder Ihrer Erinnerung bilden Ihre persönliche Timeline. Bei manchen Menschen verläuft die Timeline von vorne nach hinten, bei anderen von hinten nach vorne, bei anderen von links nach rechts oder von rechts nach links. Die Timeline kann auch teilweise durch den Körper laufen. Die genaue Form der Timeline ist bei jedem verschieden.

Nehmen Sie sich Zeit und betrachten Sie Ihre Timeline. Blenden Sie dabei besonders unangenehme Erlebnisse aus. Falls diese noch nicht automatisch dunkel sind, können Sie sie dunkel und schwarz-weiß machen, so dass Sie sie gerade noch erkennen können.

Wenn Sie nun hoch über Ihrer Timeline fliegen, können Sie Ihr Leben im Überblick sehen. Ohne sich an die einzelnen Erlebnisse erinnern zu müssen, können Sie feststellen, dass besonders unangenehme Erlebnisse schwarz oder sehr dunkel sind. Diese Beobachtung ist ab heute Ihr neues Diagnose-Werkzeug: Diejenigen Stellen auf Ihrer Timeline, die dunkel sind, sollten Sie bearbeiten, bis zum Schluss alle Erlebnisse ungefähr die gleiche Helligkeit haben. In den meisten Fällen möchten die Betroffenen die Fakten behalten, aber die Emotionen loswerden. Das Wissen, was damals passiert ist, dient zumindest dazu, sich in Zukunft vor ähnlichen Ereignissen schützen zu können. Manche Erlebnisse kann man aber auch ganz von der Timeline nehmen und löschen.

Hinweis: Manche unserer Test-Personen fanden es hilfreich, bestimmte Erlebnisse in (abschließbare) Kisten zu verpacken und an die richtige Position auf ihre Timeline zu stellen.
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Wenn Sie viele Stellen auf Ihrer Timeline bearbeiten wollen, tun Sie dies in den nächsten Tagen oder Wochen. Erledigen Sie dies zügig mit einer der unten beschriebenen Trauma-Auflösungstechniken. Da in der Gesamtschau aller Erlebnisse der Zusammenhang besonders gut erkennbar ist, kann Ihr Gehirn das, was es bei der Trauma-Auflösung bei einem Erlebnis gelernt hat, auf andere Erlebnisse übertragen. Dadurch können diese automatisch mitbearbeitet werden. Sie merken dies an einer veränderten Darstellung z.B. an einer geänderten Helligkeit.

Während Sie viele Erlebnisse auf diese Weise bearbeiten, kann in dieser Zeit etwas Streß aufkommen. Dies ist ein völlig normaler Bestandteil dieser speziellen Veränderungs-Phase und wird nur kurze Zeit anhalten. Verstehen Sie es als Chance, bestimmte Erlebnisse, die auf einmal in der Erinnerung auftauchen, zu bearbeiten. Bleiben Sie während dieser Zeit in Kontakt mit Freunden, damit Sie Unterstützung und/oder Gesellschaft haben, falls Ihnen danach ist.

Wenden Sie bitte die Trauma-Auflösungstechnik immer auf das jeweils wichtigste Erlebnis an. Dieses sogenannte Kernerlebnis steht stellvertretend für alle ähnlichen Erlebnisse und ist assoziativ mit den anderen verknüpft. Während Sie Ihre Timeline betrachten, werden Sie intuitiv wissen, welches Erlebnis Sie als nächstes bearbeiten sollten. Sie merken dann, dass Sie eventuell nicht jedes Erlebnis einzeln bearbeiten müssen. Das Gehirn lernt sehr schnell den unten beschriebenen Mechanismus automatisch anzuwenden. Meistens (aber nicht immer) sind die wichtigsten Erlebnisse diejenigen, die zeitlich am frühesten liegen. Achten Sie darauf, wie sich die Bedeutung der Bilder dieses Abschnitts auf der Timeline ändert. Im Laufe der fortschreitenden Trauma-Auflösung können sich die Bilder immer wieder verändern, so dass scheinbar unwichtige, verdrängte Erlebnisse auf einmal in den Vordergrund treten und demnach als nächstes bearbeitet werden sollten. Andere, von denen Sie vielleicht dachten, dass Sie als nächstes dran kommen sollten, lösen sich vielleicht ganz automatisch auf. Verlassen Sie sich bei der Auswahl auf Ihre Intuition.

Sie sollten auch die ”kleineren” Erlebnisse bearbeiten. Am besten alle, die mit den Trauma-Erlebnissen zu tun haben. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie ein negatives Erlebnis bearbeiten sollten, tun Sie es einfach zur Sicherheit.

Zusammenfassung

  1. Ermitteln Sie, wie Ihre Timeline verläuft
  2. Ermitteln Sie aus der Distanz - hoch über Ihrer Timeline schwebend - an welchen Stellen sie dunkel ist.
  3. Ermitteln Sie, welches das wichtigste Erlebnis ist, das als erstes bearbeitet werden soll und welche anderen Erlebnisse damit verkettet sind.
  4. Führen Sie die Trauma-Auflösung für dieses Erlebnis durch.
  5. Schauen Sie, wie sich die Erlebnisse auf Ihrer Timeline verändern. Welche Erlebnisse werden wichtig und welche auf einmal unwichtig? Lassen Sie sich mit diesem Schritt ruhig soviel Zeit, wie Sie brauchen und beobachten, wie sich die Dinge ändern. Sie können auch, bevor Sie mit dem nächsten Erlebnis weitermachen, eine Nacht darüber schlafen, denn am nächsten Morgen wird die Welt anders aussehen. Lassen Sie sich überraschen.
  6. Gehen Sie zu Schritt 3.
Nun folgen zwei Techniken zur Trauma-Auflösung. Bitte machen Sie sich zunächst mit beiden Techniken vertraut. Dann wählen Sie diejenige, die für Sie am einfachsten ist. Wir haben beide Techniken gleichermassen mit großem Erfolg eingesetzt. Falls Sie sich nicht sicher fühlen, können Sie die Techniken erst an einem mittelmäßig unangenehmen Erlebnis üben, bevor Sie das eigentliche Trauma-Erlebnis bearbeiten.

Trauma-Auflösung mit ›Kino-Film‹

Im NLP ist diese Technik seit mehr als 20 Jahren auch als ›visuell-kinästhetische Dissoziation‹ bekannt.
Erinnerung: Sie selbst und Ihr B können Ihren Power-Anker jederzeit auslösen, falls Sie zu tief in ein Erlebnis gegangen sind. Entscheiden Sie nun, welches Erlebnis Sie bearbeiten möchten.
Jedes Erlebnis, wie schrecklich es auch gewesen sein mag, ist immer von zwei Situationen der Sicherheit eingerahmt!
Machen Sie sich bitte folgende wichtige Tatsache klar: Jedes Erlebnis hat einen Zeitpunkt - vor dem eigentlichen Erlebnis - an dem Sie in Sicherheit waren, vielleicht zwei Stunden vorher. Ebenso folgt auf jedes Erlebnis ein Zeitpunkt an dem Sie wieder in Sicherheit waren z.B. ein paar Stunden später. Bei einem Autounfall gab es z.B. vorher eine Situation, in der der Fahrer noch gar nicht im Auto saß. Da war er in Sicherheit. Nach dem Autounfall ist er spätestens im Krankenhaus zwar in keiner glücklichen Lage, aber wieder in Sicherheit.
Damit Sie wissen, was gleich kommt, hier ein kurzer Abriss der Trauma-Auflösung mittels Kino-Film. Die Trauma-Auflösung besteht aus drei Schritten:
  1. Sie legen eine Start- und Endszene der Sicherheit fest.
  2. Sie gehen in die doppelte Dissoziation. Als Vorführerin führen Sie Ihrem Selbst im Kinositz das traumatische Erlebnis als Film einmal in Kleinbild, schwarz-weiß und abgedunktelt von der Start- zur Endszene der Sicherheit vor.
  3. Dann lassen Sie den Film einige Male schnell rückwärtslaufen; von der Endszene zur Startszene.
Ihr Gehirn lernt das entsprechende Erlebnis stark zu dissoziieren, ohne dass der Inhalt verloren geht. Das Rückwärtslaufenlassen baut die trauma-typische ›nervliche Überempfindlichkeit‹ ab. Dazu muss man sich aber einmal den Film vorwärts vorführen. Keinen der Schritte überspringen! Ihr B wird Sie sicher durch diese Technik führen. Da Sie alle vorigen Übungen bereits gemeistert haben, sind Sie als Team gut aufeinander eingespielt. Zusätzlich haben Sie Ihren Power-Anker. Wie bei den anderen Übungen auch: Erst alle Anweisungen durchlesen und besprechen, damit beide genau wissen, was zu tun ist.
Nun bestimmen wir die beiden Zeitpunkte der Sicherheit vor und nach dem eigentlichen traumatischen Erlebnis. Blenden Sie dabei bitte das eigentliche Erlebnis dazwischen vollständig aus. Bauen Sie jetzt die doppelte Dissoziation, wie im vorigen Kapitel beschrieben, auf.
Es kann sein, dass Sie die komplette Trauma-Auflösung problemlos durchlaufen. Manche Betroffene tendieren aber am Anfang des Films dazu, in das Erlebnis hereinzugehen. Das müssen Sie sofort unterbrechen! Wir achten gerade am Anfang des Films aus solche non-verbalen Anzeichen. Dann erinnern Sie Ihr A nachdrücklich an die doppelte Dissoziation. »Deine Aufgabe als Vorführerin ist, Sabine im Kinositz den Film vorzuführen. Nur Sabine im Kinositz soll den Film auf der Leinwand anschauen. Deine Aufgabe als Vorführerin ist, dafür zu sorgen, dass es für Sabine im Kinositz ok ist.«
Hier noch Tipps, was Sie beide in solchen Fällen tun können:
  • Als Vorführerin können Sie jederzeit den Film unterbrechen, den Projektor abschalten und eine Pause in die Vorführung einbauen.
  • Sie können den Power-Anker auslösen.
  • Sie können Ihr Selbst im Kinositz jederzeit weiter nach hinten plazieren.
  • Sie können neben Ihr Selbst im Kinositz eine starke Person setzen, die Ihr Selbst beraten und/oder beschützen kann.
  • Sie können den Kinosaal umgestalten.
  • Sie können jederzeit das Bild kleiner oder dunkler machen und den Abstand vergrößern.
Als B können Sie während der Vorführung immer wieder solche Hinweise an die Vorführerin geben: »Du als Vorführerin weißt, dass Du das Bild jederzeit kleiner und dunkler machen kannst.«
Berater Klären Sie mit Ihrem A, ob die gesamte Kino-Situation für sie ok ist oder ob sie noch etwas hinzufügen oder verändern möchte. Sie können Ihrem A auch anbieten, eine dritte Dissoziationsstufe aufzubauen. Hierzu nimmt Ihr A die Rolle einer Regisseurin ein, die die Vorführerin im Projektorraum beobachtet und ggf. Regie-Anweisungen geben kann. Die Regisseurin stellt sicher, dass die Vorführerin dem Selbst im Kinositz den Film so vorführt, dass es für das Selbst im Kinositz ok ist. Falls Sie drei Dissoziationsstufen wählen möchten, üben Sie dies bitte wie im vorigen Kapitel an einem nicht-traumatischen Erlebnis.
Partnerin Zum Bestimmen der Endszene plazieren Sie Ihr Selbst in den Kinositz und gehen in den Vorführraum. Hier haben Sie das Filmmaterial zur Verfügung, aus dem Sie auswählen können. Als Vorführerin bestimmen Sie nun für Ihr Selbst im Kinositz eine Endszene nach dem Ende des traumatischen Erlebnisses. Es soll eine reale Endszene sein, keine konstruierte. Blenden sie für Ihr Selbst im Kinositz diese Endszene als kleines Standbild auf die Leinwand. Achten Sie darauf, ob sich ihr Selbst, dass (natürlich) genauso wie Sie über ihr heutiges Wissen und Ihre Stärken verfügt, im Kinositz sicher genug fühlt. Wählen Sie ggf. eine andere Endszene, mit einem zeitlich größeren Abstand zum eigentlichen Trauma-Erlebnis. Ihr Selbst im Kinositz soll beim Betrachten des Endszenen-Standbildes wissen, dass das traumatische Erlebnis hier längst zu Ende war und jetzt eine Situation der Sicherheit gezeigt wird. Maßstab ist, dass sich Ihr Selbst im Kinositz wohlfühlt. Wenn Sie nicht sicher sind, ob die Endszene geeignet ist, können Sie sie (als kleines Standbild) nur kurz aufleuchten lassen und dabei Ihr Selbst im Kinositz beobachten. Wählen Sie so die richtige Endszene für Ihr Selbst im Kinositz aus. Später - während der Filmvorführung - haben Sie jederzeit die Möglichkeit diese Endszene einzublenden, mit dem Wissen, dass das Erlebnis ein Ende hatte und heute längst vorbei ist.
Berater Bestimmen Sie mit Ihrem A den Zeitpunkt der Sicherheit nach dem traumatischen Erlebnis. Achten Sie darauf, dass sich Ihr A nur auf den Zeitpunkt der Sicherheit nach dem Erlebnis konzentriert. Wir haben bei unseren Tests festgestellt, dass die Betroffenen sich oft so stark mit dem eigentlichen Erlebnis beschäftigen, dass sie gar nicht wahrnehmen, dass sie davor und danach in Sicherheit waren. Achten Sie auf die non-verbalen Kommunikationssignale Ihres A. Sprechen Sie die Vorführerin in der zweiten Person an d.h. mit ›Du‹ oder ›Sie‹, aber ihr Selbst im Kinositz in der dritten Person: »Du als Vorführerin kannst auf Sabine im Kinositz achten. Fühlt sich Sabine im Kinositz sicher, während Du die Endszene kurz als kleines Standbild auf die Leinwand einblendest?«. Betonen Sie, dass es nicht um das traumatische Erlebnis geht, sondern um eine Szene der Sicherheit danach. Im obigem Beispiel mit dem Autounfall, war der Fahrer z.B. im Krankenhaus wieder in Sicherheit.
Partnerin Nachdem Sie nun eine Endszene bestimmt haben d.h. wissen, wann das traumatische Erlebnis zu Ende war, brauchen wir noch eine Startszene. Suchen Sie als Vorführerin für Ihr Selbst im Kinositz einen Zeitpunkt aus, der soweit vor dem traumatischen Erlebnis liegt, dass sich die Handlung noch nicht zwangsläufig ergibt. Ihr Selbst im Kinositz soll beim Betrachten der Startszene wissen, dass die Person auf der Leinwand dem Erlebnis noch hätte ausweichen können. Dieser Zeitpunkt kann eine halbe Stunde, eine Stunde, zwei Stunden oder noch weiter vor dem traumatischen Erlebnis liegen. Als Vorführerin sollten Sie für Ihr Selbst im Kinositz einen gefühlsmäßig neutralen Zeitpunkt mit genügend großem Abstand zu dem eigentlichen traumatischen Erlebnis auswählen. Zum Testen können Sie diese wieder Ihrem Selbst im Kinositz kurz als kleines Standbild auf der Leinwand sanft aufleuchten lassen und dabei Ihr Selbst im Kinositz beobachten. Wählen Sie auf diese Weise eine Startszene, die für Ihr Selbst im Kinositz ok ist. Einige Betroffene fanden es hilfreich, während der Bestimmung der Startszene das Standbild der Endszene auf der Leinwand zu behalten.
Berater Nun lassen Sie von der Vorführerin den Zeitpunkt der Sicherheit für ihr Selbst im Kinositz festlegen. »Als Vorführerin kannst Du für Sabine im Kinositz eine Szene auswählen, die weit genug vor dem Erlebnis liegt. Schau Dir die Sabine im Kinositz an. Kannst Du ihr ansehen, dass dieses Standbild für sie weit genug vor dem Erlebnis liegt?«.
Nachdem Sie eine gute End- und Startszene festgelegt haben, machen Sie ein kurze Pause. Wie wirkt es sich auf Sie aus, dass das Erlebnis von zwei Situationen der Sicherheit eingerahmt ist? Treten Sie einen Schritt zurück, so dass Sie Ihre Vergangenheit um die Start- und Endszene herum im Überblick haben. Beachten Sie die Erkenntnisse und Bewertungen, die sich aus dieser Perspektive und der zeitlichen Begrenzung ergeben.
Partnerin Vergegenwärtigen Sie sich jetzt wieder die Kino-Situation. Begeben Sie sich wieder in den Vorführraum und prüfen, ob für Ihr Selbst im Kinositz alles ok ist.
Berater Während Ihr A nun den Film vorwärts laufen lässt, ist es Ihre Aufgabe dafür zu sorgen, dass sie die doppelte Dissoziation beibehält: Es ist völlig ok, wenn Ihr A auf die Erinnerung emotional reagiert (z.B. mit ein paar Tränen) aber sie muss die doppelte Dissoziation beibehalten, bis die Endszene erreicht ist. Sie wird das Erlebnis aus dieser Perspektive noch nie betrachtet haben.

Um sie darin zu unterstützen, halten Sie die ganze Zeit bis zur Endszene den Dissoziationsanker gedrückt.

Sprechen Sie mit Ihr währenddessen nur in der dritten Person und beschreiben das Szenario der doppelten Dissoziation. »Schaue Dir Sabine im Kinositz an, wie sie Sabine auf der Leinwand sieht. Du sollst aber nicht auf die Leinwand schauen, sondern als Vorführerin darauf achten, dass es für Sabine, während sie den Film sieht, ok ist.«

Geben Sie die ganze Zeit Anweisungen, bis Ihr A ihrem Selbst im Kinositz das Erlebnis bis zur Endszene vorgeführt hat. Dabei können Sie ggf. lauter sprechen, falls Sie den Eindruck haben, dass Sie stärker daran erinnert werden muss, wer wen beobachtet: »Während Du als Vorführerin darauf achtest, dass es für Sabine ok ist, kannst du auch schauen, welche Schuhe sie trägt und ob sie bequem sitzt. Du kannst jederzeit den Film anhalten und Sabine im Kino an einen anderen Platz setzen. Die einzige, die auf die Leinwand schauen soll, wo der Film von Sabine läuft, ist Sabine im Kinositz. Deine Aufgabe besteht darin, vom Projektorraum aus den Film ablaufen zu lassen, dunkel und schwarz-weiß.«
Berater Sie müssen sich hierbei gut auf Ihr A konzentrieren und sie immer wieder auf den genauen Aufbau der Kino-Situation hinweisen. Wer macht was? Betonen sie ebenfalls, dass der Film klein, dunkel und schwarz-weiß ist. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr A auf Sie reagiert, können Sie z.B. lauter sprechen. Erklären Sie immer wieder, welches Selbst sich wo befindet und welche Aufgabe es dabei hat. Die ständige genaue Beschreibung der Szenerie und Submodalitäten (klein, dunkel, schwarz-weiß) ist für Ihr A sehr hilfreich.
Partnerin Lassen Sie nun dunkel und schwarz-weiß Ihr Erlebnis von der Startszene zur Endszene laufen. Dabei sind Sie die Vorführerin, die Ihr Selbst im Kinositz beobachtet und dafür sorgt, dass es für Ihr Selbst im Kinositz ok ist. Wie ist das Fenster zwischen Ihnen im Vorführraum und dem Kinosaal? Hat das Fenster eine Glasscheibe? Wenn ja, fühlt sich das Glas warm oder kalt an? Ist es rauh oder glatt? Ihr Selbst im Kinositz soll sich den Film ansehen, in dem Ihr Selbst auf der Leinwand dargestellt ist. Geben Sie Ihrem B ein Zeichen, wenn sich Ihr Selbst den Film bis zur Endszene klein, dunkel und in schwarz-weiß angeschaut hat. Als Vorführerin machen Sie den Film klein, dunkel und schwarz-weiß, aber nur so dunkel, dass Ihr Selbst im Kinositz noch die Handlung erkennen kann. Wenn dabei wesentliche Erinnerungs-Lücken auftreten, können Sie die Technik im folgenden Kasten Erinnerungs-Lücken aufheben durchführen. Behalten Sie während der gesamten Vorführung die Rolle der Vorführerin bei.

Erinnerungs-Lücken aufheben

\hspace*{0pt}\\ Die Funktion von Erinnerungs-Lücken ist, Sie vor belastenden Erinnerungen zu schützen. Aus unserer Sicht müssen Sie sich daher an überhaupt nichts erinnern. Andererseits ist es nützlich, die nüchternen Fakten zu kennen, um sich oder andere wirksam vor Wiederholung schützen zu können.
\hspace*{0pt}\\ Falls Sie sich teilweise erinnern, kann dies auch andeuten, dass jetzt ein guter Zeitpunkt gekommen ist, das Trauma aufzulösen und das Erlebnis endgültig zu verarbeiten.
\hspace*{0pt}\\ Möglicherweise erinnern Sie sich dank doppelter Dissoziation schon an mehr als in der Zeit vorher, als Sie die Technik noch nicht zur Verfügung hatten.
\hspace*{0pt}\\ Es ist völlig in Ordnung, wenn Ihr Gehirn bestimmte Teile der Erinnerung abdunkelt, solange Sie damit noch nicht klarkommen. Manchmal ist es auch unnötig, jede Einzelheit zu wissen.
\hspace*{0pt}\\ Sie müssen nicht sofort jede Erinnerungs-Lücke aufklären. Sie sollten in stabiler Verfassung sein und die Trauma-Auflösung ohne stark belastende Gefühle durchführen können. Sie können auch erst einmal die Trauma-Auflösung mit den schwarzen Stellen im Film durchführen. Ihr Gehirn lernt dadurch die Trauma-Auflösung kennen. Sie machen die Erfahrung, dass Sie dabei jederzeit in Sicherheit sind. Die doppelte Dissoziation ermöglicht Ihnen, Erinnerung zu betrachten, ohne dabei belastende Gefühle ertragen zu müssen. Sie betrachten das Erlebnis dann nämlich mit der nötigen Distanz. Später können Sie den Prozess inklusive Aufhebung der Erinnerungs-Lücken wiederholen.
\hspace*{0pt}\\ Alternativ können Sie die Trauma-Auflösung an einem Erlebnis ohne Panik ausprobieren. Auch so bringen Sie Ihrem Gehirn die Methode bei und machen die Erfahrung, dass Sie jederzeit geschützt sind. Ihr Power-Anker bietet zusätzliche Sicherheit. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Betroffene, wenn sie erst einmal ein Erlebnis bearbeitet hatten, wesentlich besseren Zugang zu anderen Erlebnissen hatten, auf die sie dann ebenfalls zügig die Trauma-Auflösungstechnik anwendeten.
\hspace*{0pt}\\ Heben Sie die Erinnerungs-Lücken nur auf, wenn Sie sofort mit der Trauma-Auflösung weitermachen und damit das Erlebnis einschließlich aller Erinnerungen und Gefühle neutralisieren.
\hspace*{0pt}\\ Um den Film laufen zu lassen, brauchen Sie sich nicht an alle Einzelheiten zu erinnern. Die Handlung sollte aber beinhalten, wer wann was in welcher Reihenfolge getan hat. Es genügt nicht, ein paar Standbilder aneinander zu reihen. Der Film sollte einen realen und kontinuierlichen Handlungsablauf mit allen wesentlichen Bestandteilen und beteiligten Personen haben, so wie sich das Erlebnis zugetragen hat.
\hspace*{0pt}\\ Als Vorführerin haben Sie die volle Kontrolle über den Film, den Ihr Selbst im Kinositz ansehen wird. Zur Sicherheit können Sie das Bild jederzeit deutlich kleiner machen. Oder dunkler und natürlich schwarz-weiß. Sie können auch jederzeit den Film anhalten und Ihr Selbst im Kino weiter nach hinten setzen. Außerdem können Sie für eine angenehme Atmosphäre im Kino sorgen. Als B sollten Sie dafür sorgen, dass sich Ihr A optimal versorgt fühlt. Dann heben sich Erinnerungs-Lücken oft von selbst auf. Diese können nämlich auch ein Ausdruck davon sein, dass sich Ihr A noch nicht hundertprozentig sicher fühlt.
\hspace*{0pt}\\ Setzen Sie sich entspannt hin, atmen ein paarmal tief durch und richten Ihre Aufmerksamkeit nach innen. Damit Sie überhaupt wissen, dass Sie sich an etwas nicht erinnern können, müssen Sie schon ein bestimmtes Vorwissen über das Erlebnis haben. Führen Sie Ihrem im Kinositz befindlichen Selbst den Film erst einmal inklusive schwarzer Stellen vor. Oft heben sich allein durch die doppelte Dissoziation die Erinnerungs-Lücken automatisch auf. Sie ermöglicht fehlende Erinnerungs-Fragmente mit ausreichendem Schutz und großer Distanz zu betrachten.
\hspace*{0pt}\\ Falls noch eine Erinnerungs-Lücke übrig ist, gehen Sie wie folgt vor:

Spulen Sie als Vorführerin den Film an die schwarze Stelle. Lassen Sie Ihr im Kinositz befindliches Selbst diese Stelle als Standbild betrachten. Nun können Sie die Szene hervorholen, indem Sie als Vorführerin für Ihr Selbst im Kino die Szene stärker belichten. Erhöhen Sie an Ihrem Projektor langsam die Helligkeit, bis Ihr Selbst im Kinositz etwas erkennen kann. Zur Sicherheit können Sie das Bild vorher deutlich kleiner machen oder Ihr Selbst im Kino weiter nach hinten setzen. Das Wohlbefinden Ihres Selbst im Kinositz ist hierbei der Maßstab! Achten Sie auch auf die Tonspur. Oft gibt es während der schwarzen Stellen Geräusche oder Worte. Erhöhen Sie die Lautstärke der Tonspur bis die ersten Konturen auf der Leinwand auftauchen, so dass Ihr Selbst im Kinositz die Szene erkennen kann.
\hspace*{0pt}\\ Als B können Sie Ihrem A auch hier immer wieder den Aufbau des Kino-Szenarios beschreiben und passende Regieanweisungen geben: »Jetzt kann Du als Vorführerin den Film anhalten und die Helligkeit langsam erhöhen. Jetzt kann Du als Vorführerin die Tonspur langsam lauter machen. Erkennt die Sabine im Kinositz schon etwas auf der Leinwand?« Wichtig: Ihr A weiß am besten, was für sie gut ist. Falls sie Anregungen hat, bauen Sie sie mit in Ihre Regieanweisungen ein.
\hspace*{0pt}\\ Oft hat man beim Aufheben der Erinnerungs-Lücken bereits den gesamten Film vorwärts laufen lassen. Dann können Sie sofort im nächsten Absatz mit dem Rückwarts-Laufen weitermachen. Es sollen aber möglichst alle wesentlichen Fakten im Film vorkommen. Einige wenige unserer Testpersonen wollten die Trauma-Auflösung durchführen, obwohl im Film noch nicht alle wesentlichen Fakten vorkamen. Das birgt aber das Risiko, dass die Trauma-Auflösung nicht funktioniert.
\hspace*{0pt}\\ Hinweis: Mit NHR, der Trauma-Auflösungstechnik im nächsten Kapitel, haben wir die Erfahrung gemacht, dass es zunächst ausreichend sein kann, wenn die Betroffenen den genauen Verlauf des Gefühls kennen, ohne sich an den Inhalt des Trauma-Erlebnisses zu erinnern. Durch das Rückwärtslaufenlassen des Gefühls wurde das Erlebnis (und mögliche andere Erlebnisse) bereits neutralisiert. Dadurch war den Betroffenen die Erinnerung an das Erlebnis wieder zugänglich. Am besten Sie machen sich mit beiden Techniken vertraut und entscheiden selbst, wie Sie vorgehen möchten.
Partnerin Wenn Sie an der Endszene angekommen sind, besteht Ihre Aufgabe darin, den Film nun schnell rückwärts laufen zu lassen - von der Endszene zur Startszene. Hier ein Beispiel wie das aussehen könnte: Ein Mann kommt mit einer Karaffe an einen Tisch, füllt dort ein Glas mit Wasser, stößt dann aber an den Tisch, so dass das Glas herunterfällt. Das Wasser verspritzt, das Glas zerspring klirrend in 1000 Scherben, die sich im Raum verteilen. Rückwärts sieht das dann so aus: Die Scherben sausen merkwürdig klimpernd aus allen Ecken des Raumes zu einem Glas zusammen. Während sich das Glas zusammensetzt, steigt das Wasser vom Boden ins Glas. Dieses schwebt dann auf den Tisch, wobei ein Wasserstrahl in die Karaffe aufsteigt, während sich das Glas leert. Dabei macht das Wasser ein merkwürdiges Geräusch. Der Mann nimmt die Karaffe vom Glas weg und entfernt sich rückwärts vom Tisch. All dies spielt sich vielleicht in einer Sekunde ab.
Nun kommt Ihr Film:
Stellen Sie das Standbild der Endszene auf normale Helligkeit und machen es farbig. Steigen Sie nun in die Leinwand ein und schauen sich das Standbild der Endszene mit eigenen Augen an, wie Sie es vorher in der Übung zur assoziierten Perspektive gemacht haben. Sie sollen sich also nicht mehr selbst sehen, sondern in der Endszene an sich herunter blicken können. Dann lassen Sie den Film schnell rückwärts laufen, so wie beim schnellen Rücklauf eines Videorekorders oder DVD-Players. Alle Beteiligten bewegen sich rückwärts. Die Sprache klingt rückwärts. Wenn Sie möchten, können Sie beim ersten Mal den Film auch nur ausschnittsweise rückwärts Szene für Szene kurz aufblinkend ansehen. Dann schauen Sie ihn aber noch einmal kontinuierlich von der Endszene zur Startszene im schnellen Rücklauf an. Sobald Sie an der Startszene angekommen sind, denken Sie kurz an etwas völlig anderes, um ganz aus dem Erlebnis auszusteigen (Sie können z.B. Ihrem B zur Ablenkung ein, zwei Sätze über Ihren letzten Urlaub erzählen). Dann wiederholen Sie diesen kontinuierlichen Rücklauf - immer von der Endszene rückwärts zur Startszene, aus Ihren eigenen Augen blickend - so oft, bis Sie den Film in höchstens 3-4 Sekunden blitzschnell rückwärts laufen lassen können. Achten Sie aber darauf, dass Sie dabei auch wirklich alle Bilder sehen. Das Rücklaufen des Films geht mit jedem Mal einfacher und schneller. Sie können zur Übung die ersten Male den Film ohne Tonspur zurücklaufen lassen. Sobald es leicht genug geht, nehmen Sie aber die Tonspur dazu. Sie soll natürlich ebenfalls rückwärts laufen (wodurch sie sich komisch anhören wird). Die ersten Male, wenn Sie den Film in 3-4 Sekunden rückwärts laufen lassen, kann sich das noch unangenehm anfühlen. Sie können daher beliebig lange in der Endszene bleiben, dann in nur 3-4 Sekunden den Film rückwärts laufen lassen und wieder beliebig lange in der Startszene bleiben. Sie werden feststellen: Die Gefühle werden mit jedem Rücklauf schwächer. Dies ist der eingangs erwähnte Desensibilisierungsschritt. Wenn Sie den Film so schnell rücklaufen lassen können, dass dies nur noch 1-2 Sekunden dauert, wiederholen Sie den Rücklauf inklusive Tonspur noch weitere fünf mal. Zum Schluss wird der Film von der Endszene ganz von alleine zur Startszene zurücklaufen können.
Berater Unterstützen Sie Ihr A darin, den Film rückwärts laufen zu lassen. Machen Sie dabei ein lautes Summen z.B. mit einem weichen »Ssssssssssum«. ›Sum‹-Geräusche geben Ihrem A ein Gefühl für die Geschwindigkeit, mit der der Film zurücklaufen soll. Beim ersten Mal also langsamer »Ssssssss«-summen und bei den folgenden Malen schneller werden. Diese Lautmalerei ist als akustische Komponente ebenfalls bei der Desensibilisierung wichtig, wie auch die Tonspur des Films. Lassen Sie Ihr A den Film hell, in Farbe und aus ihren eigenen Augen so oft rückwärts laufen, bis sie dies mühelos in ca. 1-2 Sekunden kann und auf ihrem Gesicht ein entspannter Ausdruck zu sehen ist. Falls sich Ihr A nicht traut, kann sie das erste Mal den Film in dissoziierter Perspektive schnell rückwärts laufen lassen. Geben Sie Ihrem A den Einsatz mit Hilfe der Stichwörter z.B. »Endszene - aus den eigenen Augen schauen - Sssssssssssum - Startszene«.
Partnerin Nachdem Sie also den Film so oft rückärts laufengelassen haben, dass sich Ihre Gefühle neutralisiert haben, lassen Sie Ihr Selbst aus der Leinwand in Ihr Selbst im Kinositz steigen. Dann nehmen Sie Ihr Selbst aus dem Kino wieder in sich auf. Möglicherweise haben Sie dies schon ganz automatisch vor dem Rückwärtslaufenlassen des Films getan.
Doppelte Dissoziation abbauen

Doppelte Dissoziation abbauen
Test: Wenn Sie sich nun an dieses Erlebnis erinnern, sollte es keine Panik mehr auslösen können. Andere Gefühle bearbeiten wir ggf. später.
Zur Nachbearbeitung gehen Sie bitte nun zum Kapitel Mini-Re-Imprint. Es ist wichtig, dass Sie dieses Kapitel sofort im Anschluss an die Trauma-Auflösung bearbeiten.

Zusammenfassung

  1. Klären Sie mit Ihrem B, wie Ihr B selbst den Power-Anker auslösen kann.
  2. Bestimmen Sie Start- und Endszene des Erlebnisses und nennen Sie Ihrem B dazugehörige Stichwörter.
  3. Bauen Sie die doppelte Dissoziation auf.
  4. Lassen Sie den Film von der Start- zur Endszene dunkel, schwarz-weiß und langsam durchlaufen - und zwar aus der Perspektive der Kino-Vorführerin für die Kinobesucherin.
  5. Bauen Sie die doppelte Dissoziation ab, indem Sie Ihre verschiedenen Selbste in sich aufnehmen.
  6. Lassen Sie den Film aus Ihren eigenen Augen schauend von der End- zur Startszene hell, farbig und schnell zurücklaufen. Wiederholen Sie dies mindestens fünfmal, bis der Film in 1-2 Sekunden zurückläuft.
  7. Gehen Sie zum Kapitel Mini-Re-Imprint
Hinweis: Viele unangenehme Erlebnisse bringen einen von einem guten oder neutralen Zustand in einen schlechten Zustand. Den Film von der Endszene zur Startszene schnell rückwärts laufen zu lassen bringt dem Gehirn bei, dass es die Erinnerung auch so kodieren kann, dass auf die unangenehme Verfassung die neutrale oder angenehme folgt. Der zeitliche Ablauf der Erinnerung ist also variabel. Dies gilt nicht nur für traumatische, sondern auch für andere unangenehme Erinnerungen. Worauf können Sie diese Technik noch anwenden? Sie haben ab heute ein Mittel um sich vom negativen Einfluss solcher Erinnerungen zu befreien.

Trauma-Auflösung mit NHR

Richard Bandler hat kürzlich eine neue Technik zur Phobie- bzw. Trauma-Auflösung entwickelt. Er nennt dieses neue Gebiet Neuro-Hypnotic-Repatterning (NHR). Das Verfahren basiert auf der Beobachtung, dass man Gefühle nur dann aufrecht erhalten kann, wenn man sie wiederholt. Andernfalls klingen sie sofort wieder ab. Das funktioniert ähnlich wie bei Gerüchen. Ein Parfüm habituiert unsere Nase, so dass wir es nach kurzer Zeit nicht mehr riechen können. Erst wenn wir der Nase eine Pause gönnen (indem wir z.B. kurz die Luft anhalten), nehmen wir es wieder wahr.
Bei Gefühlen funktioniert das genauso: Wenn Sie z.B. einen Finger gleichmäßig auf den Arm gedückt halten, werden sie nach kurzer weder den Druck noch die Temperatur spüren können. Erst wenn Sie den Finger leicht bewegen, setzen diese Wahrnehmungen wieder ein. Unsere Nerven reagieren also besonders auf Veränderungen.
Wir halten Gefühle aufrecht, indem wir sie bewegen. Wenn uns z.B. etwas auf den Magen schlägt, bewegt sich vielleicht eine Muskelanspannung von außen nach innen auf den Magen. Freude nehmen wir vielleicht als eine kribbelnde Bewegung wahr, die von oben nach unten durch unseren Körper läuft. Manche Gefühle laufen von oben nach unten, andere von unten nach oben. Manche dringen wiederholt an einer bestimmten Stelle in unseren Körper ein, laufen hindurch und treten an einer anderen Stelle wieder aus. Andere Gefühle laufen in unserem Körper rund, z.B. innen von unten nach oben, dann außen von oben nach unten. Der genaue Verlauf ist von Mensch zu Mensch und von Gefühl zu Gefühl verschieden.
Auch das Gefühl der Panik würde sofort nach dem Auftreten wieder verschwinden, wenn wir es nicht durch wiederkehrende Bewegungen aufrecht erhalten würden. Bei einer unserer Test-Personen schoss das Panikgefühl durch die Füße und Beine in den Oberkörper und drückte dann in Wellen auf seine Brust. Dabei wurde es stärker und führte schließlich zu Atembeschwerden. Bandlers NHR-Technik kehrt diesen Gefühl nun um. Wir lassen die Wellen rückwährts laufen, wobei der Druck auf den Brustkorb nachlässt, bis das Gefühl dann durch die Beine und Füße aus dem Körper herausschießt.
Bei der Trauma-Auflösung mittels NHR gehen wir also wie folgt vor: Erkunden Sie mit Ihr B den genauen Ablauf des bei der Erinnerung an das Trauma auftretenden Panikgefühls. Kehren Sie diesen Ablauf um und lernen Sie das dadurch entstehende entgegengesetzte Gefühl kennen und intensiv wahrnehmen. Nehmen Sie dann zu diesem neuen Gefühl eine minimale Dosis des Trauma-Erlebnisses hinzu. Erhöhen Sie die Dosis unter Beibehaltung des neuen Gefühls solange, bis eine vollständige Desensibilisierung eingetreten ist. Dann fahren Sie mit einem Mini-Re-Imprint fort, wie bei der Trauma-Auflösung durch Film rückwärtslaufen lassen.
Dieses Muster führt Veränderungen auf der Ebene herbei, auf der Ihr Organismus Gefühle erzeugt. Nach unseren Erfahrungen genügt es daher in vielen Fällen ein paar Schlüsselerlebnisse mittels NHR zu bearbeiten. Körper und Gehirn verbinden dieses neue Gefühl dann mit allen ähnlichen Erinnerungen. Bei dieser Technik brauchen Sie sich kaum an ein Panikerlebnis zu erinnern, sondern müssen nur den genauen Ablauf Ihres Gefühls erforschen. Daher funktioniert die Technik auch mit Erinnerungs-Lücken. Diese heben sich normalerweise sofort oder kurze Zeit später von selbst auf - nämlich sobald Sie das neue Gefühl so eingeübt haben, dass es Sie es immer griffbereit haben.
Partnerin Ihre Aufgabe ist, als Gefühl-Forscherin, den genauen Ablauf des Panik-Gefühls zu ermitteln. Hierzu sind 5-10% des Panikgefühls ausreichend. Die genaue Menge bestimmen Sie! Denken Sie kurz an ein Trauma-Erlebnis und achten dabei darauf, wo das Gefühl im Körper lokalisiert ist. Wenn Sie den Punkt im Körper lokalisiert haben, fragen Sie sich: »Von woher kam dieses Gefühl zu diesem Punkt?«. Bei vielen Menschen geht das Gefühl von einem bestimmten Startpunkt aus; in einer schnellen Bewegung zu einen zentralen Punkt. Wo beginnt das Gefühl? In welche Richtung bewegt es sich? Sobald Sie das festgestellt haben, unterbrechen Sie das Gefühl und denken an etwas anderes (z.B. an Ihren letzten Urlaub). Dann beschreiben Sie Ihrem B, wie das Gefühl anfing bzw. verlief.
Berater Als B lenken Sie die Aufmerksamkeit Ihres A auf den Ablauf des Panikgefühls. Sie braucht sich fast gar nicht an das traumatische Erlebnis zu erinnern. Sie kennt das Panikgefühl gut. Sie ist sich aber meist nicht über dessen körperlichen Ablauf im Klaren. Als erstes ermitteln Sie den zentralen Punkt im Körper, wo das Gefühl lokalisiert ist. Sobald Ihr A diesen kennt, machen Sie eine kurze Pause, indem Sie sie an etwas anderes, angenehmes denken lassen. Dann fragen Sie sie: »Wo beginnt das Gefühl? Scheint es an einer bestimmten Stelle in den Körper einzutreten? Ist es schnell oder langsam? Bewegt es sich von unten nach oben oder von oben nach unten. Oder von rechts nach links oder von links nach rechts? Läuft es von außen nach innen oder von innen nach außen?«
Berater Achten Sie bei Ihrem A auf die Atmung. Ein Teil des Gefühls kann z.B. mit schnellem Einatmen verbunden sein. Die Atmung kann auch flacher oder tiefer, schneller oder langsamer werden. Eine gegenteilige Atmung an diesen Stellen schwächt das Gefühl ab und kann auch später beim Umkehren des Gefühls nützlich sein.
Möglicherweise setzt das Panikgefühl an einem bestimmten Punkt im Körper ein und läuft sehr schnell auf einen zentralen Punkt zu. An diesem Punkt bleibt es dann in Form von kleinen Bewegungen z.B. Kontraktionen oder Wellen. Die meisten Panikgefühle bestehen aus wenigen Einzelschritten.
Berater Falls bei Ihrem A das Gefühl an einem bestimmten Punkt bleibt, ermitteln Sie, wie Ihr A dieses Gefühl dort aufrechterhält. Welche (möglicherweise kleine) wiederholende Bewegung erhält dieses Gefühl? Ist es ein Ziehen, eine Anspannung, ein Druck?
Berater Unterbrechen Sie Ihr A regelmäßig, nachdem Sie das Gefühl ein paar Sekunden erforscht hat z.B. mit einem angenehmen Thema. Wenn Sie ihr ansehen, dass sie eine neutrale bis positive Haltung und Atmung hat, können Sie weiter den Ablauf des Gefühls ermitteln. Aus welchen Einzelschritten besteht das Gefühl?
Partnerin Beim Erforschen des Panik-Gefühls brauchen Sie es nicht immer wieder von Anfang an laufen zu lassen. Fahren Sie an der Stelle fort, bis zu der Sie bereits den Ablauf ermittelt haben. Beschreiben Sie Ihrem B die genauen körperlichen Empfindungen, die stattgefunden haben. Bitte nur sachlich beschreiben, nicht interpretieren. Beschreiben Sie z.B. den Ort, Muskelspannung, Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit. Wenn Sie etwas anderes beschreiben als die genauen körperlichen Reaktionen, verwirren Sie möglicherweise Ihr B.
Berater Beobachten Sie Ihr A genau. Sie soll sich nur auf das Gefühl konzentrieren. Sie soll es nur bis zu 10% fühlen. Sie soll nicht das Erlebnis beschreiben oder die Gefühle bewerten, sondern sich beim Erforschen nur auf die körperlichen Sinneswahrnehmungen konzentrieren. Machen Sie ggf. eine Pause und lenken Sie Ihr A auf angenehme entspannende Themen wie Urlaub, Kino, etc.
Berater Wenn Sie den vollständigen Ablauf des Panik-Gefühls kennen, entwickeln Sie zusammen mit Ihrem A ein neues Gefühl, das die genaue Umkehrung der oben ermittelten Einzelschritte verwirklicht. Sollte das Gefühl mit einer bestimmten wiederkehrenden kleinen Bewegung enden, z.B. einem Ziehen oder Pulsen, kehren Sie als erstes diese kleine Bewegung um. Aus einem Ziehen wird so z.B eine Entspannung, aus einem Pulsen eine Art Ausdehnung an der Körperstelle, etc. Üben Sie mit Ihrem A kurz die Umkehrung dieses letzten Einzelschrittes. Dann kehren Sie den vorletzten Schritt um, z.B. die Bewegung zur Zielstelle. Fügen Sie diesen an die Umkehrung des letzten Schritts an. So bauen Sie Schritt für Schritt die komplette Sequenz des Umkehrgefühls auf. Üben Sie mit Ihrem A dieses neue Gefühl nun ein. Begleiten Sie den Verlauf des neuen Gefühls mit Gesten, die auf den Körper Ihres A deuten und das Gefühl führen.
Partnerin Üben Sie die Umkehrung jedes Einzelschrittes ein. Unterstützen Sie den Verlauf durch Gesten und Atmung. Jede Umkehrung sollte mindestens genauso kraftvoll ausgeführt werden, wie der jeweile Einzelschritt des alten Gefühls. Wenn Ihr Gefühl eine starke Wellen- Bewegung enhält, kehren Sie jede einzelne Welle genauso kraftvoll um. Ihre Hände können den körperlichen Verlauf mit Gesten darstellen. Sie können auch Ihre Atmung einsetzen indem Sie z.B. das Gefühl in eine bestimmte Richtung pusten.
Partnerin Lassen Sie nun das gesamte Gefühl rückwärts laufen. Sie können es z.B. im Geiste aus Ihrem Körper herausnehmen, umdrehen und wieder einsetzen, so dass es rückwärts läuft. Sie können den neuen Verlauf mit Ihrer Atmung unterstützen (z.B. das Gefühl in die neue Richtung pusten). Machen Sie begleitend zu diesem neuen Gefühl Gesten, die den Verlauf führen und begleiten.
Partnerin Das rückwärtslaufende Gefühl bewirkt neue Empfindungen. Lassen Sie sich Zeit diese wahrzunehmen. Üben Sie das neue Gefühl richtig ein. Nehmen Sie die neuen Empfindungen dabei wahr. Dann machen Sie dieses neue Gefühl stärker. Lassen Sie es schneller durch Ihren Körper laufen. Sie können dem Gefühl auch eine größere Ausdehnung geben. Es kann also gerne durch einen größeren Bereich Ihres Körpers fließen. Nehmen Sie sich dabei soviel Zeit, bis das Gefühl sicher, flüssig und automatisch durch den Körper läuft. Begleiten Sie es dabei mit entsprechenden Gesten und Atmung. Sie können das Gefühl entweder nach jedem Durchlauf an einer bestimmten Stelle aus Ihrem Körper herausfließen lassen (oder herausschießen) oder für einen erneuten Durchlauf wieder an der Anfangsposition des neuen Gefühls (d.h. der Endposition des alten Gefühls) in Ihren Körper ›reinstecken‹.
Partnerin Wenn das neue Gefühl sicher und flüssig durch den Körper läuft, können Sie sich von dem eigentlichen Trauma-Erlebnis ein Bild machen: So klein wie eine Briefmarke und zunächst 100 Meter weit weg. Schauen Sie sich diese Briefmarke in dieser Entfernung an und lassen dabei das neue Gefühl weiterlaufen. Begleiten Sie es mit den Gesten.
Berater Während Ihr A sich das Kleinbild anschaut, achten Sie darauf, dass Sie kontinuierlich die Gesten des neuen Gefühls ausführt. »Und sobald es für Dich in Ordnung ist, diese Briefmarke in 100 Meter Entfernung anzusehen und dabei dieses neue Gefühl zu empfinden, kannst du die Briefmarke auf 90 Meter heranholen.« Beim Heranholen soll Ihr A das neue Gefühl weiterhin aufrechterhalten und die Gesten machen. Geben Sie ihr einen Moment Zeit. Dann gehen Sie auf 80 Meter. »Vielleicht ist es ok die Briefmarke auf 80 Meter heranzuholen. Und dabei kräftig das neue Gefühl empfinden! Und die Gesten machen!«.
Partnerin Verringern Sie den Abstand der Briefmarke in dem Maße, wie es für Sie in Ordnung ist. Lassen Sie dabei die ganze Zeit das neue Gefühl laufen und machen die dazugehörigen Gesten. Allmählich können Sie dann das Briefmarken-Bild vergrößern. Holen Sie das Bild in dem Maße näher heran, wie Sie gleichzeitig das neue Gefühl sicher, stark und flüssig laufen lassen können. Sie können zwischendurch das Bild auch wieder kleiner machen und weiter wegschieben. Maßstab ist Ihr Wohlbefinden. Zum Schluss sollten Sie das Bild aus einer normalen Entfernung und Größe betrachten und gleichzeitig das neue Gefühl stark und sicher empfinden.
Berater Achten Sie darauf, dass Ihr A immer die Gesten des neuen Gefühls macht, während sie das Bild betrachtet. Sie soll es nur in dem Maße heranholen bzw. größer machen, wie sie dabei den Gesichtsausdruck, Atmung und Körperhaltung des neuen Gefühls beibehalten kann.
Berater Wenn die normale Bildgröße und Entfernung, mit der Ihr A normalerweise Erinnerungen betrachtet, erreicht ist, lassen Sie sie das neue Gefühl noch einen Moment lang weiterlaufen. Dann stellen Sie Testfragen: »Wenn Du das Bild jetzt betrachtest, was für ein Gefühl hast du dabei?«, »Löst das Bild noch Panik aus?«
Nach dem Sie nun die Desensibilisierung für dieses Erlebnis durchgeführt haben, fahren Sie mit dem folgenden Kapitel Mini-Re-Imprint fort.
Hinweis: Jetzt haben Sie mit dem neuen Gefühl und den Gesten einen Mechanismus, mit dem Sie allen anderen traumatischen Erlebnissen begegnen können. Machen Sie die entsprechenden Handbewegungen und lassen das neue Gefühl laufen. Dann beginnen Sie wieder mit einer Briefmarke in 100 Metern Entfernung...
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Zusammenfassung

  1. Ermitteln Sie den genauen Verlauf des Panik-Gefühls.
  2. Kehren Sie das Gefühl um und lassen dieses umgekehrte Gefühl kontinuierlich durch Ihren Körper laufen. Begleiten Sie das neue Gefühl mit Gesten und Atmung.
  3. Während Sie das neue Gefühl laufen lassen schauen Sie das Trauma-Erlebnis als Briefmarke in 100 Meter Entfernung an.
  4. Während das neue Gefühl läuft holen Sie das Bild näher heran. Achten Sie darauf, das neue Gefühl aufrechtzuhalten. Holen Sie das Bild bis zu einer normalen Größe und einem normalen Abstand heran, während Sie das neue Gefühl aufrechterhalten. Lassen Sie das neue Gefühl noch einen Moment weiterlaufen.
  5. Gehen Sie zum folgenden Kapitel Mini-Re-Imprint.

Entscheidungshilfe: Kino-Film oder Gefühle rückwärtslaufen lassen?

  • Nehmen Sie diejenige Technik, die Ihnen leichter fällt und die nach Ihrem Empfinden am besten zu Ihnen passt. Vertrauen Sie Ihrer Intuition.
  • NHR (Gefühle rückwärtslaufen lassen) hat die starke Tendenz mit der Trauma-Auflösung auch gleich noch diesbezügliche Erinnerungs-Lücken aufzuheben.
  • Bei einigen wenigen Trauma-Erlebnissen eignet sich die Kino-Technik. Bei vielen Erlebnissen kann man mit NHR einen Großteil auf einmal bearbeiten.
  • NHR erfordert eine gewisse Genauigkeit beim Erforschen des Gefühls und beim Erzeugen des Umkehrgefühls.


Verwenden Sie die Technik, die Ihnen intuitiv am besten gefällt. Bei vielen Erinnerungs-Lücken und bei vielen Trauma-Erlebnissen bevorzugen Sie vielleicht NHR, sonst vielleicht die Kino-Film.

Mini-Re-Imprint

Dieses Kapitel dient dazu, eventuell noch vorhandenen prägenden Einfluss des Trauma-Erlebnisses aufzuheben. Bei manchen Personen treten nach der Trauma-Auflösung Schuldgefühle auf. Diese können sehr belastend sein. Glücklicherweise gibt es eine einfache NLP-Technik zum Umwandeln von Schuldgefühlen. Diese finden Sie im Kapitel Schuldgefühle. Dort können Sie gerne im Anschluss an dieses Kapitel weitermachen.
Ein anderes wichtiges Thema sind Rache-Gefühle. Nachdem endlich die jahrelange Angst vor dem Täter von Ihnen abgefallen ist, kommen dann bei einigen Betroffenen Rache-Gedanken.

Rache

\hspace*{0pt}\\ Auch wenn Rache angesichts der Tat auf den ersten Blick gerechtfertigt erscheint, machen Rache-Gefühle unfrei. Rachegefühle lassen sich nur mit Blick auf die Vergangenheit und Blick auf den Täter aufrechterhalten. Dann hat der Täter immer noch zuviel Einfluss. Er kann nämlich starke Gefühle auslösen. Wir gestehen dem Täter in Zukunft aber keinerlei Einfluss mehr zu: auch nicht Sie in Rachegefühle versetzen zu können. Befreien Sie sich von diesem und anderen Einflüssen. Ziel ist nicht nur das Trauma zu überwinden, sondern Ihrem Leben eine neue Ausrichtung zu geben. Das Trauma hat in Ihrem Leben schon viel zu lange eine zu große Rolle gespielt. Wir möchten, dass Sie Pläne für die Zukunft machen, bei denen Sie aus dem Vollen schöpfen und nur noch Sie selbst bestimmen, was Sie in Ihrem Leben machen werden. Wir möchten, dass Sie in die Zukunft blicken.
\hspace*{0pt}\\ Wir kennen einen Fall, bei dem der Betroffene auf den Täter mit einer Schusswaffe losging, prompt dabei gefasst wurde und nun vorbestraft ist. Der Täter hatte damit nach der Trauma-Auflösung noch einen nachhaltig negativen Einfluss auf das Leben des Betroffenen.
\hspace*{0pt}\\ Möchten Sie dem Täter soviel Macht geben, dass er Ihre Gefühle und Ihr Handeln beeinflussen kann?
\hspace*{0pt}\\ Wenn man die Angst vor Hunden überwindet, ist man danach kein Hunde-Liebhaber und auch kein Hunde-Hasser. Hunde sind einem dann einfach gleichgültig (und man erkennt bissige Hunde und kann sich vor ihnen schützen).
\hspace*{0pt}\\ Falls die Gefahr besteht, dass Sie dem Täter noch einmal begegnen könnten, müssen Sie als Erstes dafür sorgen, dass Sie objektiv vor ihm geschützt sind. Dann überlegen Sie, wie eine Situation optimal aussähe, falls Sie dem Täter wirklich begegnen. Spielen Sie durch, wie Sie sich, ohne Rache, optimal verhalten.
\hspace*{0pt}\\ In einem unserer Testfälle war zusätzlich zu den Übungen hier im Kapitel Mini-Re-Imprint noch nötig, dass der Betroffene den Täter im Geiste einmal richtig gründlich auslachte.
\hspace*{0pt}\\ Die richtige Einstellung dem Täter gegenüber ist Gleichgültigkeit in Verbindung mit absoluter Sicherheit und Stärke.
\hspace*{0pt}\\ Hier noch ein paar Hinweise:
  • Überlegen Sie, wem Sie was erzählen. Sie möchten niemanden zur Rache treiben und ihn oder sich selbst damit unglücklich machen. Familienmitglieder neigen zu Kurzschlussreaktionen, wenn Sie solche Erzählungen hören.
  • Auch keine verdeckten Rache-Aktionen.
  • Bei Wiederholungsgefahr können Sie den Täter mit den Mitteln des Gesetzes stoppen. Bei Kindesmissbrauch können Sie mit Hilfe des Jugendamtes die betroffenen Kinder aus solchen Situationen herausholen. Das kann sehr belastend sein. Überlegen Sie sich daher gut, inwieweit Sie aktiv werden wollen und können.
  • Vor jeder Aktion erst eine Nacht gut schlafen und dann entscheiden, was zu tun ist!

Die folgenden Übungen dienen dazu Rache-Gefühle und andere mögliche Einflüsse des Trauma-Erlebnisses aufzuheben.
Partnerin Mit Ihrem heutigen Wissen können Sie jetzt nach innen gehen und Ihrem jüngeren Selbst etwas geben, was sie bezüglich dieses Erlebnisses gebraucht hätte z.B. eine Charaktereigenschaft. Sie können Ihrem Selbst vor dem eigentlichen Erlebnis oder zeitlich danach etwas geben (oder zu beiden Zeitpunkten). Was hätten Sie damals als jüngerer Mensch gebraucht? Mit dem heutigen Wissen und Ihren heutigen Stärken: Was hätten Sie gebraucht, damit die Situation völlig anders ausgegangen wäre? Was hätten Sie gebraucht, um dieses Erlebnis leichter und schneller zu überwinden?

Sie sollen die Tat selbst nicht ändern, aber Variationen durchspielen. Beantworten Sie für sich selbst alle folgenden Fragen: Wie hätten z.B. Freunde und Angehörige besser auf die Tat reagieren können? Was, wenn jemand die Tat schneller bemerkt hätte und Ihnen optimal geholfen hätte? Was, wenn ein bestimmter Mensch die Tat verhindert hätte? Was hätten Sie aus heutiger Sicht gebraucht, um besser mit der damaligen Situation klarzukommen?

Welchen Teil Ihres heutigen Wissens und Ihrer heutigen Erfahrung hätte Ihr jüngeres Selbst damals am meisten gebraucht? Wie hätte sich dieses Wissen und diese Erfahrung auf Ihr jüngeres Selbst ausgewirkt? Lassen Sie innerlich möglichst detaillierte Filme von diesen alternativen Handlungen laufen. Sie geben Ihrem Gehirn damit Alternativ-Erfahrungen, ohne die alte Erinnerung zu verfälschen. Schauen Sie sich genau an, wie Ihr jüngeres Selbst mit diesen Variationen aussieht.
Hier ein fiktives Erlebnis, um zu zeigen, wie manche Erlebnisse wirken können: Ein Maurerlehrling wird von seinem Meister verprügelt und bricht daraufhin die Lehre ab. Der Lehrling kann jetzt das Prügel-Erlebis bearbeiten, indem er obige Techniken des Film-Laufenlassens anwendet. So befreit er sich von den belastende Gefühlen. Aber er könnte durch dieses einmalige Erlebnis zu dem Schluss gekommen sein, dass der Beruf des Maurers nichts für ihn ist. Er hat ja nur eine Erfahrung mit einer Maurerlehre gemacht. Ohne alternative Erfahrungen kann sich diese einzelne Erfahrung einschränkend auf ihn auswirken. Solch einen Einfluss wollen wir aber dem Meister nicht zugestehen und spielen daher mehrere mögliche Szenarien einer viel besser ablaufenden Maurerlehre durch. Hierbei geht es nicht darum, die Tat des Maurermeisters zu beschönigen, sondern dem Gehirn alternative Erfahrungen zu geben, so dass die reale Erfahrung nur eine von vielen möglichen wird. Dem Maurerlehrling steht es dann frei zu entscheiden, ob er eine neue Maurerlehre beginnt oder einen anderen Beruf wählt.
Partnerin Erfinden Sie also drei Versionen Ihres Erlebnisses, die allesamt anders ausgegangen sind. Hierbei geht es nicht darum, die Tat zu beschönigen oder in Vergessenheit zu bringen, sondern zu erfahren, welche besseren Handlungsalternativen möglich sind.

Spielen Sie jede der folgenden Versionen durch: 1. Erfinden Sie eine Version, in der Sie sich selbst wirksam schützen konnten. 2. Eine Version, in der eventuell Beteiligte die Tat verhindert hätten und 3. eine, in der der Täter sich anders verhalten hätte. Schauen Sie sich an, wie sich das Erlebnis jedesmal anders entwickelt und anders ausgeht. Gibt es noch eine weitere Variante, die Sie ausprobieren möchten? Machen Sie sich klar, dass es eine große Bandbreite gibt, wie solche Situationen anders ausgehen können.

Ohne das Erlebis zu beschönigen: Überlegen Sie sich unter welchen Zwängen, Einschränkungen und/oder persönlichen Defiziten der Täter stand.

Befreien Sie sich von Hass- und Rache-Gefühlen. Vielleicht hat Ihr Leben nach der Tat eine bestimmte Richtung angenommen. Nach dem Durchspielen von Alternativ-Versionen, können Sie diese neu überdenken und ggf. ändern. Wir haben festgestellt, dass sich das Durchspielen der Alternativ-Versionen unmittelbar nach der eigentlichen Trauma-Auflösung besonders positiv auswirkt und zu großer emotionaler Freiheit verhilft. Das Kapitel Prägenden Einfluss umwandeln in Teil C enthält eine ausführlichere Variante dieser Übung, falls doch noch Hass- oder Rache-Gefühle übrigbleiben.
Berater Die an diesem Erlebnis beteiligten Personen, sollen in der Erinnerung nicht besser gemacht werden. Der Täter bleibt der Schuldige, ebenso Mittäter und diejenigen, die der Tat schweigend zugesehen, geschwiegen oder anderweitig die Tat geduldet haben. Das Durchspielen von Alternativ-Versionen ist dazu gedacht, eine eventuelle negative Prägung durch das Erlebnis aufzuheben (ähnlich wie im Beispiel des Maurerlehrlings). Insbesondere soll Ihr A von Hass- und Rachegedanken befreit werden. Wer sich mit Hass- und Rachegedanken herumträgt, bleibt nämlich gedanklich immer noch bei dem Erlebnis, statt sich neuen Inhalten im Leben zuzuwenden. Wir haben bei unseren Tests festgestellt, dass das Durchspielen alternativer Szenarien eine definitive Bereicherung der Trauma-Betroffenen in vielen Alltagssituationen bringt. Viele Betroffenen würden diesen Schritt gerne überspringen - sorgen Sie aber dafür, dass Ihr A die Chance der Alternativ-Versionen wahrnimmt.
Berater Unmittelbar nachdem die Betroffenen vom Erlebnis desensibilisiert sind, neigen manche zu kurzfristigen Entschlüssen, wie z.B. Angehörige zu konfrontieren oder Anzeige zu erstatten. Ihr A kann aber vielleicht die Konsequenzen noch nicht voll überblicken. Sie soll mindestens eine Nacht über die stattgefundenen Veränderungen schlafen. Danach ist immer noch Zeit für rechtliche oder andere Schritte. Gerichtsverhandlungen, Zeugenaussagen, etc. können mit starken psychischen Belastungen verbunden sein. Dazu muss Ihr A das Erlebnis vollständig bearbeitet haben.
Partnerin Prüfen Sie, ob Angehörige sich hätten besser verhalten können und erfinden Sie ggf. auch hierfür mit Ihrem heutigen Wissen eine alternative Handlung für Ihre Angehörigen. Viele Betroffene hätten sich beispielsweise bessere Unterstützung von Eltern, Freunden oder Justizbehörden gewünscht. Stellen Sie sich vor, wie diese optimal reagiert hätten.
Partnerin Tests: Vergewissern Sie sich, dass das Erlebnis keine Panik mehr auslöst.
Berater Testen Sie, dass das soeben bearbeitete Erlebnis keine Panik mehr auslöst. Stellen Sie Ihrem A hierzu entsprechende Fragen. Ihr A soll ruhig die Erfahrung machen, dass sie von nun an gegen solche Fragen unempfindlich ist. Fangen Sie mit allgemeinen Fragen an und werden zunehmend genauer:

»Wie fühlst Du Dich, wenn Du an dieses Erlebnis denkst?«

»Wie fühlst Du Dich, wenn Du an den Täter denkst?«

»Wie fühlst Du Dich, wenn Du eine ähnliche Geschichte hörst?«

»Stell Dir vor, Du gehst an den Tatort zurück...«

»Stell Dir vor, Du siehst jemanden, der dem Täter sehr ähnlich sieht.«

Ihr A braucht die Gewissheit, dass das Erlebnis überwunden ist.

Sollte Ihr A noch mit Panik auf das Erlebnis reagieren, hat sie den Film mit dem Erlebnis nicht wirklich ablaufen lassen. Manche Betroffene haben beim ersten Mal soviel Angst davor, dass sie lieber erst einmal einen ›Probelauf‹ machen möchten. Das ist völlig in Ordnung. Dann gehen Sie mit Ihrem A zurück und führen sie erneut durch die Übungen in Teil B.
Partnerin Bei mehrfacher Traumatisierung: schauen Sie nun, wie sich durch die Bearbeitung dieses Kernerlebnisses alle damit verknüpften Erlebnisse auf Ihrer Timeline ebenfalls verändert haben.
Eines der häufigsten Probleme von Trauma-Betroffenen sind Schuldgefühle, die zum Teil sehr belastend sein können. Paradoxerweise glauben viele, sie seien für die jeweiligen Erlebnisse verantwortlich und fühlen sich daher schuldig. Im nächsten Kapitel können Sie solche Schuldgefühle durch eine einfache Betrachtungsänderung loswerden.
Gönnen Sie sich mindestens eine Nacht Ruhe. Sie werden überrascht sein, wie sich entweder Ihre Träume verändern und/oder Sie auf einmal ausgesprochen tief und fest schlafen werden. Lassen Sie sich insbesondere überraschen von den großen und kleinen Veränderungen der nächsten Tage und Wochen.
Falls Symptome wie z.B. Flashbacks oder Albträume noch ein paar Tage anhalten, achten Sie darauf, wie sie schwächer werden. Ihr Gehirn verarbeitet die Erfahrungen jetzt. Normalerweise dauert das nur ein paar Tage.
Partnerin Beschließen Sie jetzt eine Verhaltensänderung: »Was kann ich tun, damit sich die Tat nicht wiederholt?« Vor der Trauma-Auflösung fühlten Sie sich vielleicht in erster Linie gleichgültig. »Was kann einem schon noch passieren, nachdem das Schlimmste bereits passiert ist? Das Leben ist sowieso nichts mehr wert. Egal, ob man in einer Gefahrensituation ums Leben kommt.« Solch eine Einstellung führt aber zur Fehleinschätzung von objektiven Gefahrensituationen und erhöht das Risiko, dass sich die Tat wiederholt. Nun, nachdem Sie die Trauma-Auflösung durchgeführt haben, fühlen Sie sich völlig anders und können solche Situationen objektiv besser einschätzen. Statt durch dunkle Straßen oder zu Fremden nach Hause zu gehen oder nachts per Anhalter zu fahren, gehen Sie also in Zukunft keine Risiken mehr ein.
Partnerin Gehen Sie ruhig nochmal kurz vor das traumatische Erlebnis und überlegen, ob es eventuell Warnsignale gegeben hat. Wir möchten, dass Sie in Zukunft von unangenehmen Erfahrungen verschont bleiben. Gut ist, wenn einem bestimmte Warnsignale auffallen. 70% aller Vergewaltigungen finden z.B. im weiteren Bekanntenkreis statt (Stichwort Diskotheken-Bekanntschaft). Manchmal können Sie im Vorfeld bestimmte Anzeichen erkennen, dass von bestimmten Menschen eine Gefahr ausgehen könnte. Auf welche Warnsignale möchten Sie bei anderen Menschen in Zukunft achten?

Zusammenfassung

  1. Gehen Sie mit Ihrem heutigen Wissen noch einmal zu Ihrem jüngeren Selbst zurück und geben ihr etwas, was sie damals gebraucht hätte. Beobachten Sie, wie sich Ihr Selbst daraufhin verändert.
  2. Erfinden Sie alternative Versionen des Erlebnisses, in der sich alle Beteiligten anders verhalten, so dass die Situation anders endet. Falls nach diesem Schritt noch starke Gefühle z.B. Rache- oder Schuldgefühle übrigbleiben, führen Sie in der gleichen Sitzung die Techniken im Kapitel Schuldgefühle bzw. Prägenden Einfluss umwandeln
  3. Überlegen Sie, welche Warnsignale es gegeben hat, damit sich die Situation nicht wiederholt und beschließen Sie ggf. Verhaltensänderungen.
  4. Testen Sie gründlich, ob das Erlebnis noch eine Form von Panik auslöst. Dies ist ein wichtiger Schritt!
Sollten weitere Erlebnisse zu bearbeiten sein, zeigt Ihnen ein Blick auf Ihre Timeline, welches als nächstes dran ist. Bearbeiten Sie alle Erlebnisse zügig in den nächsten Tagen, damit diese (möglicherweise stressige) Phase möglichst bald vorüber ist. Manche Menschen möchten lieber erst eine Nacht über die Veränderung schlafen, bevor sie mit dem nächsten Erlebnis weitermachen. Andere brauchen nur eine kurze Pause und wieder andere möchten bestimmte Erlebnisse alle in einer grossen Sitzung bearbeiten.

Tips für die Bearbeitung mehrerer Erlebnisse:

  • Ähnliche (verkettete) Erlebnisse lösen sich meist von selbst auf, nachdem das Kernerlebnis bearbeitet ist. Prüfen Sie alle Erlebnisse der Reihe nach, ob sie sich schon verändert haben. Manche verändern sich auch in der folgenden Nacht beim Träumen. Schauen Sie, was sich auf Ihrer Timeline verändert hat.
  • Bearbeiten Sie Erlebnisse mit verschiedenen Tätern einzeln.
  • Unterscheiden Sie zwischen schweren und weniger schweren Trauma-Erlebnissen und bearbeiten Sie die schwersten zuerst.
  • Beachten Sie die Hinweise im Kasten über wiederholte Trauma-Erlebnisse.
  • Führen Sie pro Durchlauf auch die Übungen zur Nachbearbeitung durch und ggf. die Technik zur Überwindung von Schuldgefühlen im folgenden Kapitel.
  • Mit jedem Durchlauf verschwinden mehr Symptome. Nachdem alle relevanten Erlebnisse bearbeitet sind, werden auch alle Symptome verschwunden sein.
Berater Ihr A soll lernen selbstständig die Trauma-Auflösung durchzuführen. Helfen Sie Ihr aber bei Erlebnissen, mit denen sie noch nicht alleine zurechtkommt.

Medikamente

Manche Betroffene stehen im Rahmen der Trauma-Behandlung unter Einfluss von starken (Beruhigungs-)Medikamenten. Diese sollten Sie absetzen - allerdings nur unter ärztlicher Aufsicht! Notfalls führen Sie die Übungen zur Trauma-Auflösung und Beseitigung von Schuldgefühlen erst einmal mit Medikamenten durch. NLP betrachtet psychisch wirkende Medikamente als Anker für einen bestimmten Bewusstseinszustand. Sie müssen also das Gelernte auch auf den Bewusstseinszustand ohne Einfluss von Medikamenten übertragen. Wiederholen Sie also das Übungsprogramm noch einmal ohne Medikamenten-Einfluss.

Am nächsten Tag

Am nächsten Tag können Sie sogar noch mehr Veränderungen feststellen. Bei unseren Tests glaubten viele erst nicht, dass es wirklich funktioniert hat. Viele sind nicht sicher, dass es auch im Alltagsleben funktioniert. Egal was Sie oder andere glauben - Testen Sie sich! Lassen Sie sich in den nächsten Tagen überraschen, an wie vielen Stellen sich in Ihrem Leben etwas verändert. Achten Sie auf die großen, aber auch auf die kleinen Veränderungen. Sie werden außerdem in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten bemerken, dass Sie immer mehr Energie im Alltagsleben haben, verbunden mit einem stärker werdenden Gefühl der Neugier. Was werden Sie demnächst mit dieser Energie machen? Womit möchten Sie sich beschäftigen? Vielleicht möchten Sie sich ja weiterbilden oder in Ihrem Leben ein neues Gebiet erschließen. Bedenken Sie auch, wie Ihre Umwelt auf die Veränderungen reagiert. Geben Sie, falls nötig, Ihren Freunden und Bekannten etwas Zeit, sich auf die Veränderungen einzustellen. Überlegen Sie sich gut, ob und wem Sie was erzählen. Freunde oder Verwandte könnten zu unüberlegten Rache-Aktionen verleitet werden. Bestimmte Menschen können mit solchen Erzählungen nicht umgehen und werden Sie zum ›Opfer abstempeln‹. Wir haben erlebt, dass Menschen durch solche Erzählungen ihre Freunde verloren haben.
Manche Menschen wurden sexuell traumatisiert, bevor sie die Gelegenheit hatten, ihre Sexualität zu entdecken. Sie können jetzt Ihre Sexualität neu erlernen und entdecken. Im Kapitel Beziehungs-Check finden Sie dazu einige Hinweise z.B. im Kasten Mindestanforderungen für guten Sex. Sie bestimmen, wie weit Sie gehen möchten. Vor und während dem Sex sollte die Kommunikation mit Ihrem Partner stimmen. Viele Menschen geraten einmal im Leben an einen Sexualpartner, bei dem sie sich danach ›ausgenutzt‹ vorkommen. Diese Erfahrung kommt manchen ähnlich wie sexuelle Traumatisierung vor. Ziehen Sie in diesem Fall eine einfache Konsequenz: Brechen Sie den sexuellen Kontakt ab und suchen Sie sich einen neuen Partner, denn Ihnen stehen in Zukunft angenehme sexuelle Erfahrungen bevor.
Auch wenn bei vielen Betroffenen durch die Trauma-Auflösung die meisten Symptome automatisch verschwinden, sollten Sie die Übungen in den folgenden Kapiteln des Teil C als Nachbereitung und zur Kontrolle durchführen. Falls die dort beschriebenen Symptome bei Ihnen nicht nicht vorkommen, können Sie das jeweilige Kapitel überspringen.

C Vergangenheit aufarbeiten

Schuldgefühle

Schuldgefühle machen manipulierbar.
Tad James erkannte, dass bestimmte Gefühle nur eine Bedeutung im Zusammenhang mit Zeit haben. Schuldgefühle können Sie beispielsweise nur im Rückblick auf zeitlich vergangene Erlebnisse empfinden. Ängste nur mit Blick auf zukünftige Ereignisse. Man fühlt sich schuldig für Dinge, die man in der Vergangenheit getan hat und hat Angst, dass bestimmte Dinge in Zukunft passieren werden. Wegen vergangener Erlebnisse kann man sich zwar schlecht fühlen, aber Angst vor dem vergangenen Erlebnis hat man keine mehr. Wohl aber, dass es sich wiederholen könnte, d.h. mit Blick auf die Zukunft. Ähnliches gilt für Schuldgefühle: Sie können sich nicht für Dinge schuldig fühlen, die Sie erst noch tun werden.
Diese Einsicht können Sie nutzen, um sich von Schuldgefühlen zu befreien. Hier einige Beispiele von Trauma-Betroffenen:
  • Ich bin schuld, weil ich die falsche Kleidung an hatte.
  • Ich bin schuld, weil ich zur falschen Zeit losgegangen bin. Sonst hätte das Erlebnis vermieden werden können.
  • Mit diesem Erlebnis wollte mich jemand bestrafen.
  • Ich bin schuld, dass jetzt Helfer mit in die ganze Situation hereingezogen wurden.
  • Ich bin schuld, weil ich nicht vorher gesehen habe, wie der Täter reagieren würde.
  • Ich bin schuld, dass mich mein eigener Vater sexuell anregend fand.
  • Ich muss meinen Onkel auf irgendeine Art angemacht haben.
  • Ich habe meine Mutter mit meinem Vater betrogen.
  • Ich habe provoziert, dass mein Freund gewalttätig wurde.
  • Ich habe nicht früh genug gesagt, dass er aufhören sollte.
  • Ich hätte meiner Freundin nie von dem Erlebnis erzählen sollen.
  • Ich hätte den Unfall/die Gewalttat/die Vergewaltigung verhindern sollen.
  • Ich bin schuld, dass mein Körper in dem Erlebnis auf Stimulation reagiert hat.
  • Ich bin schuld, andere mit hereingezogen zu haben.
  • Ich bin schuld, dass jemand anderem etwas angetan wurde.
Manche haben außerdem Schuldgefühle, wenn sie schlecht über andere denken oder reden. Falls Schuldgefühle Sie daran hindern Grenzen zu setzen oder Ihre eigenen Interessen zu vertreten, können andere Leute das schamlos ausnutzen: »Wenn Du mir jetzt nicht hilfst, bist du schuld, wenn...«
Manche Schuldgefühle haben oder hatten den Sinn, auf eine notwendige Verhaltensänderung aufmerksam zu machen. Schaffen Sie alle Schuldgefühle ab, die heutzutage keinen Nutzen mehr haben. Erstellen Sie eine entsprechende Liste. Bei traumatischen Erlebnissen müssen Sie vorher die Trauma-Auflösung durchgeführt haben, sonst laufen Sie Gefahr bei der Erinnerung an das Erlebnis, in Panik zu verfallen.
Da Schuldgefühle nur mit Blick auf die Vergangenheit eine Bedeutung haben, gehen wir mit Hilfe Ihrer Timeline zeitlich vor das Erlebnis, das Schuldgefühle auslöst. Dazu verwenden wir entweder die visuelle Timeline nach Tad James (s. Kapitel Wiederholte Traumatisierung, Timeline) oder die Boden-Timeline nach Robert Dilts. Sie können sich aussuchen, welche der beiden Methoden Ihnen lieber ist.
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Boden-Timeline und Visuelle Timeline

Boden-Timeline und Visuelle Timeline
Partnerin

Visuelle Timeline

  1. Bauen Sie Ihre Timeline auf, wie im Kasten Wiederholte Traumatisierung, Timeline zu Beginn des vorigen Kapitels beschrieben.
  2. Schweben Sie nun über Ihrer Timeline zurück Richtung Vergangenheit bis kurz vor das Erlebnis, das Schuldgefühle auslöst. Nehmen Sie eine Perspektive ein, als wäre dieser Zeitpunkt die Gegenwart. Das Erlebnis wird also gleich - in der unmittelbaren Zukunft - stattfinden.
  3. Halten Sie diese Perspektive fest, schauen in die Zukunft. Versuchen Sie ein Schuldgefühl zu erzeugen und gleichzeitig auf das gleich stattfindende Erlebnis zu schauen. Wundern Sie sich? Schauen Sie weiter auf das gleich stattfindende Erlebnis und fragen sich: Welches Gefühl ist jetzt an die Stelle des alten getreten? Was können Sie lernen, während Sie aus dieser Perspektive auf das gleich stattfindende Erlebnis schauen? Wie ändert sich die Bedeutung des Erlebnisses für Sie? Wie schätzen Sie das Erlebnis jetzt ein? Was für eine Erkenntnis ist hinzugekommen?
  4. Lassen Sie Ihre neuen Gefühle wirken und machen Sie sich klar, wie sich die Bedeutung des Erlebnis geändert hat. Oft ändern sich zeitlich nachfolgende Erlebnisse automatisch mit. Kehren Sie nun langsam auf Ihrer Timeline in die Gegenwart zurück und schauen dabei, ob Sie wahrnehmen können, wie sich die nachfolgenden Erlebnisse in ihrer Bedeutung ändern.
Partnerin

Boden-Timeline

  1. Stellen Sie sich ihre Lebensgeschichte als eine Linie auf dem Fußboden Ihres Zimmers vor, so dass Sie auf dieser Linie entlang wandern können. Zeigen Sie Ihrem B, wie diese Linie im Raum verläuft und welcher Lebensabschnitt bzw. welches Alter an welcher Position auf der Linie im Raum lokalisiert ist.
  2. Gehen Sie nun auf dieser Linie zurück in die Vergangenheit an eine Stelle kurz vor dem Erlebnis, bezüglich dessen Sie sich schuldig fühlen. Drehen Sie sich herum und blicken in Richtung Zukunft.
  3. Während Sie sich ansehen, was gleich passieren wird, versuchen Sie ein Schuldgefühl zu erzeugen. Lassen Sie sich überraschen. Schauen Sie weiter auf das gleich stattfindende Erlebnis und fragen sich: Welches Gefühl ist jetzt an die Stelle des alten getreten? Was können Sie lernen, während Sie aus dieser Perspektive auf das gleich stattfindende Erlebnis schauen? Wie ändert sich die Bedeutung des Erlebnisses für Sie? Wie schätzen Sie das Erlebnis jetzt ein? Was für eine Erkenntnis ist hinzugekommen?
  4. Lassen Sie Ihre neuen Gefühle wirken und machen Sie sich klar, wie sich die Bedeutung des Erlebnis geändert hat. Oft ändern sich zeitlich nachfolgende Erlebnisse automatisch mit. Wandern Sie nun langsam auf Ihrer Timeline in die Gegenwart zurück und schauen dabei, ob Sie wahrnehmen können, wie sich die nachfolgenden Erlebnisse in ihrer Bedeutung ändern.
Berater Führen Sie Ihr A auf der Timeline zeitlich vor das Erlebnis. Ihr A soll von diesem Zeitpunkt in die Zukunft auf das gleich stattfindende Erlebnis blicken und gleichzeitig versuchen, Schuldgefühle aufzubauen. Dies ist nämlich nicht möglich. Jetzt können Sie ihr die Fragen unter Punkt 3 stellen. »Gehe zeitlich vor das Erlebnis und schaue in die Zukunft«. »Was passiert mit den Schuldgefühlen, während Du Dir jetzt anschaust, wie sich das Erlebnis gleich entwickeln wird?«, »Während Du auf das gleich stattfindende Erlebnis blickst, wie ändert sich Deine Einschätzung?«.
Egal welche Timeline-Methode Sie gewählt haben, Sie werden überrascht sein, dass Sie die Schuldgefühle nicht mehr aufrecht halten können. Das Erlebnis löst jetzt andere Gefühle und eine andere Einschätzung aus. Es wird klar, wer wofür verantwortlich war. Lassen Sie diese Erkenntnis auf sich wirken.
Auch von Schuldgefühlen, mit denen man sich jahrelang herumgeplagt hat, kann man sich mit dieser Technik einfach und sogar innerhalb von Sekunden befreien. Wenn Sie jetzt gleich ein paar weitere Situationen bearbeiten, lernt Ihr Gehirn Schuldgefühle, die keinen Nutzen haben, automatisch zu beseitigen.
So sorgen Sie auch dafür, dass Ihnen niemand Schuldgefühle einreden kann. Vielleicht möchten Sie sich sogar angewöhnen, in den nächsten Wochen verstärkt auf Schuldgefühle zu achten und diese sofort aufzulösen (was nach dieser Übung bei vielen schon automatisch passiert). Bei Schuldgefühlen, die einen Sinn haben, müssen Sie sich vorher wirksame alternative Verhaltensweisen für die jeweilige Situation überlegen. Nach kurzer Zeit haben Sie so Ihre gesamte Lebensgeschichte von Schuldgefühlen befreit. Bei dem Versuch Sie mittels Schuldgefühlen zu manipulieren, werden Sie dann nur noch milde lächeln.

Zusammenfassung

  1. Gehen Sie zeitlich vor das Erlebnis, das bisher Schuldgefühle ausgelöst hat.
  2. Schauen Sie sich das Erlebnis aus dieser Perspektive an, wie es sich gleich entwickeln wird und fragen sich gleichzeitig: »Gibt es noch Schuldgefühle?«, »Welches Gefühl kommt stattdessen?«, »Zu welcher neuen Einschätzung komme ich, wenn ich es so betrachte?«

Prägenden Einfluss umwandeln

Bestimmte Erlebnisse können eine prägende Wirkung haben. Daher haben wir bereits in die Trauma-Auflösung eine Mini-Version der von Robert Dilts entwickelten Neupräge-Technik eingebaut. Dies reicht in vielen Fällen aus um die Prägung des Erlebnisses aufzuheben. Manchmal ist hierzu jedoch eine ausführlichere Version nötig. Entscheiden Sie selbst, indem Sie sich folgende Fragen beantworten:
Haben Sie das Gefühl in einer ›Beziehung‹ zu dem Täter oder beteiligten Personen zu stehen? Dies kann eine reale Beziehung sein z.B. bei Verwandten oder wenn sich Täter und Opfer bei juristischen Auseinandersetzungen wiederholt begegnen müssen. Es kann auch eine fiktive Beziehung sein. Viele Täter versuchen z.B. eine Beziehung zu konstruieren, um (bei wiederholtem Missbrauch) die Betroffenen zur Kooperation zu drängen. »Du muss jetzt die verstorbene Mutter ersetzen«. In dem Wunsch das Erlebte zu verarbeiten, kann eine fiktive Beziehung aber auch durch zu intensive Auseinandersetzung mit dem Täter entstehen. Hierzu zählen regelmäßige Fantasien, wie man andere vor dem Täter schützt, wie sich der Täter entschuldigt oder wie man sich am Täter rächt.
Führt die Erinnerung zwangsläufig zu negativen Gefühlen, wie starkem Ärger, Hass oder Rache? Haben Sie negative Verhaltsweisen anderer übernommen? Durch diesen Mechanismus können Opfer später zu Tätern werden. Haben Täter oder Beteiligte Einfluss auf Ihre Werte oder Glaubenssätze? Haben Sie z.B. Werte des Täters übernommen oder genau gegenteilige »Ich will auf keinen Fall so werden wie...«?
Fühlen Sie sich von diesen Überlegungen angesprochen? Dann ist die Neupräge-Technik das Mittel der Wahl, denn sie wirkt genau auf den ›externen Teil‹, den man ›internalisiert‹ hat. Ansonsten können Sie dieses Kapitel überspringen. Falls Sie Zweifel haben, führen Sie die Neu-Prägung einfach zur Sicherheit durch. Es kann nicht schaden, wenn Ihr Gehirn eine weitere Technik im Umgang mit vergangenen Erlebnissen erlernt. Sie können aber auch die Re-Imprint Technik auf andere negative Erlebnisse z.B. auf ›Erziehungs-Fehler‹ von Eltern oder Lehrern anwenden. Ziel ist es, bei jeder Erinnerung an vergangene Erlebnisse frei zu sein.
Auch hier, wie in allen Kapiteln von Teil C, setzen wir voraus, dass das eigentliche Trauma bereits mit den Übungen aus Teil B aufgelöst wurde.
Damit die Neupräge-Technik funktioniert, müssen Sie dem Präge-Erlebnis mehrere Alternativen unter Einbeziehung Ihrer heutigen Stärken und Ressourcen hinzufügen. Diese Erlebnis-Alternativen finden (idealerweise) unter drei verschiedenen Blickwinkeln statt: Der Ich-Perspektive, der Perspektive eines neutralen, wohlwollenden Beobachters und der Perspektive aller an dem Erlebnis beteiligten Hauptpersonen, einschliesslich des Täters. Es geht nicht darum, das Erlebnis zu beschönigen und auch nicht, den objektiv stattgefundenen Verlauf zu verändern, sondern darum, Ihnen in dieser Situation Ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten besser zugänglich zu machen.
Aus der Timeline heraustreten

Abbildung 16.1: Aus der Timeline heraustreten
Partnerin Stellen Sie sich wieder Ihre Timeline auf dem Boden vor (es geht aber auch mit der visuellen Timeline). Gehen Sie nun zeitlich einen Schritt vor das prägende Erlebnis. Nun treten Sie aus Ihrer Timeline heraus und stellen sich so hin, dass Sie sich selbst mit allen beteiligten Person(en) (z.B. dem Täter) sehen können. Schauen Sie sich die Situation aus dieser sogenannten Beobachter-Position an und fragen sich mit Ihrem heutigen Wissen: Welche Ressourcen, Fähigkeiten, Werte und Verhaltensweisen hätte ich in der damaligen Situation gebraucht? Nehmen Sie sich alle Zeit, die Sie brauchen. Manche möchten auch Stärken und Fähigkeiten eines Vorbilds übernehmen. Bauen Sie alles ein, was Ihr jüngeres Selbst auf der Timeline in dem Erlebnis mit Ihrem heutigen Wissen gebraucht hätte. Nehmen Sie auch Fähigkeiten, mit denen Ihr Selbst sich besser schützen kann. Wie sieht Ihr jüngeres Selbst auf der Timeline aus, wenn es diese Ressourcen, Fähigkeiten, Werte und Verhaltensweisen in ihre Person integriert hat; wenn Ihr Selbst sie automatisch zur Verfügung hat? Welche Änderungen ergeben sich nun in dem Erlebnis? Welche anderen Verhaltensweisen kann Ihr Selbst jetzt zusätzlich nutzen? Schauen Sie sich an, wie das Erlebnis einen anderen Verlauf nimmt.
Berater Begleiten Sie Ihr A auf dem Weg durch ihre Timeline an die Stelle kurz vor dem Erlebnis. Sorgen Sie dafür, dass sie aus ihrer Timeline heraustritt, um das Erlebnis mit dem nötigen Abstand zu betrachten. Wenn Ihr A die Perspektive der neutralen, wohlwollenden Beobachterin eingenommen hat, kann sie ihrem Selbst alle Stärken und Ressourcen geben, die sie braucht, damit sie in dem Erlebnis optimal geschützt ist und das Erlebnis einen anderen Verlauf nimmt. Lassen Sie solange Ressourcen, Stärken, Fähigkeiten, Werte, Verhaltensweisen etc. hinzufügen, bis Ihr A wirklich zufrieden aussieht. »Was hätte Dein Selbst auf der Timeline gebraucht, um mit der Situation besser zurecht zu kommen? Wie sieht sie aus, nachdem Du ihr mit Deinem heutigem Wissen diese Fähigkeiten gegeben hast? Lass Dir alle Zeit, die Du brauchst um die Veränderungen auf Dich wirken zu lassen. Schau Dir in Ruhe an, wie Dein Selbst sich anders verhält.«
Partnerin Nun richten Sie Ihre Aufmerksamkeit als neutrale Beobachterin auf die anderen beteiligten Personen. Welche persönlichen Defizite und Schwächen haben bewirkt, dass die anderen Personen sich so verhalten haben? Nehmen Sie sich jede am Erlebnis beteiligte Person einzeln vor. Was für eine Eigenschaft hätten z.B. Verwandte und Angehörige gebraucht? Manche (ver)schweigende Angehörige konnten z.B. nicht angemessen reagieren, da das Erlebnis in ihnen einen Zustand auslöste, der sie handlungsunfähig machte. Welche Eigenschaft, Fähigkeit oder Stärke hätte ihre Handlungsfähigkeit erhalten? Unter welchen Einschränkungen litten die jeweiligen Personen, inklusive Täter? Dieser Schritt dient der Informationssammlung. Was für eine Eigenschaft hätte der Täter haben müssen, damit er sich in der Situation entscheidend anders verhalten hätte?
Berater Ihr A hat jetzt die Gelegenheit, das Erlebnis aus verschiedenen Perspektiven wahrzunehmen. Durch diese sogenannte Mehrfachbeschreibung verliert es seinen prägenden Einfluss. Fordern Sie sie auf, als neutrale Beobachterin jede einzelne an dem Erlebnis beteiligte Person zu betrachten. Welche Eigenschaft hat der Person, inklusive dem Täter, gefehlt? Hier geht es nur um Informationssammlung. Ob Ihr A diese Eigenschaft später der Person gibt, entscheidet sie selbst.
Partnerin Während Sie für jeden Beteiligten die Frage beantworten, welche Eigenschaft gefehlt hat, können Sie im Raum um das Erlebnis herumgehen, um aus der Perspektive der jeweiligen Person zu schauen. Sie können sich z.B. hinter die Person stellen. Nehmen Sie dabei einen angemessenen Abstand zu dem Erlebnis und Ihrer Timeline ein. Optional: Wenn Sie möchten, können Sie auch aus den Augen der Person schauen.
Partnerin Nachdem Sie Ihrem Selbst alle Fähigkeiten und Verhaltensweisen gegeben haben, schauen Sie wieder von Ihrer Beobachter-Position auf die Timeline die anderen beteiligten Personen an. Aus einer inneren Stärke heraus können Sie nun einzelnen Personen Ressourcen, Eigenschaften und Fähigkeiten geben, die ihnen ermöglichen, sich in der Situation anders zu verhalten. Prüfen Sie dies für jede einzelne am Erlebnis beteiligte Person. Je mehr Personen von Ihnen Ressourcen erhalten, desto besser. Idealerweise erhalten alle die Fähigkeiten und Eigenschaften, die sie gebraucht hätten, damit das Erlebnis einen anderen Verlauf nimmt.
Hinweis: Dieser Schritt ist umso leichter, je besser Sie Ihr Selbst vorher mit Ressourcen versorgt haben.
Berater Den anderen Ressourcen zu geben, kann sehr ungewohnt sein und ist manchmal mit deutlich sichtbaren Regungen verbunden. Lassen Sie Ihrem A Zeit dabei, aber bestehen Sie darauf, dass sie nicht nur ihrem früheren Selbst, sondern auch möglichst vielen anderen beteiligten Personen. Ihr A kann sich dabei Zeit lassen - während die Veränderungen auf sie wirken. Sorgen Sie dafür, dass sie in einem Zustand der inneren Stärke ist. Ihr A braucht inhaltlich nichts zu erzählen. »Welche Eigenschaft hätte der andere gebraucht, um sich anders zu verhalten? Schau Dir an, wie er/sie sich anders verhält, nachdem Du ihm/ihr diese Eigenschaft gegeben hast. Wie kann das Erlebnis auf diese Weise anders ausgehen? Was bewirkt das für Dein Selbst auf der Timeline?«. Wenn Ihr A den anderen Ressourcen gibt, gibt sie sie in Wirklichkeit sich selbst. Sie soll sich aus der Beobachter-Position heraus ansehen, wie sich ihr Selbst und alle Beteiligten anders verhalten.
Es geht nicht darum, das Erlebnis zu beschönigen, sondern die Beziehung zwischen Ihnen und dem Täter bzw. Beteiligten aufzulösen. Bei prägenden Erlebnissen kann das Gehirn oft nicht vollständig zwischen den eigenen und den Verhaltensweisen anderer unterscheiden. Manchmal haben sich die anderen auch innerlich ›verselbstständigt‹. Daher ist es wichtig auch den anderen Ressourcen zu geben. Indem Sie allen Beteiligten Ressourcen geben, geben Sie diese in Wirklichkeit sich selbst. Das Gehirn kann dann die Beziehung beenden und alle relevanten Aspekte entweder integrieren oder ›endgültig zu den Akten legen‹. Sie verändern dadurch die Prägung des Erlebnisses. Außerdem verschwinden negative Verhaltensweisen, die man sich von dem anderen übernommen hat. Sie gewinnen die Freiheit, die Richtung Ihres Lebens neu zu bestimmen. Und zwar nach Ihren eigenen Wünschen und Werten.
Partnerin Sie haben nun allen beteiligten Personen alle benötigten Ressourcen gegeben. Wenn Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind, steigen Sie wieder in Ihre Timeline und werden eins mit Ihrem Selbst. Gehen Sie nun das Erlebnis aus Ihren eigenen Augen schauend durch und erleben, wie sich alle Beteiligten anders verhalten und das Erlebnis einen anderen Ausgang nimmt. Dann gehen Sie langsam vorwärts auf Ihrer Timeline bis zur Gegenwart. Beobachten Sie, wie diese Veränderung Einfluss auf andere Ereignisse Ihrer persönlichen Geschichte hat. Wie ändert sich die Bedeutung dieser Ereignisse? In der Gegenwart angekommen, bleiben Sie stehen und blicken in Ihre Zukunft. Schauen Sie, wie sich auch hier Veränderungen abzeichnen werden. Auf welche zukünftigen Situationen wird sich das soeben neu Erlebte am meisten auswirken?
Berater Ihr A soll langsam auf ihrer Boden-Timeline bis zur Gegenwart laufen. Dabei ist es in Ordnung, wenn sie zwischendurch bei bestimmten Erlebnissen stehenbleibt. Lassen Sie Ihr Zeit, auch diese Erlebnisse jetzt neu zu bewerten.
Sie werden überrascht sein, wie sehr sich Ihre Sichtweise auf die Vergangenheit und Ihr zukünftiges Leben ändern werden. Rechnen Sie mit spontanen Verhaltensänderungen. Bearbeiten Sie alle Erlebnisse mit negativem, prägendem Einfluss auch in anderen Bereichen Ihres Lebens.

Zusammenfassung

  1. Stellen Sie sich Ihre Timeline auf dem Boden vor und gehen Sie an den Ort, der zeitlich vor dem prägenden Erlebnis liegt.
  2. Treten Sie aus Ihrer Boden-Timeline heraus und betrachten sich selbst und alle anderen beteiligten Personen aus der Beobachter-Position.
  3. Geben Sie Ihrem Selbst alle Ressourcen, die es in dem Erlebnis gebraucht hätte und beobachten Sie die Veränderung des Erlebnisses.
  4. Sammeln Sie Informationen über die Eigenschaften, die alle anderen beteiligten Personen gebraucht hätten.
  5. Geben Sie danach möglichst vielen anderen die Ressourcen, die sie benötigen und beobachten, wie sich die Situation jetzt anders entwickeln kann.
  6. Gehen Sie nun wieder auf Ihre Timeline an die Stelle des Erlebnisses und erleben aus Ihren eigenen Augen, wie sich die Situation anders entwickelt und anfühlt.
  7. Gehen Sie langsam bis in die Gegenwart und erleben den Einfluss dieser Veränderung auf andere Ereignisse.
  8. Auf welche zukünftigen Situationen wird sich dieses neue Erleben auswirken?

Glaubenssätze ändern mit Swish

Zu Beginn des Übungsprogramms hatten wir uns bereits mit Glaubenssätzen beschäftigt und festgestellt, dass nützliche Glaubenssätze die persönliche Veränderung und Weiterentwicklung erleichtern. Jetzt prüfen wir Glaubenssätze, die durch traumatische und andere Erlebnisse entstanden sein können z.B. »Ich kann nie mehr richtig glücklich werden«, »Ich bin nicht liebenswert, unrein, hässlich, etc.«, »Männern kann man nicht trauen«, »Ich kann nicht in einer Beziehung leben«, »Ich kann keinen befriedigenden Sex haben«, etc.
Glaubenssätze sind Aussagen bei denen man sich entschieden hat, sie immer als wahr anzusehen. Das erspart dem Gehirn, sie jedesmal neu überprüfen zu müssen. Wenn Sie als Kind auf eine heiße Herdplatte gefasst haben, bewahrt der Glaubenssatz »Herdplatten sind heiß« Sie davor, es jedesmal neu auszuprobieren. Solche Glaubenssätze erleichtern das Alltagsleben. Da das Gehirn den Wahrheitsgehalt von Glaubenssätzen nicht mehr überprüft, wirken sie als Filter. Beispiel: Manche Töchter von gewalttätigen Vätern glauben alle Männer seien gewalttätig. Allen anderen Männern ›fehlt irgendwas‹. Sie sind ja ›ganz nett‹, aber gelten nicht als ›richtige Männer‹. Da Glaubenssätze sich selbst bestätigen, werden Gegenbeispiele in ihrer Bedeutung oft nicht wahrgenommen. Durch diesen selbsterfüllenden Charakter können sich irrationale oder veraltete Vorstellungen lange halten.
Behalten Sie alle Glaubenssätze, die Ihre persönliche Freiheit erweitern z.B. »Es gibt immer einen Weg das Problem zu lösen«, »Ich kann Menschen finden, die gut für mich sind«, »Ich kann immer dazulernen und meine Fähigkeiten erweitern«. Einschränkende Glaubenssätze hingegen sollten Sie ändern. Sie erkennen Glaubenssätze über sich selbst an Formulierungen wie »Ich bin...«, »Ich kann nicht...«, »Ich muss...«. Glaubenssätze über andere Menschen, das Leben und die Welt erkennen Sie an Wörtern, die auf Verallgemeinerungen hindeuten, wie ›immer‹, ›alle‹, ›jeder‹, etc. Lassen Sie bei der Suche nach einschränkenden Glaubenssätzen irrationale Gedanken zu. Das macht es leichter.
Erstellen Sie eine Liste mit einschränkenden Glaubenssätzen. Entwickeln Sie dann neue, nützliche Glaubenssätze, die Ihre einschränkenden ersetzen sollen. Sie können z.B. die Vorstellungen
  • »Ich bin nicht liebenswert« umwandeln in »Ich kann Menschen finden, die mich als Person mit meinen Qualitäten schätzen«
  • »Ich kann nicht gut lernen« in »Ich kann mich in alle Richtungen entfalten und weiterentwickeln«
  • »Ich bin hässlich« in »Ich kann lernen, meine schönen Seiten zu zeigen«
  • Aus »Männern kann man nicht trauen« wird »Ich kann lernen, zuverlässige, treue und stabile Männer zu finden«
  • »Alle Männer sind schlecht« wird zu »Ich kann lernen, Männer zu finden, die gut für mich sind«
  • »Sex muss weh tun« wird zu »Ich kann lernen, meine sexuellen Wünsche auszudrücken«
  • »Männer üben beim Sex immer Macht aus« wird zu »Ich kann lernen, (beim Sex) auf meine und seine Bedürfnisse zu achten«
Im Kapitel Überprüfung der Einstellung finden Sie im Kasten Checkliste für wirkungsvolle Glaubenssätze Richtlinien, wie Sie Ihre neuen Glaubenssätze gestalten können.
Einige haben die Vorstellung, sie seien schlechte Menschen und hätten es daher verdient, von anderen schlecht behandelt zu werden. Solche Vorstellungen können Sie umwandeln in »Ich kann lernen, mein soziales Umfeld so zu ändern, dass mich meine Freunde und Bekannten wertschätzen und gut für mich sind.« Bauen Sie sich ein neues Glaubenssystem, das nicht nur Ihre vorhandenen Qualitäten unterstützt, sondern auch Ihre Weiterentwicklung fördert.
Die Veränderung von Glaubenssätzen kann Ihnen die ultimative Freiheit geben. Je grundsätzlicher die Glaubensvorstellungen desto stärker die Veränderungen. Grundsätzliche Glaubenssätze sind teilweise so selbstverständlich, dass sie einem nicht sofort auffallen. Was setzen Sie in allen Situationen als wahr voraus? Welche Vorannahmen sind unausgesprochen im Hintergrund? Was ist typisch für Ihr Verhalten? Gibt es einen ›roten Faden‹, der sich durch Ihr Leben zieht? Was würden Ihre Freunde über Sie sagen? Welcher wichtige Faktor bestimmt Ihr Leben? Einschränkende Glaubenssätze sind oft unvernünftig oder irrational. Erlauben Sie sich, auch an solche Sätze zu denken und diese aufzuschreiben.
Zur Veränderung der Glaubenssätze auf Ihrer Liste können Sie die Technik des Meta-Yessing/Meta-Noing aus dem Kapitel Überprüfung der Einstellung einsetzen. Als Alternative hier das Swish-Muster von Richard Bandler:
Partnerin Denken Sie an etwas, an das Sie fest und unerschütterlich glauben, z.B. dass es auch morgen einen neuen Tag geben wird. Wo, in Ihrem Blickfeld, ist das Bild (oder der Film), das Ihnen die Gewissheit gibt, dass es auch morgen einen neuen Tag geben wird. Wo, in Ihren inneren Ohren ist die Stimme, mit der Sie sich das sagen? Ermitteln Sie die Submodalitäten dieses Bildes und der Stimme. An welcher Position ist das Bild? Welche Größe hat es? Ist es eher hell oder eher dunkel? Scharf oder unscharf? Farbig oder schwarz-weiß? Woher kommt die Stimme? Ist sie eher laut oder leise? Eher schnell oder langsam? Welchen Klang hat sie? Hat sie eine bestimmte Richtung?
Partnerin Nehmen Sie nun eine (unwichtige) Sache, an der sie zweifeln, die aber zutreffen könnte, z.B. es könnte morgen regnen. Stellen Sie wieder die Submodalitäten des Bildes, das Ihnen zweifelhaft erscheint, fest. Bestimmen Sie ebenfalls die Charaktistika der Stimme, mit der Sie sich das sagen.
Partnerin Denken Sie nun an die Glaubensverstellung, die Sie ändern möchten. Achten Sie auf das Bild und die Stimme. Dann machen Sie sich ein Bild von der neuen Glaubensverstellung. Das Bild soll Lernen beinhalten und Ihre Wahlmöglichkeiten erweitern. Die dazugehörige Stimme, mit der Sie sich den neuen Glaubenssatz sagen, soll einen angenehmen Klang haben.
Partnerin Nun schieben Sie das Bild des alten Glaubensvorstellung so weit weg, dass es nur noch ein Punkt ist. Dann bringen Sie es an die Position, an der sich das Bild des Zweifels befunden hat. Stellen Sie dieselben Submodalitäten her, wie beim Zweifelsbild. Nun nehmen Sie das Bild der neuen Glaubensvorstellung und schieben es ebenfalls so weit weg, bis es nur noch ein Punkt ist. Dann bringen Sie es in die Position des Bildes der Gewissheit (dass es auch morgen einen neuen Tag geben wird) und stellen es in den Submodalitäten der Gewissheit dar. Es sind insgesamt vier Bewegungen, die alle so schnell ausgeführt werden sollen, wie Sie das Wort ›Swish‹ sagen:

Alte Glaubensvorstellung zu Punkt - ›Swish‹

Punkt zu Zweifel - ›Swish‹

Neue Glaubensvorstellung zu Punkt - ›Swish‹

Punkt zu Gewissheit - ›Swish‹
Einschränkende Glaubenssätze ändern

Abbildung 17.1: Einschränkende Glaubenssätze ändern
Die Geschwindigkeit ist entscheidend: Nur beim ersten Mal dürfen Sie es zur Übung langsamer machen. Wiederholen Sie diesen Schritt aber fünfmal richtig schnell: »Swish - Swish - Swish - Swish« und nochmal: »Swish - Swish - Swish - Swish«, und noch dreimal. Wenn sich die Bilder nicht schnell genug bewegen, können Sie diese in Ihrem inneren Auge an starke Gummibänder befestigen und diese dann ›flitschen‹ lassen. »Swishshsh...« Testen Sie, indem Sie die alte Glaubensvorstellung ansehen. Glauben Sie noch daran? Schauen Sie die neue Glaubensvorstellung an. Ist die neue Glaubensvorstellung überzeugend?
Berater Sie können Ihr A im schnellen Bilder-Verschieben unterstützen, indem Sie sich von Ihr die Position der Bilder im Raum zeigen lassen. Dann können Sie die Bilder mit einer Geste im Raum verschieben und dabei einen kraftvollen Zischlaut machen.
Ändern Sie auf diese Weise (oder mittels Meta-Yessing/Meta-Noing) alle einschränkenden Glaubenssätze, besonders die die durch traumatische Erlebnisse entstanden sind. Auch mit Vorstellungen wie »Ich kann nicht gut lernen«, »Ich bin unmusikalisch«, etc. können Sie auf diese Weise aufräumen. Oder auch mit wenig hilfreichen Kommentaren von Eltern und Lehrern wie »Du bist ungeschickt«, »Mathe ist schwer«, etc. Mit ein wenig Übung kann auch diese Technik in Ihr Verhaltens-Repertoire übergehen.

Entscheidungen neu treffen

Unser Ziel ist es, neben der Trauma-Auflösung, sämtlichen Einfluss bestimmter Erlebnisse aufzuheben. Sie sollen frei und selbstbestimmt die Richtung in Ihrem Leben vorgeben. Nachdem wir in den vorigen Kapiteln einschränkenden Einfluss von Prägungen und Glaubenssätzen beseitigt haben, kommt nun die Überprüfung Ihrer Entscheidungen. Durch die neuen Glaubenssätze aus dem vorigen Kapitel können Sie bei Entscheidungen für Ihr Leben nun aus dem Vollen schöpfen.
Entscheidungen geben in Ihrem Leben eine Richtung vor. Sie sollen Ihr Leben bereichern und Ihre persönliche Weiterentwicklung fördern. Die Entscheidung »Ich werde (trotz allem) ein erfülltes Leben führen«, bereichert Ihr Leben, denn sie hilft Rückschläge überwinden. Das Wort ›trotz‹ im obigen Satz ist natürlich nur ein Anfang: »Ich werde unabhängig von allem ein erfülltes Leben führen«. Dann nehmen Sie als nächstes vielleicht etwas positives für Ihr Leben hinzu: »Ich werde ein erfülltes Leben mit Inhalt/Person(en) X führen«, und dann sagen Sie vielleicht ...
Andere Entscheidungen wirken einschränkend. »Ich halte mich in Zukunft fern von Männern«, halbiert die Anzahl Ihrer möglichen Kontakte. Übernehmen Sie die Schutzfunktion der alten Entscheidungen und bauen daraus eine neue, die Ihnen alle Möglichkeiten offen lässt: »Ich halte mich in Zukunft von gewalttätigen Männern fern«. Ähnlich verwandeln Sie »Ich gehe nie wieder eine Beziehung ein« in »Das nächste Mal muss der Beziehungspartner auch ein wirklich guter Freund sein.« und »Ich vertraue niemandem mehr« in »Ich achte ab jetzt auf Menschen, zu denen ich eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen kann.«
Möglicherweise haben sich durch die Änderung Ihrer Glaubenssätze alle einschränkenden Entscheidungen schon revidiert. Falls noch welche übrig geblieben sein sollten, hier der ›Entscheidungs-Zerstörer‹ von Richard Bandler (aus dem Buch ›Heart of the Mind‹ von Steve und Connirae Andreas):
Partnerin Welche einschränkende Entscheidung möchten Sie ändern? Wie könnte eine angemessene neue Entscheidung aussehen, die Sie stattdessen treffen möchten? Welche Entscheidung gibt Ihnen mehr Handlungsmöglichkeiten im Leben? Entscheiden Sie, in welche Richtung Ihr Leben künftig verlaufen soll. Wovon soll sie weg führen? Wohin möchten Sie stattdessen gehen?
Partnerin Bestimmen Sie das früheste Erlebnis, welches dazu führte, dass Sie die alte einschränkende Entscheidung getroffen haben. Gibt es noch ein früheres? Gehen Sie auf Ihrer Timeline soweit zurück, dass Sie einige Minuten vor dem frühesten Erlebnis stehen. Bei der visuellen Timeline fliegen Sie über dem Erlebnis. Bei der Boden-Timeline stellen Sie sich zeitlich kurz vor das Erlebnis und blicken in Richtung Zukunft.
Partnerin Denken Sie nun an Ihre neue Entscheidung, die Ihr Leben bereichern soll. Machen Sie sich von der neuen Entscheidung ein intensives Bild oder einen intensiven Film - inklusive starkem, gutem Gefühl. Treffen Sie nun diese neue Entscheidung und bauen sie in Ihre Timeline einige Minuten vor dem Erlebnis ein. Schauen Sie, wie sich die Bedeutung des in wenigen Minuten folgenden Erlebnis durch die neue Entscheidung verändert. Schauen Sie, wie sich die folgenden Bilder Ihrer Timeline ebenfalls zu verändern beginnen; so wie Domino-Steine reihenweise umfallen, wenn man den ersten angestoßen hat. Bewegen Sie sich jetzt zügig durch die folgenden Erlebnisse bis zur Gegenwart und beachten, wie sich auch diese durch Ihre neue Entscheidung verändern. Bleiben Sie dabei in Ihrer Timeline. Sobald Sie in der Gegenwart angekommen sind, schauen Sie, wie sich auch die Bilder Ihrer Zukunft ändern. Welche neue Bedeutung gibt diese neue Entscheidung den vergangenen und zukünftigen Erlebnissen? Wie wirkt sich die neue Entscheidung auf Ihr Leben aus? Wie werden Sie sich mit diesem Wissen bei nächster Gelegenheit verhalten? Was werden Sie bei der nächsten Situation anders machen?
Diese Technik können Sie auch in anderen Kontexten auf einschränkende Entscheidungen anwenden. Manche Leute treffen nach schlechten Erfahrungen die Entscheidung »Das mache ich (auch) nie wieder«. Im Laufe des Lebens sammeln sich dann viele Entscheidungen über Dinge an, die man nicht mehr tun möchte. Älterwerden führt so zu immer mehr Einschränkungen. Älterwerden kann aber auch bedeuten, den Erfahrungsschatz Ihres Lebens einzusetzen, und zwar in Verbindung mit kindlicher Neugier und Unbefangenheit! Dann können Sie sich entscheiden, welche Situationen Sie wirklich nicht mehr erleben möchten und bei welchen vielleicht Bedarf für Experimente besteht. Beispiel: Sie besuchen eine schlechte Kunstausstellung und entscheiden dann »Kunst ist nichts für mich«. Besser: »Ich suche mir in Zukunft genauer aus, welche Ausstellung ich besuche«. Wann haben Sie einschränkende Entscheidungen getroffen? Welche neue Entscheidung gibt Ihnen mehr Wahlfreiheit? Welche neue Einstellung wäre hier nützlich?

Die Vergangenheit erneuern

Sie haben nun sämtliche traumatischen Erlebnisse bearbeitet und sich so desensibilisiert, dass keines der Erlebnisse mehr Panik auslöst. Schreckhaftigkeit und Albträume sind genauso erledigt wie Schuldgefühle. Außerdem haben Sie Prägungen, Glaubenssätze und Entscheidungen geprüft und ggf. umgewandelt. Ihr Leben hat jetzt eine neue von Ihnen selbstbestimmte Richtung. Daher können Sie sich erlauben, mit diesem Teil Ihrer Vergangenheit abzuschließen.
Ihre Vergangenheit soll Sie bei der Gestaltung Ihrer Zukunft unterstützen. Dazu nehmen wir die bearbeiteten Trauma-Erlebnisse auf Ihrer Timeline und packen sie ein. Gleichzeitig verstärken wir solche Erlebnisse, die Ihnen bei der neuen Richtung Ihres Lebens nützen.
Sie können bearbeitete Erlebnisse entweder einpacken oder löschen. Wir wollen jedoch die Vergangenheit nicht leugnen und daher nicht einfach alle negativen Erinnerungen löschen. Da Sie sich von den negativen Gefühlen befreit haben, können Sie nun das Wissen aus diesen Erlebnissen nutzen. Es schützt Sie z.B. vor Wiederholung oder hilft, andere Betroffene besser zu verstehen oder zu schützen. Bei 50 nahezu gleichartigen Erlebnissen können Sie aber die meisten löschen. Die meisten Betroffenen entscheiden sich, alle zu behalten und zusammen wegzuschließen. Behalten Sie bei verschiedenen Tätern je ein Erlebnis, auch wenn die Erlebnisse ähnlich oder gleichförmig sind.
Partnerin Schauen Sie sich wieder Ihre Timeline an und lokalisieren ein (bearbeitetes!) Trauma-Erlebnis. Möchten Sie es löschen oder einpacken?

Einpacken: Falten Sie das Bild der Erinnerung und stecken es in einen Briefumschlag, den Sie versiegeln und in ein Etui stecken, welches Sie in eine Kiste stellen, die Sie mit einem dicken Schloß verriegeln. Dann haben Sie es parat, falls Sie es doch noch einmal brauchen. Gleichartige Erlebnisse können Sie alle zusammen in einen Umschlag stecken.

Löschen: Gibt es etwas, das Sie aus dem Erlebnis lernen können? Wohin möchten Sie diesen Lerninhalt plazieren? Nun machen Sie das Erlebnis ganz schwarz, dann gleissend weiß, dann so hell, dass es in tausend Teile explodiert, die dann verglühen. Bitte bedenken Sie, dass die Erinnerung zurückkommen wird, falls sie einen Nutzen hat, den Sie eventuell übersehen haben.

Partnerin Schauen Sie sich nun wieder Ihre Timeline an. Welche kraftvollen, positiven Erinnerungen unterstützen Sie bei Ihren Zielen und Wünschen? Woran erinnern Sie sich gerne? Welche Erinnerungen bestärken Sie darin, Ihre positiven Eigenschaften zu nutzen? Welche Erinnerungen erhöhen Ihre Kreativität und Ihre Energie? Welche Erinnerungen erhöhen Ihre Neugier? Gehen Sie in Ihrer Timeline an diese Stelle und machen die Erinnerung stärker. Machen Sie die das Bild oder den Film größer, die Farben intensiver und geben dem Bild etwas, dass es für Sie bedeutsam macht. Siehe hierzu auch die Übungen zum inneren Erleben. Ändern Sie die Darstellung Ihrer Erinnerungen Ihrer Timeline so, dass an möglichst vielen Stellen in Ihrem Leben bedeutende, kraftvolle Erinnerungen sichtbar sind. Sie können sie zusätzlich mit einem Fähnchen markieren.
Sie merken: Unser Ziel ist nicht nur Sie vom Einfluss negativer Erlebnisse zu befreien, sondern Ihre Vergangenheit so aufzubreiten, dass Sie automatisch in eine wundervolle Zukunft führt. Ihre Vergangenheit soll Sie unterstützen und Ihnen so viele positive Erinnerungen zugänglich machen wie möglich. Sie sollen die starken, positiven Gefühle und die Bedeutung dieser Erinnerungen nutzen, um Ihr Leben für sich und andere zu bereichern. Führen Sie deshalb noch einmal mit dem neuen Wissen die Übung zur Wirkung vergangener Erlebnisse im Kapitel Inneres Erleben durch.
Partnerin Während Sie durch die Landschaft Ihrer Erinnerungen fahren, verstärken Sie die positiven Erinnerungen und distanzieren sich von den negativen. Bei negativen Erinnerungen sehen Sie sich selbst (dissoziiert); bei positiven steigen Sie in das Bild bzw. den Film ein, fühlen erneut die positiven Gefühle. Erfassen Sie die Bedeutung und machen das Erlebnis stärker.
Es ist wichtig, dass Sie sich gut fühlen! Viele Trauma-Betroffene sind zu oft dissoziiert. Selbst bei guten, angenehmen Erlebnissen sehen sie sich selbst und fühlen zu wenig. Dissoziation ist ein natürlicher Schutzmechanismus des Gehirns. Man tritt aus sich selbst heraus, so dass es scheint, als wäre es jemand anderes, dem diese Situation widerfährt. Dies ist gut bei negativen bzw. schmerzhaften Erlebnissen. Während Sie sich einen Dorn aus dem Finger ziehen, können Sie ruhig ans andere Ende des Raumes schweben und das ganze von dort aus der nötigen Distanz betrachten. Das Motto »ich lasse nichts mehr an mich heran« ist gut für negative Erlebnisse. Gute Gefühle sollen Sie aber ganz nah an sich heranlassen und in sich hereinlassen.
Positive Erlebnisse sollen Sie intensiv fühlen und dabei aus den eigenen Augen schauen. Daher hier noch eine Übung zum Wechseln von dissoziierter zu assoziierter Perspektive:
Partnerin Stellen Sie beide Füße flach auf den Boden und atmen tief durch. Nehmen Sie sich ein angenehmes (aber dissoziiertes) Erlebnis und schauen Sie sich das Bild oder den Film genau an. Machen Sie das Bild oder den Film größer, so dass Sie sich lebensgroß sehen. Was können Sie dabei hören? Nun treten Sie von hinten an sich heran. Steigen Sie in Ihr Selbst ein und schauen Sie, wie die Szene aussieht, während Sie aus Ihren eigenen Augen schauen. Sie können auch das Bild greifen und sich damit wie mit einem Kleidungsstück anziehen. Hören Sie, woher die Töne und Sprache kommen. Achten Sie auf Ihr Gefühle. Wo im Körper sind sie am stärksten? Ist es ein für solche Erinnerungen typisches Gefühl? Ist es ein Ziehen, Kribbeln, Wärme, Entspannung? Sind es Wellen, die durch den Körper laufen? Machen Sie das Gefühl stärker und genießen noch einmal dieses angenehme Erlebnis. Achten Sie auf Ihre Atmung. Wird das Gefühl stärker, wenn Sie durch den Mund einatmen und durch die Nase ausatmen? Oder wird es stärker, wenn Sie es genau umgekehrt machen: Durch die Nase einatmen und durch den Mund ausatmen?
Ihr Gehirn lernt, bei angenehmen Erlebnissen automatisch die assoziierte Perspektive zu nutzen. Das macht Ihr Gefühlsleben intensiver. Wiederholen Sie die Übung ein paarmal mit verschiedenen positiven Erlebnissen, bis es ganz leicht und automatisch geht. Sie haben die Wahl wie stark Sie Situationen erleben möchten: Von ganz schwach (dissoziiert) z.B. beim Zahnarzt, bis hin zu starken Gefühlswallungen. Bei positiven Situationen können Sie sich richtig in die Situation reinversetzen und sich mit den guten Gefühlen fluten lassen. Während Sie mit der doppelten Dissoziation eine wirkungsvolle Technik zur Abschwächung von negativen Gefühlen erlernt haben, trainieren wir hier das Verstärken von positiven Gefühlen. Eine positive Ausstrahlung infolge starker Gefühle macht Sie auch erfolgreicher im Umgang mit anderen Menschen.
Partnerin Einige Sexualstörungen bei Männern, wie bei Frauen sind Resultat von mangelnder Assoziation. Die Betroffenen betrachten sich von außen, statt in ihrem Körper zu sein und zu fühlen. Richard Bandler hat einmal gesagt, dass er beim Sex nicht nur in seinem eigenen Körper sein will, sondern auch im Körper von jemand anderem. Bei Zärtlichkeiten kommt es weniger aufs Visualisieren an als aufs Fühlen. Verbringen sie einige Zeit damit, verschiedene Stellen Ihres Körpers zu ertasten. Spüren Sie dabei, welches Gefühl in Ihren Fingern entsteht und welches an der Körperstelle, die Sie gerade berühren. Berühren Sie Ihren Körper auf unterschiedliche Weise und spüren Sie, wie sich das anfühlt. Erzeugen Sie unterschiedliche Gefühle: Druck, Ziehen, Kribbeln, Wellen, Reiben, etc. Wie lange hält das Gefühl nach der eigentlichen Berührung an. Gibt es Berührungen, die länger anhalten als andere? Diese Übung macht mit einem intimen Partner oder einer intimen Partnerin am meisten Spaß! Lassen Sie sich Zeit dabei. Falls Sie sich dabei von außen betrachten und nicht aus Ihren eigenen Augen schauen, wenden Sie die obige Assoziations-Technik an. Verfolgen Sie erst mit Augen die Bewegungen an den Stellen der Berührung und fühlen dann. Seien Sie ganz in Ihrem Körper. Was riechen und schmecken Sie?
Nun ist es Zeit mit der Vergangenheit abzuschließen. Blicken Sie auf Ihre Vergangenheit und sagen: »Dies ist jetzt ein abgeschlossener Teil meiner Lebensgeschichte.« Die Zukunft liegt vor Ihnen. Die folgenden Kapitel beschäftigen sich daher mit Ihrer Gegenwart und Zukunft.

Scham-Gefühle

Steve und Connirae Andreas haben in ihrem Buch ›Heart of the Mind‹ festgestellt, dass Schamgefühle auf einer bestimmten Selbst-Wahrnehmung in Bezug auf andere Menschen basieren. Man macht sich selbst kleiner als die andern und lässt die anderen in einer bedrohlichen Art erstarren. Man fühlt sich buchstäblich angestarrt. Mit Kenntnis der Submodalitäten kehren wir diese Sichtweise und die damit verbundenen Gefühle nun um.
Partnerin Mit Kenntnis der Submodalitäten kehren wir diese Sichtweise und die damit verbundenen Gefühle nun um. Denken Sie an eine Situation, in der Sie sich bisher immer geschämt haben. Machen Sie sich selbst in dem Bild größer und die anderen kleiner. Ändern Sie den Film so, dass die anderen nicht starr sind, sondern sich bewegen. Wie ändert sich dadurch Ihr Gefühl? Wie bewerten Sie jetzt die Situation?
Wann kommt die nächste Situation, in der Sie diese Änderung ausprobieren möchten? Wie ändert sich diese Situation, wenn Sie sich selbst überlebensgroß wahrnehmen und auf die Bewegung der anderen achten?
Scham ist ein Gefühl, das entsteht, weil man glaubt, den Werten oder Vorstellungen anderer Menschen nicht zu entsprechen. Sie können Schamgefühle nur mit Blick auf andere Menschen haben. Mit Blick auf sich selbst sind es eher Schuldgefühle (s. hierzu das Kapitel Schuldgefühle). Nachdem Sie Schamgefühle nun mit dieser Technik auflösen können, fragen Sie sich, ob die Werte oder Vorstellungen dieser anderen Menschen für Sie überhaupt Gültigkeit haben.
Wieder haben Sie eine Technik kennengelernt, mit der Sie in kurzer Zeit problematische Gefühle beeinflussen können. Sie sind Ihren Gefühlen nicht mehr ausgesetzt. Sie haben die Entscheidungsfreiheit sich zu fühlen, wie es für Sie am besten ist. Sie können mit den Submodalitäten experimentieren, beispielsweise den farblichen Grundton ändern und/oder Hintergrundmusik hinzufügen.
Manchmal schämt man sich auch, weil sich andere für einen schämen. In diesem Fall können Sie das Schamgefühl dadurch überwinden, indem Sie die Situation noch einmal durchspielen und sich diesmal die anderen so verhalten lassen, wie Sie es sich damals gewünscht hätten. Wie bewerten Sie dann die Situation?

Beziehungs-Check

Nachdem Sie das Übungsprogramm bis hierher durchgeführt haben, achten Sie in nächster Zeit darauf, wie viele große und kleine Veränderungen Sie feststellen können. Auf diese Veränderungen muss sich auch Ihre Umwelt, besonders Ihr Beziehungspartner, einstellen. Geben Sie Ihrer Umwelt dafür Zeit und Gelegenheit. Erfahrungsgemäß wirken sich die Techniken äußerst positiv auf Freundschafts- und Liebesbeziehungen aus, sofern die Beziehungen zu diesen Menschen ›gesund‹ sind.
Manche Menschen finden sich aber in Beziehungen wieder, die auf einmal ihren Wertvorstellungen und ihren Erwartungen an das (Liebes-)Leben nicht mehr gerecht werden. In solchen Fällen sollten Sie diese Beziehung beenden und sich einen neuen Partner suchen. Dies gilt für alle Beziehungen, die Ihnen Ihre persönliche Weiterentwicklung schwer machen - besonders für autoritäre und gewalttätige Beziehungen!
Geringes Selbstwertgefühl führt zu schlechter Partnerwahl. Man lebt in dem Glauben, man hätte nichts besseres verdient als Menschen, die einen schlecht behandeln. Diesen Glaubenssatz können Sie mit Meta-Yessing/Meta-Noing im Kapitel Überprüfung der Einstellung oder mit der Technik im Kapitel Glaubensvorstellungen ändern verändern.
Die folgende Übung ist für diejenigen gedacht, die in einer belastenden Beziehung leben, deren Bindung ›zu stark‹ ist. Es kann sich dabei um eine Liebesbeziehung, aber auch um eine Beziehung zu Verwandten oder Freunden handeln. Manchmal kann man sich von einem bestimmten Menschen deshalb nicht trennen, weil man im letzten Moment immer wieder Mitleid hat. Man glaubt, er/sie kann ohne Hilfe kein gutes Leben führen. Man fühlt sich für den anderen verantwortlich. Sie können aber nur die Verantworung für Ihr eigenes Leben übernehmen. Dem anderen gegenüber brauchen Sie innere Freiheit. Nach der Übung können Sie mit dieser Freiheit entweder die Beziehung zu dem anderen Menschen umgestalten oder sich trennen. Sie haben dann die Wahl.

Koabhängigkeit beenden

Partnerin Gehen Sie nach innen und schauen Sie sich selbst und den anderen Menschen an. Achten Sie darauf, in welcher Form Ihr Gehirn die Verbindung zu dem anderen Menschen darstellt. Meist handelt es sich bei diesen ›Banden‹ um Seile, Stricke, Fäden, Bänder, etc., die an bestimmten Stellen am eigenen Körper und an dem des anderen befestigt sind.
Partnerin Welchen Vorteil hat diese Verbindung für Sie? Wie können Sie diesen Vorteil, falls vorhanden, anderweitig sicherstellen? Erfüllt diese Verbindung einen Zweck? Was geben Sie in der Verbindung? Was bekommen Sie? Was möchten Sie geben, was möchten Sie erhalten?
Partnerin Erzeugen Sie ein Bild oder einen Film Ihres idealen Selbsts, das Ihre Werte und Ziele erfüllt, und schauen Sie es sich genau an. Das Bild oder der Film Ihres idealen Selbsts sollte Unabhängigkeit und Verantwortung für sich selbst beinhalten und die Fähigkeit ›gesunde‹ Beziehungen zu anderen Menschen zu haben. Welche Eigenschaften sollte Ihr ideales Selbst noch haben? Stellen Sie sich jede dieser Eigenschaften an einem konkreten Beispiel vor und fügen diese zu dem Bild Ihres idealen Selbsts hinzu. Sie können z.B. Ihr ideales Selbst neue Verhaltensweisen ausführen lassen. Die neuen Eigenschaften und die geänderte Einstellung können im Gesichtsausdruck Ihres idealen Selbsts erkennbar sein. Sobald Sie ein richtig gutes Bild Ihres idealen Selbsts haben, trennen Sie die Fäden, Seile, o.ä. vom Körper des anderen und knüpfen sie neu an Ihr ideales Selbst. Sie sollen mit Ihrem idealen Selbst möglichst an den gleichen Körperstellen verbunden sein. Spüren Sie den befreienden und stärkenden Eindruck, den das Neuverbinden der Fäden, Seile, o.ä. mit Ihrem idealen Selbst hat. Lassen Sie die neuen Gefühle ein paar Minuten auf sich wirken.
Partnerin Erzeugen Sie nun für den anderen Menschen ebenfalls ein Bild des für ihn idealen Selbst. Was braucht sein ideales Selbst? Verbinden sie ihn an den gleichen Körperstellen mit seinem idealen Selbst. Das ideale Selbst des anderen Menschen sollte beinhalten, dass dieser fähig ist, für sich selbst die Verantwortung zu übernehmen.
Partnerin Lassen Sie das neue Bild, in dem jeder mit seinem idealen Selbst verbunden ist, auf sich wirken. Wie ändert sich mit diesen neuen Verbindungen Ihre Beziehung zu diesem Menschen? Fühlen Sie, welche Wirkung Ihre Verbindung zu Ihrem idealen Selbst hat. Bemerken Sie, wie auch der andere die Möglichkeit hat, seinen eigenen Idealen nachzugehen. Wie wird sich in Zukunft, bei nächster Gelegenheit Ihre Reaktion auf den anderen Menschen ändern? Wie werden Sie reagieren, wenn er seine ›typische Masche‹ einsetzt? Wie ändert sich die Bedeutung der Beziehung für Sie?
Koabhängigkeit beenden

Abbildung 16.1: Koabhängigkeit beenden
Die Technik zur Beseitigung von Koabhängigkeit können Sie natürlich auch bezüglich anderer Personen anwenden, bei denen Sie sich mehr Freiheit im Umgang wünschen, wie z.B. Eltern und Verwandte.
In guten Beziehungen gibt es weder Gewalt, noch Drogen- oder Alkoholprobleme. Dies sind derart schwerwiegende Missstände, dass hier eine Trennung dringend angeraten ist. Jemand, der zu Gewalttätigkeit oder Alkohol- bzw. Drogenabhängigkeit neigt, braucht psychologisches Fachbetreuung. Als Beziehungspartner sind Sie viel zu vorbelastet, um solchen Menschen wirksam helfen zu können.
In guten Beziehungen sind die Partner in erster Linie miteinander befreundet. Sie vertrauen sich gegenseitig, drücken ihre Bedürfnisse aus und akzeptieren die Grenzen des anderen. Statt Eifersucht und anderer Dramen lassen sich die Partner ihre persönliche Freiheit und fördern den anderen in seiner persönlichen Entwicklung. Gute Beziehungspartner teilen gemeinsames Erleben.

Mindestanforderungen für guten Sex:

  • nichts vorspielen
  • nicht bedrängen, nicht überreden
  • sich nicht verpflichtet fühlen
  • der Partner muss gut riechen
  • es langsam angehen lassen
  • nach den Wünschen des anderen fragen und selbst Wünsche äußern
  • auf die Wünsche des anderen reagieren
  • einfühlsam sein
  • es soll sich gut anfühlen und Spaß machen!
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»Sex macht umso mehr Spaß, je öfter man es mit demselben Partner macht!« (Richard Bandler).
Manchmal gibt es Personen, die regelmäßig die Grenzen anderer überschreiten. Wenn Sie sichergestellt haben, dass keine Koabhängigkeit zu diesen Personen besteht (s. vorige Übung), können Sie sich so solchen Personen gegenüber abgrenzen:

Abgrenzungs-Strategie

Partnerin Machen Sie sich ein Bild der Person, von der Sie sich besser abgrenzen möchten. Nehmen Sie einen ausreichenden Abstand zu dem Bild ein. Nun bauen Sie einen in Ihrem Bild sichtbaren ›Schutzschild‹ auf, der sie vor Übergriffen dieser Person schützt und gleichzeitig erlaubt, die Person im Auge zu behalten und zu hören (wie z.B. bei einem Schild aus Sicherheitsglas). Nehmen Sie wahr, wie die Dinge, vor denen Sie sich abgrenzen möchten, wie Wasser gegen den Schild klatschen und zu Boden tropfen. Manche Menschen können sich im Auto vor anderen abgegrenzen. Ein Auto ist ein rundum geschlossener Raum mit Fenstern in alle Richtungen. Bei Bedarf kann man ein Fenster herunterkurbeln, um zu hören was draußen vor sich geht. Sie können auch Leute zu sich ins Auto holen. Andere Menschen stellen sich lieber einen Turm vor. Sie können dann von oben auf die Person(en) herunterschauen und ggf. hören, was gesprochen wird. Falls Sie jemand hereinlassen wollen, haben Sie vielleicht eine Strickleiter.
Partnerin Prüfen Sie nun mit diesem Bild der Abgrenzung, welche Stärken und Fähigkeiten Sie brauchen, um passend auf diese Person reagieren zu können. Stellen Sie diese (z.B. als Symbol) neben sich, heften sie an den Schild oder nehmen Sie mit ins Auto oder in den Turm. Nehmen Sie jetzt auch die Grenze der anderen Person wahr. Wie stellt sich diese Grenze in dem Bild von der anderen Person dar?
Partnerin Wenn Sie an einer dauerhaften Beziehung zu der Person interessiert sind, beantworten Sie zusätzlich folgende Fragen:
  • Haben Sie und die andere Person ein gemeinsames Ziel?
  • Welchen Wunsch haben Sie gegenüber dieser Person?
  • Kennt die Person diesen Wunsch?
  • Kann die andere Person diesen Wunsch erfüllen?
  • Versteht die Person Ihren Wunsch? Wie müssen Sie den Wunsch äußern, damit die Person überhaupt in der Lage oder bereit ist, diesen Wunsch zu erfüllen? Müssen Sie ihr eventuell den Wunsch oder Ihre Absicht genauer erklären?
  • Hat die Person vielleicht auch einen Wunsch an Sie, dessen Erfüllung dazu führen würde, dass auch Ihr Wunsch erfüllt wird?
  • Welche positive Absicht verfolgt die Person Ihnen gegenüber?
  • Welche neue Einstellung ergibt sich daraus nun der Person gegenüber?
  • Welche Verhaltensweise Ihrerseits kann die Person in Zukunft dazu bringen, sich Ihnen gegenüber besser zu verhalten? Müssen Sie ihr z.B. einen dezenten Hinweis geben?
Sie selbst sollten mit den Antworten auf die Fragen zu 100% zufrieden sein. Ein dauerhaft gutes Verhältnis zu der Person setzt voraus, dass diese (in Ihrer Vorstellung) mit den Antworten ebenfalls hundertprozentig zufrieden aussieht.
Berater Ihre Aufgabe besteht darin, Ihrem A die obigen Fragen zu stellen und dabei darauf zu achten, dass sie mit den Antworten zufrieden d.h. mit sich selbst im Reinen ist. Falls Ihr A an einer guten Beziehung zu der anderen Person interessiert ist, sollte diese Person in ihrer Vorstellung ebenfalls zufrieden aussehen. Achten Sie darauf, dass Ihr A nicht ›schummelt‹. Die Antworten müssen für beide Parteien zufriedenstellend sein, sonst wird die andere Person ihre eigenen Stärken einsetzen, um den alten Zustand wiederherzustellen. Das System hat ja bisher so gut funktioniert, dass es stabil war.
Üben Sie die Schutzschild-Technik an ein paar Beispielen. Dann können Sie in Zukunft Ihren Schild innerhalb von Sekundenbruchteilen nutzen und Ihre Interessen in Situationen vertreten, in denen jemand versucht Ihre Grenzen zu überschreiten. In welcher Situation werden Sie ihn das erste Mal nutzen? Die Fragen bezüglich des Wünschens dienen zur Klärung von Konflikten in dauerhaften, auf Gleichberechtigung beruhenden Beziehungen. Sie kommen aus der von Thies Stahls entwickelten Technik der ›Schule des Wünschens‹ - einer Methode zum Konfliktmanagement.
Hinweis: In einigen Fällen reicht die Abgrenzungstrategie nicht aus. Prüfen Sie dann, ob Sie z.B. lieber einen Glaubenssatz ändern sollten z.B. »Ich bin der Person ausgeliefert«. Manchmal erinnert diese Person an andere Menschen aus der Vergangenheit. Hier können sie die Re-Imprint-Technik mit dem Schlüsselerlebnis der Person aus der Vergangenheit durchführen.

Magische Eltern

Sollten Sie als Kind Prügelstrafen oder andere üble Dinge erlebt haben, können Sie diese mit der Technik im Trauma-Auflösungskapitel bearbeiten. Lassen Sie den Film einmal vorwärts laufen und dann ca. fünfmal schnell rückwärts.
Sollten Sie sich dabei ertappen, wie Sie die gleichen negativen Verhaltensweisen an den Tag legen, die Sie an Ihren Eltern kritisieren, können Sie die Re-Imprint Technik auf diejenigen Erlebnisse anwenden, bei denen Ihre Eltern Sie so behandelt haben. Mit diesen beiden Techniken können Sie Ihre gesamte persönliche Geschichte aufarbeiten und sich somit von belastenden Erinnerungen und negativen Prägungen befreien.
Viele Menschen wünschen sich als Erwachsene, dass ihre Eltern sie als Kind besser behandelt hätten und ihre Bedürfnisse besser erfüllt hätten. Michael Hall & Barbara Belnap beschreiben hierfür in ihrem Buch ›The Sourcebook of Magic‹ eine Technik von Sally Chamberlaine und Jan Prince, mit der man sich magische Eltern aufbauen kann. Diese können dann nachträglich solche Bedürfnisse erfüllen und damit zur persönlichen Entwicklung beitragen.
Partnerin
  1. Listen Sie Ihre Bedürfnisse auf, die als Kind nicht erfüllt wurden.
  2. Listen Sie dann die Qualitäten auf, die Ihre Eltern gebraucht hätten, um diese Bedürfnisse zu erfüllen.
  3. Bauen Sie sich im Geiste Eltern auf, die diese Qualitäten haben. Nutzen Sie dabei Vorbilder aus Ihrem Leben.
  4. Sobald Sie das Bild oder den Film Ihrer magischen Eltern vervollständigt haben und und genau vor sich sehen, ankern Sie es, indem Sie sich an einer bestimmten Körperstelle berühren. Testen Sie den Anker, indem Sie kurz an etwas anderes denken. Wenn Sie dann die Körperstelle wieder berühren, sollten Ihnen Ihre neuen, magischen Eltern wieder voll präsent sein.
  5. Nun gehen Sie auf Ihrer Timeline alle Erlebnisse von Ihrer Geburt an durch, bei denen Ihre magischen Eltern diese Bedürfnisse erfüllen sollen. Halten Sie den Anker und schauen sich an, wie Ihre magischen Eltern diese Bedürfnisse erfüllen. Wie reagiert Ihr jüngeres Selbst darauf? Welche Eigenschaften werden in Ihrem jüngeren Selbst dadurch gefördert? Wie ändert sich das jeweilige Erlebnis und die nachfolgenden Bilder und Erlebnisse? Sie werden feststellen, dass die Qualitäten Ihrer magischen Eltern auch auf Sie als Kind d.h. auf Ihr jüngeres Selbst, übergehen.
  6. Lassen Sie Ihre magischen Eltern mit Ihren normalen Eltern Frieden schliessen. Sie können sich z.B. die Hand geben. Stellen Sie sich dabei vor, wie jedes Elternpaar die Stärken des anderen akzeptiert. Ihre magischen Eltern stehen Ihnen ab heute zur Verfügung. Wie wird Ihre Zukunft mit diesen neuen Qualitäten aussehen? Was wird sich in Ihren zukünftigen Erfahrungen ändern? Wie werden Sie sich Bedürfnisse erfüllen, die in Zukunft auftreten?
Berater Achten Sie darauf, dass Ihr A den Schritt, bei dem die magischen Eltern mit den normalen Eltern Frieden schliessen, nicht überspringt. Es sollte ein Frieden zur Zufriedenheit aller Seiten sein. Dies stellt nämlich die Dauerhaftigkeit der Veränderung sicher.

Ausblick

Wir sind nun am Ende des Übungsprogramms angekommen. Sie haben hierbei Techniken zur Überprüfung der Einstellung, zur Änderung Ihres inneren Erlebens, zur doppelten Dissoziation und Trauma-Auflösung erlernt. Sie können Schuldgefühle und Prägungen umwandeln sowie einschränkende Glaubenssätze und Entscheidungen verändern. Außerdem können Sie Ihre persönliche Vergangenheit so gestalten, dass Sie Ihnen nützt. Hierzu kennen Sie nun Methoden vergangene Erlebnisse einzupacken oder zu löschen und Techniken, die positiven Erlebnisse Ihrer Vergangenheit so aufzubreiten, dass sie Ihnen maximalen Nutzen bringen. Weiterhin kennen Sie eine Technik zur Bearbeitung von Schamgefühlen und zur Abgrenzung und eine zur Aufhebung von Koabhängigkeit in Beziehungen. Die Wirkung Ihrer Eltern konnten Sie ebenfalls bei Bedarf mit Hilfe Ihrer magischen Eltern umgestalten. Mit diesen Übungen haben Sie jede Menge großer und kleiner Veränderungen bewirkt.
Wir hoffen, wir haben Ihnen nicht nur verschiedene Techniken vermittelt, sondern auch das Wissen, dass Sie Ihrem inneren Erleben nicht hilflos ausgesetzt sind. Sie können die Gestaltung Ihres (Er-)Lebens selbst in die Hand nehmen. Und Sie können auch in anderen Kontexten auf die vorangegangen Kapitel zurückgreifen. Hier noch einige Beispiele für die kleinen Dinge im Alltag:
  • Lassen Sie das Bild Ihres ›übermächtigen‹ Chefs schrumpfen
  • verwandeln Sie eine kritische Stimme in die von Mickey Mouse
  • dissoziieren Sie sich im Zahnarzt-Stuhl
  • lassen Sie bei kleinen Unfällen den Film rückwärts laufen
  • nutzen Sie Ihren Power-Anker, wenn schlechte Laune zu lange anhält
  • erleben Sie die nette Party aus den eigenen Augen
  • ein Lächeln bewirkt Wunder
  • gehen Sie von sich ein bisschen gut fühlen zu intensivem großartig-fühlen über
  • lassen Sie das gute Gefühl sich im Körper ausbreiten
  • schalten Sie schneller zwischen verschiedenen Stimmungen um
  • gehen Sie bei Schuldgefühlen zeitlich vor das Erlebnis
Nehmen Sie zukünftige Situationen mit diesem Wissen und diesen Fähigkeiten viel gelassener. Mit einem Lächeln kann man übrigens auch viel bessere Entscheidungen treffen, als wenn man sich schlecht fühlt.
Ehemalig Traumatisierte tragen ein großes Potential in sich. Sie wurden mit Ihrer Angst konfrontiert und haben sie überwunden. Sie haben eine Krise erfolgreich bewältigt und gehen daraus als stärkere Persönlichkeit hervor. Das Trauma hatte sehr viel Energie und Ressourcen gebunden, die die Ihnen jetzt für andere Dinge zur Verfügung stehen. Typischerweise erleben die Betroffenen, wie sich Ihre Energie von Tag zu Tag steigert, ebenso das Interesse für andere Menschen und Sachgebiete. An die Stelle von Angst tritt das Gefühl der Neugier. Dadurch wird vieles im Alltag einen anderen Stellenwert einnehmen. Was möchten Sie in Zukunft mit dieser neugewonnenen Zeit, Energie und Freiheit anfangen? Es ist wichtig, dass Sie sich diese Frage möglichst konkret beantworten. Von unseren Testpersonen fingen einige z.B. eine Ausbildung oder einen neuen Job an, andere engagierten sich für einen guten Zweck oder begannen ein neues Hobby. Manche erweiterten ihren Freundeskreis und/oder ihre Kommunikationsfähigkeiten. Und Sie?

NLP Zieldefinitionen

Die Beantwortung der folgenden Fragen hilft zu klären, was Sie mit der neugewonnenen Zeit und Energie anfangen wollen: \hspace*{0pt}\\
  • Was möchten Sie für ein Ziel erreichen? Beinhaltet Ihr Ziel konkrete Verhaltensweisen?
  • Können Sie Ihr Ziel unabhängig von anderen aufrecht erhalten?
  • Wann und wo realisieren Sie zum ersten Mal, dass Sie Ihr Ziel (oder einen Teil davon) erreicht haben
  • Woran können Sie erkennen, dass Sie es erreicht haben?
  • Was werden Sie dann sehen, hören und fühlen (und schmecken und riechen)?
  • Für welchen Kontext gilt das Ziel? Wann (eventuell konkreter Termin), wo, mit wem?
  • Welche Fähigkeiten / Ressourcen brauchen Sie für Ihr Ziel (mindestens 5 nennen)
  • Wenn Sie ein neues Verhalten zum Ziel haben: Wie genau werden Sie sich verhalten, wenn das Ziel erreicht ist? Wann werden Sie sich wem gegenüber wie verhalten?
  • Wenn Sie eine Verhaltensweise abstellen möchten: Wann und wo möchten Sie das alte Verhalten doch noch einsetzen? Was für eine Funktion hatte es?
  • Welche Nachteile könnte es haben, das Ziel zu erreichen? Sind Sie bereit, zur Erreichung des Ziels die Konsequenzen zu tragen bzw. den Preis zu zahlen?
  • Wenn Ihr Ziel ein neues Verhalten ist: Nennen Sie drei Situationen, in denen Sie das alte Verhalten behalten möchten.
  • Passt das Ziel zu Ihnen? Gibt es Einwände? Falls ja, wie können Sie das Ziel so ändern, dass alle Einwände berücksichtigt sind?
  • Hat Ihr Ziel eventuell negative Konsequenzen? Falls ja, wie können Sie das Ziel ändern, dass diese Konsequenzen nicht auftreten?
  • Woran werden Sie erkennen, dass es jetzt Zeit ist, das Ziel zu verfolgen? Welche Anzeichen können Sie sehen, hören, fühlen?
  • Woran werden Sie erkennen, falls das alte Verhalten nötig ist?
  • Wann wird es in Zukunft das erste Mal eine Gelegenheit geben, das Ziel zu verfolgen? Woran können Sie dies mit Ihren Sinnen wahrnehmen?
  • Setzen Sie dann Ihre Fähigkeiten und Stärke ein!
\hspace*{0pt}\\ Diese Zieldefinitionen sind übrigens der von Thies Stahl (s. NLP-Anlaufstellen) entwickelten Penetrance-Technik entlehnt. Auch wenn Sie viele Fragen noch nicht konkret beantworten können, seien Sie neugierig und probieren neue Dinge einfach mal aus! Neugier ist nach Bandler das Gegenteil von Angst.
Hinweis: Für Außenstehende sind Schilderungen von traumatischen Erlebnissen eine große Belastung. Seien Sie daher vorsichtig, falls Sie von Ihrem Erlebnis bzw. Ihren Erlebnissen erzählen. Für viele sind Erzählungen über diese Erlebnisse unfassbar. Sie stempeln einen eventuell sogar zum ›Opfer‹ ab. Selbst einige Fachleute glauben immer noch nicht, dass man Trauma überwinden kann. Wir hören öfter Einwände in der Art »Schön, dass Dir die Techniken geholfen haben, aber solch ein Trauma muss doch Folgen haben.« Oder: »Es scheint nur so, als hätte es geholfen, aber in Wirklichkeit ist es unheilbar.« Lassen Sie sich von anderen keine Probleme einreden. Egal, was andere behaupten: Sie selbst werden am besten wissen, wie gut die Techniken funktionieren. Geben Sie den anderen Zeit und Gelegenheit sich auf Ihre Veränderungen einzustellen.
Empfehlen Sie dieses Buch einer oder einem Trauma-Betroffenen. Besonders Menschen, die aktiv keine Hilfe suchen würden. Nachdem Sie selbst die Wirkung aus erster Hand erfahren haben, sind Sie als B natürlich eine ideale Beraterin bzw. ein Berater. Sie können die Betroffene optimal durch die Übungen leiten.
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Was kann man mit NLP noch alles machen?

Die meisten halten NLP für eine Therapiemethode. Es ist aber eigentlich eine Technologie zum Modellieren von Verhaltensweisen. Bandler und Grinder nutzten NLP zuerst, um ein Modell der Verhaltensweisen effektiver Therapeuten zu entwickeln. Sie machten dann dieses Modell für andere erlernbar. Daher der therapeutische Schwerpunkt im NLP. Man kann NLP aber auch in anderen Bereichen nutzen. Robert Dilts analysierte mittels NLP z.B. Denkstrategien bedeutender Genies wie Albert Einstein. Viele sogenannte Begabungen sind nämlich in Wirklichkeit bestimmte, erlernbare Denkstrategien. Ein Genie, d.h. ein begabter Mensch, beginnt auf einem neuen Gebiet genauso unwissend wie alle anderen. Er lernt aber durch effektivere Denkstrategien überdurchschnittlich schnell und erziehlt dann bessere Ergebnisse. NLP ist also nicht nur dafür da, psychische Probleme zu ›heilen‹, sondern auch um Dinge, die man bereits gut kann, weiter zu verbessern.

NLP ist eine kunstvolle Form der Kommunikation. Es wird nicht nur zu Therapiezwecken eingesetzt, sondern auch im Marketing und Management, sowie in beratenden Tätigkeiten, wie Coaching und Unternehmensberatung, bei persönlicher Weiterentwicklung, im Sport, beim Militär, bei zwischenmenschlichen Beziehungen, bei Verhandlungen und in der Medizin, etc.

Ziel des NLP ist die Verhaltensmöglichkeiten und persönliche Freiheit der Menschen zu erweitern. Vielleicht sind Sie ja von NLP ebenso begeistert wie wir. Dann sind die im Anhang angegebenen Bücher etwas für Sie. Vielleicht möchten Sie ein NLP-Training besuchen. Dies war für uns eine sehr beeindruckende Erfahrung. Hierzu die Liste der NLP-Anlaufstellen im Anhang.

Lassen Sie sich von den enormen Fähigkeiten Ihres Gehirns auch in Zukunft angenehm überraschen!

D Neue Identität

Die Identität aktualisieren

Die bisher vorgestellten Techniken bewirken vor allem Veränderungen auf der Ebene der Verhaltensweisen und Bewusstseinszuständen, sowie auf der Ebene der Werte und Glaubenssätze. Bei vielen bewirken einige der Techniken auch Veränderungen auf der Identitätsebens d.h. der Ebene bei der es um die Frage geht »Wer bin ich?«.
Robert Dilts hat kürzlich in Zusammenarbeit mit Stephen Gilligan eine weitere Reihe von Techniken entwickelt, die speziell auf Veränderungen auf Identitätsebene und spiritueller Ebene abzielen. Sie sind in seinem Buch ›Professionelles Coaching mit NLP‹ beschrieben.
Die Anwendung der folgenden Technik setzt voraus, dass Sie das Übungsprogramm in Teil 2 durchgeführen haben. Ohne vollständige Desensibilisierung von dem oder den Trauma-Erlebnissen führt die Technik nur zu einem Wiedererleben der Panik. Außerdem sollten Sie mögliche Begleiterscheinungen mit den Techniken aus Teil 3 umgewandelt haben. Dadurch erhalten Sie größere Freiheit bei der Definition Ihrer aktualisierten Identität. Lassen Sie die vorangegangenen Veränderungen auch durch ein paar Wochen Alltagsleben auf sich wirken, bevor Sie mit der folgenden Übung weitermachen.
Sie müssen diese Übung nicht machen. Die Trauma-Überwindung funktioniert auch ohne. Wir legen sie aber besonders denjenigen ans Herz, die sich (teilweise) über das Trauma definieren. Sätze wie »Ich bin ein Trauma-Opfer«, »Ich bin eine Trauma-Überlebende«, »Ich bin als Mensch durch die Trauma-Erlebnisse grundsätzlich benachteiligt«, etc. könnten Anhaltspunkte dafür sein, dass das Trauma-Erlebnis Einfluss auf die eigene Identität hatte. Eine unserer Testpersonen kam nach langer Zeit glücklichen Lebens zu uns und fragte »Ich habe seit der Trauma-Überwindung so viel in meinem Leben erreicht, wie ich vorher nie für möglich gehalten hätte. Wie weit kann ich es denn trotz der Trauma-Vergangenheit bringen?«. Das Wort ›trotz‹ war für uns ein klarer Hinweis, mit ihr die Übung zur Aktualisierung ihrer Identität durchzuführen.
Stephen Gilligan beschreibt die Folgen von Traumatisierung auf seine poetische Art so: Traumatisierten Menschen wurde die ›zweite Haut‹ weggerissen, sie haben kein ›spirituelles Immunsystem‹. Sie können nicht unterscheiden zwischen ›sichtbar‹ und ›entblößt‹. Wenn andere auf sie schauen, fühlen sie sich ›roh‹. Sie unternehmen alles, um die Aufmerksamkeit anderer abzulenken. Es ist schwierig für sie, sich ›sichtbar‹ zu machen und zu sagen »Hier: Sieh auf meine Identität, hier ist meine Wahrheit. Hier sind meine Bedürfnisse.« Trifft diese Beschreibung auf Sie zu? Dann machen Sie folgende Übung.
Partnerin Denken Sie noch einmal an das Trauma-Erlebnis (bei mehreren an das wichtigste). Identifizieren Sie auf dem Fußboden eine Stelle für dieses Erlebnis. Gehen Sie nun an diese Stelle und nehmen Kontakt mit dem Erlebnis auf. Treten Sie einen Schritt zurück aus dem Erlebnis heraus, so dass Sie sich entscheiden können in ein beliebiges anderes Erlebnis Ihrer Lebens zu gehen. Treten Sie nun noch einen weiteren Schritt zurück, so dass Sie Ihr gesamtes Leben im Überblick haben, an einen Platz, an dem Sie sich und andere Menschen und Identitäten im Überblick wahrnehmen können. An dieser Stelle können Sie sich entscheiden, eine beliebige Identität anzunehmen.
Partnerin Welche Identität wäre in der Lage, dass Trauma-Erlebnis nicht nur unbeschadet zu überstehen, sondern begünstigt auch Ihre Wünsche und Ziele in der Zukunft? Diese Identität kann ein anderer Mensch sein. Es kann auch eine bekannte große Persönlichkeit sein, wie der Dalai Lama. Es kann aber auch ein Tier oder eine Pflanze sein, oder eine Landschaft oder ein Berg, ein Wald oder ein Fluß oder das Meer. Das Meer kann zum Beispiel eine Naturkatastrophe, wie einen Meteroiten-Einschlag oder einen Vulkanausbruch überstehen und danach wieder Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten. Überlegen Sie sich, welche Identität das Trauma-Erlebnis überstehen und Ihre Wünsche und Ziele realisieren könnte. Bitte nehmen Sie keine Identität, die das Erlebnis verhindert hätte, wie z.B. eine Mauer und auch keine, die den Täter vernichtet hätte, wie z.B. ein Krieger. Falls Ihnen nur Identitäten einfallen, die bewirken, dass das Erlebnis gar nicht stattfindet, haben Sie sich vielleicht noch nicht genug Zeit zwischen den Übungen in Teil 2 und 3 gelassen oder noch ein Trauma nicht aufgelöst.
Berater Helfen Sie Ihrem A bei der Auswahl der geeigneten Identität. Machen Sie Vorschläge von Personen, Tieren, Landschaften, etc., die Ihnen beiden bekannt sind. Michael Hall untersuchte, was die Menschen gemeinsam haben, die Trauma unbeschadet überstanden haben. Alle hatten eine Eigenschaft gemeinsam, die im englischen ›resilience‹ genannt wird. Eine Art Elastizität »Was auch immer geschieht, ich stehe wieder auf und gewinne wieder die ursprüngliche Form.« Das Meeer oder ein Wald können große Katastrophen verkraften und geben außerdem vielen Lebenwesen Heimat und Lebensraum. Unterstützen Sie Ihr A bei der Auswahl einer geeigneten Identität. Sie helfen ihr, wenn Sie Ihr dabei zeigen, dass Sie fest an sie als Person glauben.
Berater Stellen Sie sicher, dass Ihr A durch die zwei Schritte weg vom Erlebnis nicht nur den nötigen Abstand hat, sondern sich auch auf einer logischen Ebene befindet, die erlaubt eine andere Identität anzunehmen. »Wer Du bist, ist auf dieser Ebene nicht entscheidend. Wichtig ist, dass Du auf dieser Ebene jede Identität annehmen kannst.«, »Du befindest Dich vielleicht in der Kostümsammlung eines großen Theaters und kannst in all die Personen schlüpfen, deren Kostume hier aufgestellt sind.«
Partnerin Identifizieren Sie auf dem Boden nun eine Stelle, an der Sie diese Identität annehmen können und gehen an dieser Stelle in die Identität hinein. Fühlen Sie wie sich diese Identität anfühlt, schauen Sie wie die Welt aus den Augen dieser Identität aussieht, hören Sie mit den Ohren dieser Identität. Seien sie diese Identität.
Berater Ihr A soll mit dem letzten Schritt auf die Stelle dieser Identität ganz in diese hineingehen. Dabei können Sie beobachten, wie sich ihre Gesichtszüge verändern. Je deutlicher die Änderung, desto stärker hat sie die Identität angenommen.
Partnerin Sobald Sie diese Identität am stärksten fühlen, erfinden Sie ein Symbol, das diese Identität treffend beschreibt. Sie können in Ihrem eigenen Leben nicht diese Identität sein, aber sie können die Essenz, also das Wesen dieser Identität, mit Ihrem Symbol festhalten. Sie können auch ein Code-Wort verwenden oder eine Skizze. Wichtig ist, dass Sie nichts gegenständliches nehmen, sondern etwas abstrakteres, d.h. ein Symbol, das diese Identität für Sie vollständig beschreibt. Die Piktogramme an Ihrer Waschmaschine symbolisieren z.B. verschiedene Sorten Kleidung. Das Symbol soll für alle wichtigen Eigenschaften dieser Identität stehen.
Partnerin Halten sie nun dieses Symbol fest und gehen wieder in die Position, in der Sie Ihr Leben im Überblick sehen können. Treten sie nun mit dem Symbol wieder in Ihr Leben ein und dann in das Trauma-Erlebnis. Halten Sie das Symbol. Lassen Sie es auf sich wirken und erleben nun dieses Erlebnis mit dem Wesen der dazugehörigen Identität neu. Nehmen Sie das Symbol in sich auf. Spüren Sie auch in Ihrem Körper die damit verbundenen Veränderungen. Lassen Sie das Symbol mit Ihrem Atem Ihren gesamten Körper durchdringen.
Partnerin Dann treten Sie wieder einen Schritt zurück aus dem Erlebnis heraus an die Stelle, an der Sie sich entscheiden können, in ein anderes Erlebnis zu gehen. Gibt es noch ein Erlebnis, in das Sie mit verinnerlichtem Symbol für diese Identität noch einmal hineingehen möchten? Sie können soviele Erlebnisse durchgehen, wie Sie möchten. Sie können auch Ihre Timeline von der Geburt bis zur Gegenwart mit diesem Symbol durchgehen und Ihre aktualisierte Identität wahrnehmen. In der Gegenwart angekommen, schauen Sie sich dann an, welche Auswirkungen das auf Ihre Zukunft hat.
Diese Übung können Sie gerne mehrfach wiederholen. Sollten Ihnen später andere Erlebnisse einfallen, können Sie auch in diese mit dem Symbol hineingehen und sie neu erleben. Für andere Erlebnisse können Sie auch andere Identitäten und Symbole nutzen.

E Anhang

Psychotische Symptome

Selbst bei Betroffenen mit schweren psychotischen Symptomen erweist sich das vorliegende Übungsprogramm nach unseren Erfahrungen als außerordentlich erfolgreich. Menschen mit psychotischen Symptomen werden oft in Kliniken abgeschoben, da sich niemand so recht kompetent fühlt zu helfen. Die Behandlung in Kliniken kann sehr langwierig sein. Die finanziell bedingt schlechte Betreuungssituation ist nicht gerade förderlich. Das Personal ist normalerweise unterbesetzt und es bestehen lange Wartelisten auf Klinikplätze. Hinzu kommt, dass einige Fachleute selbst nicht an Heilungserfolge bei Trauma glauben, sondern davon ausgehen, dass die Betroffenen ihr Leben lang Beratungsstellen aufsuchen werden. Wenn in solchen Fällen niemand hilft, wird sich dies bewahrheiten. Therapeuten und Berater sind aufgefordert, sich hier zu engagieren.
›Psychotisch‹ nennen wir Bewusstseinszustände, in denen die Wahrnehmung der Realität verzerrt ist - im Extremfall durch Wahnvorstellungen. Psychotische Symptome werden begünstigt, wenn Täter oder Angehörige die Wahrnehmung der Realität systematisch unterminieren, z.B. durch leugnen: »Das ist doch gar nicht passiert. Das bildest Du Dir nur ein.« Eine andere Ausprägung ist Altersregression. Die Betroffene ›wird zum Kind‹, d.h. sie geht in eine Zeit, in der ›die Welt noch in Ordnung war‹.
Für NLP ist ›die Realität‹ weniger etwas absolut Wahres, sondern eher das, worauf sich die Menschen der Umgebung geeinigt haben. Wissenschaftliche Untersuchen zeigen: Unser Langzeitgedächtnis speichert keine absolute, sondern eine mit unserem Umfeld verträgliche ›Wahrheit‹. Früher dachte man z.B. die Welt sei eine Scheibe und hatte Angst davor, vom Rand herunterzufallen. Jemand, der heute ständig Angst hat vom Rand der Scheibe zu fallen, kann sich schnell in einer Nervenheilanstalt wiederfinden, falls er seine Weltsicht zu exzessiv auslebt. Im Mittelalter wäre dies völlig normales Verhalten gewesen.
Um zwischen innerer und äußerer Realität bzw. Wahrnehmung zu unterscheiden, nutzt unser Gehirn Submodalitäten. Während Bilder der äußeren Wahrnehmung im allgemeinen scharf sind, kodiert unser Gehirn Bilder unseres inneren Erlebens vielleicht etwas unschärfer oder etwas dunkler oder legt einen Rahmen um sie herum. Durch diese unterschiedliche Repräsentation können wir leichter zwischen innerer und äußerer Realität unterscheiden. Die meisten Menschen nutzen hierzu unbewusst viele Submodalitäten gleichzeitig.
Auch diesen sogenannten ›Schwersttraumatisierten‹ kann man helfen. Es muss allerdings erst eine hundertprozentig funktionierende Rund-um-die-Uhr-Betreuung der Betroffenen organisiert werden. Fachpersonal hinzuziehen! Vielleicht können Sie z.B. unser Übungsprogramm in Absprache mit Trauma-Klinikpersonal durchführen. Vielleicht möchten Sie NLP-Fachleute hinzuziehen. Die im Anhang angegebenen NLP-Anlaufstellen geben Ihnen gerne Empfehlungen. Wir haben uns trotz möglicherweise auftretender Schwierigkeiten für dieses Kapitel entschieden, da wir hoffen, dass dadurch möglichst vielen Menschen mit ›schweren‹ Symptomen geholfen wird.
Menschen mit psychotischen Symptomen sind oft schwer ansprechbar. Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist sehr kurz. Den Betroffenen fällt es möglicherweise schwerer, Ihren Anweisungen zu folgen. In solchen Fällen müssen Sie improvisieren, um die Betroffenen anzusprechen. Sie müssen hier besonders gut auf die Realität des Gegenübers eingehen. Eine Trauma-Betroffene hatte z.B. Wahnvorstellungen von Leichen. Hier konnten wir den Kontakt mit dem Satz herstellen: »Oh ja, ich habe auch zuerst gedacht, da liegt eine Leiche, aber dann habe ich gesehen, dass es nur Plastiktüten sind.« In anderen Fällen müssen Sie erst pantomimisch die Leiche wegtragen, bevor Sie mit der Betroffenen weitermachen können. Gute Freunde und Familienangehörige sind als Berater bzw. Beraterin für Betroffene besonders gut geeignet. Sie haben oft einen so guten Kontakt zu den Betroffenen, dass sie sie durch das Übungsprogramm leiten können. Im obigen Fall der Altersregression können Sie damit anfangen, dem ›Kind‹ Fähigkeiten zu geben, die ihr erlauben, spätere Ereignisse im Leben besser zu überwinden. Sie können dem Kind z.B. die doppelte Dissoziation beibringen.
Schwer ansprechbare Trauma-Betroffene sollten zuerst dissoziiert und stabilisiert werden. Sprechen Sie in der dritten Person Singular zu ihr: »Vielleicht kann sich die Sabine jetzt wieder etwas entspannen. Schau Dir die Sabine an, wie sie sich jetzt entspannt!«. Dissoziation als Schutzmechanismus und Stabilisierung ist ein wichtiger Faktor. Bei einer unserer Test-Personen ließ sich durch Aufbau der doppelten Dissoziation ein totaler Gedächtnisverlust wieder aufheben. Hier hatte der Gedächtnisverlust eine Schutzfunktion, die durch die Dissoziation sichergestellt werden konnte. Klare Hinweise, wie die Betroffenen mit ihrem inneren Erleben umgehen können, wirken oft überraschend gut. »Und jetzt kannst Du das Bild von Sabine, wie sie sich fürchtet, weit, weit, wegschieben und kleiner machen. Und das Bild, wie sie sich gut fühlt nahe heranholen und vergrößern.«
Dann können Sie der Betroffenen beibringen, wie sie ihre inneren Realitäten kontrollieren kann. Sie können Ihr beibringen, wie sie mit Submodalitäten zwischen innerer und äußerer Realität unterscheiden kann. Machen Sie sie auf Unterschiede in der Repräsentation aufmerksam. Parallel dazu können Sie mit ihr die Trauma-Auflösung durchführen. Hier sollten Sie zunächst mit weniger schwerwiegenden Erlebnissen anfangen. Mit der Trauma-Auflösung verschwinden in der Regel auch die psychotischen Symptome.
Nochmals: Menschen mit starken psychotischen Symptomen brauchen intensive ständige Betreuung. Sie sind oft nicht in der Lage ihr Alltagsleben zu bewältigen. Teilweise sind sie sogar selbstmordgefährdet. Intensive Betreuung ist auch beim Absetzen von psychoaktiven Medikamenten oder Beruhigungsmitteln nötig (nur unter ärztlicher Aufsicht!). Hier müssen Sie Fachpersonal hinzuziehen. Die im Anhang aufgelisteten klinischen Traumazentren dienen hier als Anlaufstelle. Selbst wenn diese Trauma-Kliniken nicht explizit NLP machen, ist das Personal im Umgang mit schwer ansprechbaren Patienten vertraut.
Trauma kann zu schweren Dissoziationen führen. Bei manchen Menschen sind diese Dissoziationen so stark, dass sich ›Persönlichkeits-Anteile‹ mit unterschiedlichen Absichten und Zielrichtungen herausgebildet haben. Manche Betroffene haben z.B. einen Teil, der sie für Sex oder andere Dinge kritisiert und diese als schlecht darstellt. Ein weiteres Beispiel ist ein Teil, der das Geschehene leugnet. Manche Menschen haben buchstäblich ›einen (Teil) neben sich gehen‹. Hier eine Technik von Robert Dilts um derart abgespaltene Teile wieder in die Gesamtpersönlichkeit aufzunehmen. Bitte überspringen Sie diese Übung, falls Sie keine Persönlichkeitsanteile haben, die sich scheinbar verselbstständigen. Wir wollen nämlich keine neuen Teile schaffen, sondern nur schon bestehende Teile voll in die restliche Persönlichkeit integrieren.

Integration abgespaltener Persönlichkeitsanteile

  1. Wir brauchen drei verschiedene Positionen im Raum. Suchen Sie sich eine Beobachter-Position, von der aus Sie sich selbst und den Persönlichkeitsanteil beobachten können. Wählen Sie eine weitere Position, an der Ihr Selbst die Situation mit dem aktiven Persönlichkeitsanteil noch einmal erleben kann. Außerdem brauchen wir eine Position für den aktiven Persönlichkeitsanteil, so dass dieser mit Ihrem Selbst interagieren kann.
  2. Gehen Sie nun an die Beobachter-Position und schauen sich Ihr Selbst und den Persönlichkeitsanteil an. Lassen Sie die Interaktion zwischen beiden noch einmal ablaufen. Was möchte Ihr Selbst in dieser Situation? Wie würde die Situation für Ihr Selbst optimal verlaufen? Braucht Ihr Selbst dabei bestimmte Eigenschaften, die Sie ihm geben können? Was ist für Ihr Selbst in Bezug auf den Persönlichkeitsanteil wichtig? Was muss in der Situation auf jeden Fall sichergestellt werden?
  3. Schauen Sie nun dem Persönlichkeitsanteil zu. Was ist seine positive Funktion? Was für eine positive Absicht für Ihre Person hat dieser Teil? Auch wenn das Verhalten dieses Persönlichkeitsanteil vielleicht unangemessen ist, es geschieht auf jeden Fall in positiver Absicht. Welche Funktion versucht der Teil zu erfüllen? Beispielsweise ist es vielleicht unangemessen, wenn die Mutter ihrer Tocher den Kontakt zu ihrem Freund verbietet. Dadurch kann sie das Vertrauen ihrer Tocher verlieren. Die Absicht bzw. Funktion hinter diesem Verhalten ist aber, die Tochter zu schützen. Nur das Verhalten ist unangemessen. Manchmal ist die Absicht zwar gut, das Verhalten entspricht jedoch nicht mehr den heutigen Verhältnissen. Wie ist das in Ihrem Fall? Schauen Sie sich den Persönlichkeitsanteil aus der Beobachter-Perspektive an. Finden Sie die positive Absicht bzw. die Funktion Ihres Persönlichkeitsanteils.
  4. Gehen Sie nun im Raum an die Position des Persönlichkeitsanteils und beobachten erneut die Interaktion mit Ihrem Selbst. Was können Sie aus dieser Perspektive lernen? Wie fühlt sich das an? Wie verstehen Sie jetzt die positive Absicht des Persönlichkeitsanteils? Was wird Ihnen jetzt über seine Funktion klar? Manchmal kommt auf die Frage nach der positiven Absicht erst eine ”negative” Absicht, z.B. »ich möchte sie/ihn bestrafen.« Dann fragen Sie einfach weiter nach der Absicht hinter der Absicht: »Was für eine positive Funktion/Absicht hat das Bestrafen?«.
  5. Nehmen Sie nun die Position Ihres Selbst ein. Mit dem neuen Wissen: Wie bewerten Sie nun die Situation? Wie schätzen Sie Ihren Persönlichkeitsanteil ein? Was muss für Ihr Selbst sichergestellt sein?
  6. Gehen Sie nun an die Stelle des neutralen Beobachters und betrachten, wie sich die Interaktion Ihres Selbst mit dem Persönlichkeitsanteil ändert.
  7. Wandern Sie im Raum zwischen den drei verschiedenen Positionen hin und her. Wie wirkt die Situation aus den unterschiedlichen Blickwinkeln? Finden Sie eine Ebene, auf der beide die gleichen Ziele verfolgen. Auf welche Verhaltensweisen können sich beide einigen? Was muss für Ihr Selbst sichergestellt sein, was für den Persönlichkeitsanteil? Was brauchen beide, damit dieser Teil wieder mit Ihrem Selbst zusammengeht und verschmilzt? Lassen Sie sich alle Zeit, die Sie brauchen und wechseln Sie so oft die Betrachtungs-Position, bis Sie mit allen Ansichten zufrieden sind. Sie können auch ein bisschen mit den Persönlichkeitsanteil und Ihrem Selbst verhandeln oder auch Absprachen treffen. Trennen Sie Absicht von Verhalten. Trotz vielleicht mittlerweile nicht mehr angemessenem Verhalten ist seine Absicht bzw. seine Funktion mit Sicherheit gut für Sie. »Was für eine positive Absicht hat der Persönlichkeitsanteil?«, »Was für eine wichtige Funktion versucht er zu erfüllen?«, »Was für eine positive Bedeutung könnte der Persönlichkeitsanteil haben?«, »In welchen Situationen ist das Verhalten des Persönlichkeitsanteils nützlich?«, »Was ist die Absicht Ihres Selbst?«, »Welche Ziele verfolgt Ihr Selbst?«, »Wo gibt es Gemeinsamkeiten zwischen dem Persönlichkeitsanteil und Ihrem Selbst?«, »Wie sehen die gemeinsamen Ziele aus?«.
  8. Wenn Sie eine Ebene gefunden haben, mit der alle zufrieden sind, denken Sie an die Zukunft. Wie können Sie sich in zukünftigen Situationen so verhalten, dass die Funktion, für die der Persönlichkeitsanteil steht, zusätzlich zu Ihren anderen Bedürfnissen erfüllt wird? Woran erkennen Sie solche Situationen? Beschließen Sie für solche Situationen eine Verhaltensänderung.
  9. Nun gehen Sie im Raum langsam auf Ihr Selbst zu und nehmen es in sich auf. Dann gehen Sie langsam auf den Persönlichkeitsanteil zu und nehmen auch ihn in sich auf. Achten Sie auf die neuen Gefühle, die damit verbunden sind. Oft tritt z.B. ein Gefühl von Einheit oder »Eins mit sich Selbst und der Welt« auf. Lassen Sie sich Zeit, die neuen Gefühle zu genießen.
  10. In Situationen der Störung durch einen abgespaltenen Persönlichkeitsanteil kann nun Ihr neues Gefühl der Einheit auftreten. Wie werden Sie die nächste, zukünftige Situation erleben? Wie werden Sie sich dann verhalten? Wie werden Sie sich dann fühlen? Wie bewerten Sie diese Situation, wie Ihr Verhalten und Ihre Gefühle?
Ein weiteres häufig auftretendes Symptom sind sogenannte Borderline-Störungen. Sie haben ihre Ursache oft in verdrängten und in der Familie verschwiegenen Misshandlungen. Ähnliches gilt für sogenannte Multiple-Persönlichkeitsstörungen. Multiple-Persönlichkeitsstörungen sind aus Sicht des NLP so starke Dissoziationen, dass ein Persönlichkeitsanteil als Einheit abgespalten wird. Dies geschieht als Schutzmechanismus in wiederholt auftretender äußerster Notlage. Seit Jahren beklagen Psychologen, dass Krankheitsbilder, wie Multiple-Persönlichkeitsstörungen und Borderline, mit Schizophrenie verwechselt werden. So werden Patienten mit Fehldiagnose Schizophrenie z.T. lebenslang mit Medikamenten ›vollgepumpt‹, statt ihnen eine qualifizierte Trauma-Therapie zukommen zu lassen. Schizophrenie kann man von anderen Krankheitsbildern unterscheiden, indem man mit dem Patienten in so guten Kontakt tritt, dass dieser Anweisungen befolgen kann. Dann bittet man ihn Einfluss auf die Halluzinationen zu nehmen. Gelingt dies, liegt (nach DSM IV) keine Schizophrenie vor. Übrigens ist Schizophrenie aus Sicht des NLP möglicherweise heilbar. Von Richard Bandler gibt es Videoaufnahmen, inklusive Follow-Up, wie er mit Schizophrenie arbeitet. Sie können versuchen Borderline-Symptome (plötzlich umschlagende Gefühle) mit Submodalitätstechniken zu lindern. Bei Multiplen-Persönlichkeitsstörungen können Sie versuchen, die Persönlichkeitsanteile zu integrieren (s. Kapitel Assoziation/Dissoziation) oder die beiden Anteile ankern und beide Anker gleichzeitig auszulösen (hier müssen Sie trotz möglicher heftiger Reaktion der Betroffenen die Anker über einige Zeit gedückt halten können). Obwohl wir fest daran glauben, dass es immer eine Lösung gibt, kommen wir hier an die Grenzen dessen, was ein einzelnes Buch leisten kann und empfehlen den Kontakt mit einem guten NLP-Therapeuten und/oder den im Anhang angegebenen Trauma-Kliniken.

NLP Anlaufstellen

  • Deutscher Verband für NLP, DVNLP e.V.
    Lindenstraße 19, 10969 Berlin, Tel. 030-2593920, Mail: dvnlp@dvnlp.de, Web: www.dvnlp.de
  • Wir empfehlen zur NLP-Ausbildung das Deutsche Ausbildungsinstitut für NLP, DANLP, das über Jahrzehnte hohe Qualitätsstandards bewahrt hat.
    DANLP, Schönblick 38, 74535 Mainhardt, Tel. 01805-326575, info@danlp.de, www.danlp.de
  • NLP-Therapeuten und Trainer finden Sie unter:
    www.danlp.de/set/setbtlist.htm
  • Besonders empfehlen wir NLP-Kurse und Seminare bei Thies Stahl, der das NLP nach Deutschland gebracht und die ersten NLP-Bücher aus dem Englischen übersetzt hat:
    Thies Stahl, Drosselweg 1, 25451 Quickborn, Tel. 04106-82381, www.thiesstahl.de
  • Schweiz:
    NLP Institut Zürich, Ronald Amsler, Lättenstrasse 18, CH-8914 Aeugst am Albis, Tel. +41-1-7610838, ronnie@nlp-institut.ch, www.nlp-institut.ch
    Auf der Webseite gibt es hervorragende Texte zum Download.
  • Österreich:
    Linzer Akademie für NLP, Alois Senefelderstrasse 9, A-4020 Linz, Tel. +43-732-917895, andrea.oetsch@liwest.at, www.nlp.at/la.
    Unter www.nlp.at gibt es auch das NLP Wörterbuch, in dem fast alle Begriffe des NLP sowie ein Großteil aller NLP Techniken und Veränderungsmuster beschrieben sind.

Unsere Webseite finden Sie unter:

www.trauma-jetzt-ueberwinden.de

Hier können Sie zu uns Kontakt aufnehmen. Ihre Fragen und Anregungen sind uns wichtig und werden ggf. in einer späteren Auflage dieses Buches berücksichtigt.

Trauma-Kliniken & Anlaufstellen

Die Webseite Trauma-Informations-Zentrum von Stefanie Rösch & Claus Rüegg bietet eine unfangreiche Liste von Trauma-Kliniken in Deutschland, siehe
http://www.trauma-informations-zentrum.de/infos/klinikliste.htm
Weitere Anlaufstellen:
  • WEISSER RING e. V.
    \hspace*{0pt}\\ Weberstraße 16
    \hspace*{0pt}\\ 55130 Mainz
    \hspace*{0pt}\\ Tel. 06131-83-03-0
    \hspace*{0pt}\\ info@weisser-ring.de
    \hspace*{0pt}\\ www.weisser-ring.de
    \hspace*{0pt}\\ Bundesweites Info-Telefon & Opfer-Notruf 01803-34-34-34 (24 Std. 9 Cent/Min)
    Persönliche Betreuung nach der Straftat über Hilfestellungen im Umgang mit den Behörden, Erholungsprogramme, einem Beratungsscheck für die kostenlose Erstberatung bei einem frei gewählten Anwalt, Rechtsschutz, einem Beratungsscheck für eine kostenlose medizinisch-psychologische Erstberatung bei seelischen Belastungen in Folge einer Straftat, Begleitung zu Gerichtsterminen sowie der Vermittlung von Hilfen anderer Organisationen. Zusätzlich zu menschlichem Beistand kann der Weisse Ring auch finanzielle Unterstützung gewähren, um z.B. tatbedingte Notlagen zu überbrücken. Der Verein hat nach eigenen Angaben mittlerweile mehreren hunderttausend Opfern Hilfe geben können.
  • OPFER gegen GEWALT e. V.
    \hspace*{0pt}\\ Keyserlingstraße 37
    \hspace*{0pt}\\ 81245 München
    \hspace*{0pt}\\ Tel. 089-8119970 o. 0176-50050269
    \hspace*{0pt}\\ kontakt@opfer-gegen-gewalt.de
    Hilfe für Opfer von Straftaten im Bereich Gewaltkriminalität. Sie begleiten hauptsächlich Betroffene und Angehörige durch das Strafverfahren und bieten während der Gerichtsverhandlung Unterstützung an.
    www.opfer-gegen-gewalt.de, Infos zu rechtlichen Möglichkeiten und finanzieller Unterstützung von Gewaltopfern.
  • Sorgentelefon für Kinder- und Jugendliche: 0800-1110333
  • \newpage
  • Frauenhäuser:
    • Arbeitsgemeinschaft Deutscher Frauen- und Kinderschutzhäuser
      \hspace*{0pt}\\ Postfach 10 14 55
      \hspace*{0pt}\\ 68014 Mannheim
      \hspace*{0pt}\\ Tel. 0621-411068
    • Suche bei Yahoo: http://de.local.yahoo.com/
      \hspace*{0pt}\\ Mit Suchbegriff ›Frauenhäuser‹.
  • Autonome Frauenhäuser:
    http://www.autonome-frauenhaeuser-zif.de/
    \hspace*{0pt}\\\hspace*{5.9cm}autonome_adressen.htm
  • Opferambulanzen:
    Betroffende können diese Einrichtungen bei akuter psychischer Traumatisierung in Anspruch nehmen. Sie erhalten dort erste Hilfe im Umgang mit erlebten Gefühlen. Betroffene sollen das Gefühl der Sicherheit und Handlungsfähigkeit wiedererlangen. Außerdem bieten oder vermitteln Opferambulanzen kurzfristige oder langfristige Traumatherapie.
    • Universitätsklinikum Aachen, Pauwelsstr. 30, 52057 Aachen, Tel. 0241-8080808
    • St. Vinzenz-Hospital, Dr. Otto-Seidel-Str. 34, 46535 Dinslaken, Tel. 02064-441240
    • Gesundheitsamt - Beratungsstelle für Gewaltopfer, Willi-Becker-Allee 10, 40227 Düsseldorf, Tel. 0211-8992664
    • Bertha Krankenhaus Rheinhausen, Zu den Rehwiesen 9, 47055 Duisburg, Tel. 0203-7333251
    • Deutsches Institut für Psychotraumatologie e.V. (DIPT), Höninger Weg 115, 50969 Köln, Tel. 0172-2671727
    • Alexianer-Krankenhaus, Oberdießemer Str. 136, 47805 Krefeld, Tel. 02151-347227
    • St. Alexius-Krankenhaus, Alexianerplatz 1, 41461 Neuss, Tel. 02131-1366241

  • Polizei-Dienststellen für Trauma-Opfer
    Leider gibt es nicht in jeder Stadt Polizeidienststellen, in denen Fachleute für Trauma und/oder Sexualdelikte verfügbar sind, so dass Opfer oft belastende, peinliche Befragungen hinnehmen müssen, wenn sie sich entschließen, Anzeige zu erstatten. Aber die Lage bessert sich stetig. Das Bundeskriminalamt hält auf seiner Webseite Links zur Kriminalprävention bereit:
    http://www.bka.de/vorbeugung/linksammlung/linkspraevention.html
    Dort gibt es dann weitere Links zu den Themen Gewalt und sexuellem Missbrauch. Sie sollten auf jeden Fall darauf achten, dass Sie die Anzeige bei einer kompetenten Dienststelle aufgeben. Bedenken Sie aber, dass juristische Verfahren meist langwierig und nervenaufreibend sind. Sie sollten sich Ihre Schritte daher gut überlegen. Siehe auch das umfangreiche Informationsmaterial im Internet-Auftritt von Opfer gegen Gewalt e.V. und Schotterblume (s. unten)
  • Frauen in Gewaltbeziehungen
    Das Fraueninformationszentrum Mannheim hat eine Ratgeberseite für Frauen in Gewaltbeziehungen zusammengestellt:
    http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/
    \hspace*{0pt}\\\hspace*{\fill}a_Partnerschaft/s_1185.html
    Fraueninformationszentrum
    \hspace*{0pt}\\ Eichendorffstr. 66-68
    \hspace*{0pt}\\ 68167 Mannheim
    \hspace*{0pt}\\ Tel.: 0621/379790
    \hspace*{0pt}\\ Mail: fraueninformationszentrum@t-online.de
  • Rechtsfragen für Opfer sexueller Gewalt
    Schotterblume hat eine Webseite für rechtlichen Fragen und Möglichkeiten zusammengestellt:
    \hspace*{0pt}\\ http://www.schotterblume.de/rechtfaq/faq.htm
    \hspace*{0pt}\\ Schotterblume e.V.
    \hspace*{0pt}\\ Windener Str. 38
    \hspace*{0pt}\\ 56377 Nassau
    \hspace*{0pt}\\ Tel. 02604-950025

Quellen der NLP-Techniken

  • Meta-Yessing/Meta-Noing: Bob Bodenhammer und Michael Hall
  • Submodalitäts-Veränderungen: Bandler
  • Doppelte Dissoziation: Bandler und Grinder
  • Power-Anker (Resource-Anker): Bandler und Grinder
  • Trauma-Auflösung (Visuell Kinästhetische Dissoziation): Bandler und Grinder, einige Elemente von Dilts
  • Trauma-Auflösung (Fast Phobia Cure): Bandler
  • Trauma-Auflösung (NHR): Bandler, z.B. im Video ›Introduction to NHR‹
  • Timeline: Tad James (visuell) bzw. Robert Dilts (Boden-Timeline)
  • Schuldgefühle überwinden (›No more guilt‹): Tad James
  • Scham überwinden: Connirae & Steve Andreas
  • Entscheidungen neu treffen (Decision Destroyer): Bandler
  • Re-Imprint: Dilts
  • Glaubensveränderung (Change-Believe/Swish): Bandler
  • Integration abgespaltener Persönlichkeitsanteile: Dilts
  • Beziehungs-Check (Resolve Co-Dependence): Connirae u. Steve Andreas
  • Schule des Wünschens: Thies Stahl
  • Magische Eltern: Sally Chamberlaine und Jan Prince
  • Identität aktualisieren: Dilts u. Gilligan

Literaturhinweise

  • R. Bandler, J. Grinder, Metasprache und Psychotherapie, Junfermann
    \hspace*{0pt}\\ ISBN 3-87387-186-6, Original-Titel The Structure of Magic Vol. I, 1975
  • R. Bandler, J. Grinder, Neue Wege der Kurzzeit-Therapie, Junfermann
    \hspace*{0pt}\\ ISBN 3-87387-193-9, Original-Titel frogs into PRINCES, 1979
  • Bandler, Richard, Veränderung des subjektiven Erlebens, Junfermann
    \hspace*{0pt}\\ ISBN 3-87387-271-4, Original-Titel Using Your Brain - For a Change, 1984
  • James, Tad & Woodsmall, Wyatt, Time Line, Junfermann
    \hspace*{0pt}\\ ISBN 3-87387-031-2, Original-Titel Time Line Therapy, 1988
  • Dilts, Robert B. et. al., Identität, Glaubenssysteme und Gesundheit, Junfermann
    \hspace*{0pt}\\ ISBN 3-87387-030-4, Original-Titel Beliefs - Pathway to Health & Well-Being, 1990
  • Dilts, Robert B., Die Veränderung von Glaubenssystemen, Junfermann
    \hspace*{0pt}\\ ISBN 3-87387-068-1, Original-Titel Changing Belief-Systems with NLP, 1990
  • Andreas, Connirae and Steve, Mit Herz und Verstand, Junfermann
    \hspace*{0pt}\\ ISBN 3-87387-065-7, deutsche Ausgabe im Junfermann Verlag z.Z. vergriffen, daher
    \hspace*{0pt}\\ Original-Titel Heart of the Mind. Real People Press, Moab, Utah 1989.
    \hspace*{0pt}\\ ISBN 0-911226-31-1, 1989, .
  • L. Michael Hall, Barbara Belnap, Sourcebook of Magic, 2nd Edition (wichtig!)
    \hspace*{0pt}\\ ISBN 1-904424-25-2, Crown House Publishing, 2004
  • J. OConnor, J. Seymour, Neurolinguistisches Programmieren, Gelungene Kommunikation und persönliche Entfaltung
    \hspace*{0pt}\\ ISBN 3-92407-766-5, VAK Verlag, 2005
  • Robert Dilts, Professionelles Coaching mit NLP
    \hspace*{0pt}\\ ISBN 3-87387-558-6, Junfermann, 2005