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Um sich selbst ein Bild von unserem Buch zu machen, können Sie hier einen Auszug aus der 2. Auflage von "Trauma jetzt überwinden" online lesen.
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Inhaltsverzeichnis
A Vorbereitungen
Einleitung
Angstzustände, Panikanfälle und Albträume. Für viele Betroffene von Trauma und Misshandlung sind dies
alltägliche Erfahrungen. Sie wollen nichts sehnlicher, als die traumatischen Erlebnisse überwinden. Und das
können Sie mit Hilfe dieses Buches.
Sie halten kein Theoriebuch und kein Buch mit Trauma-Erzählungen in den Händen, sondern ein Übungsbuch.
Obwohl Sie sich das jetzt vielleicht noch nicht vorstellen können: Am Ende
der Übungen haben Sie komplett mit dem Trauma aufgeräumt und können sich in Ihrem Alltag wieder anderen Themen
zuwenden.
Die Trauma-Auflösung ist schonend: Sie werden nicht den Trauma-Gefühlen ausgesetzt. Sie brauchen nichts über
Ihre Erlebnisse erzählen. Und wir werden auch darauf verzichten, Horrorgeschichten zu erzählen.
Dieses Buch ist entstanden, weil wir immer wieder von Freunden und Bekannten auf das Thema angesprochen wurden.
Durch unsere Ausbildung in NLP (mehr zu NLP später) konnten wir diesen Betroffenen helfen. Eine der
beeindruckendsten Erfahrungen für uns war dabei, wie stark die Bereitschaft zur Mitarbeit der Betroffenen war
und wie groß das Engagement im Freundes- und Bekanntenkreis der Betroffenen. Da die NLP Techniken so
zuverlässig funktionieren und sehr gut strukturiert sind, kamen wir auf die Idee, ein Mittel zur
Trauma-Auflösung zu finden, das auch von Laien angewendet werden kann.
Wir haben den Text zu diesem Buch an einer Vielzahl von Betroffenen erprobt. Alle konnten die hier beschrieben
Übungen erfolgreich durchführen. Unser Test-Spektrum reichte von Betroffenen mit einmaligen traumatischen
Erlebnissen bis hin zu langjährig Missbrauchten; von ”leicht” Traumatisierten, die ”nur” unter Störungen des
Sexuallebens litten, über die typischen Trauma-Symptome, wie Schreckhaftigkeit, Albträume und Zwangsverhalten,
bis hin zu schwer Traumatisierten mit Wahnvorstellungen und Selbstmordanwandlungen. Die Betroffenen waren aus
unterschiedlichen Altergruppen (die jüngste war z.B. 15 Jahre alt) und hatten unterschiedlichen Bildungsgrad.
Alle, die sich genau an die Anweisungen gehalten haben, konnten mit Hilfe des hier vorliegenden
Übungs-Programms ihr Trauma überwinden. Mittlerweile haben wir
auch eine Webseite eröffnet, wo Sie sich mit Fragen und Anregungen hinwenden können:
www.trauma-jetzt-ueberwinden.de.
Sie sollten eine Freundin oder einen Freund als Begleitung hinzuziehen, der/die Sie durch die Übung begleitet.
Ideal ist natürlich eine ausgebildete Fachkraft.
Sie brauchen ihr oder ihm nichts über Ihr traumatisches Erlebnis erzählen. Wir werden Ihre Begleitung B für ›Beraterin‹ bzw. ›Berater‹ nennen. Während Sie sich auf
den Inhalt der Übung konzentrieren, führt Sie Ihr B, also Ihre Beraterin bzw. Ihr Berater, durch den Prozess.
Den ersten Teil A des Buches bilden einführende Kapitel und Übungen. Sie dienen dazu, Sie mit NLP vertraut zu
machen und Ihnen mehr Kontrolle über Ihr inneres Erleben zu geben. Außerdem werden Sie und Ihr B (Beraterin bzw.
Berater) zu einem eingespielten Team. Wenn Sie optimal vorbereitet sind, kommt im zweiten Teil B die
eigentliche Trauma-Auflösung. Im dritten Teil C können Sie je nach Bedarf weitere Themen, die mit dem
traumatischen Erlebnis zusammenhängen, bearbeiten. Der Zeitbedarf für Teil A ist etwa 4-6 Stunden. Wir
kalkulieren für Teil B etwa die gleiche Zeit, damit dieser pro Erlebnis auf jeden Fall an einem Stück
durchgeführt werden kann. In Teil C gehen wir von 1-2 Stunden pro Kapitel aus. Auf diesen Teil können Sie im
Laufe der ersten Tage bzw. Wochen nach der Trauma-Auflösung immer wieder zurückkommen. Der Zeitbedarf kann sehr
unterschiedlich sein. Es ist also auch in Ordnung, wenn Sie deutlich schneller oder langsamer vorgehen. Teil D
enthält eine Übung für diejenigen, die ihre Identität (teilweise) über das Trauma definieren.
Was ist Trauma?
Mit Trauma bezeichnen wir hier Erlebnisse, die mit Panik-Gefühlen verbunden sind und deren Erinnerung wieder
diese Panik-Gefühle auslöst. Das Gehirn kann solche Erlebnisse nur schwer oder gar nicht verarbeiten. Man kann
mit der Vergangenheit nicht abschließen. Ein einziges traumatisches Erlebnis kann das Leben eines Menschen
verändern. Die Betroffenen leben in ständiger Angst, dass es sich wiederholen könnte oder Situationen auftreten
könnten, die die Erinnerung an das Trauma wieder aufleben lassen. Daher versuchen sie, ähnliche Situationen im
Vorfeld zu vermeiden. Es entsteht eine höhere Sensitivität für bestimmte Reize. Das Vermeiden ähnlicher
Situationen kann z.B dazu führen, dass jemand mit einer Phobie vor Spritzen nicht rechtzeitig zum Arzt geht.
Ein Kriegsveteran nimmt vielleicht Schlaftabletten, um nachts nicht wieder in den Krieg ziehen zu müssen.
Betroffene sexuellen Missbrauchs gehen vielleicht keine Beziehung ein, aus Angst, bestimmte Situationen könnten
sich wiederholen.
Die Erinnerung an traumatische Erlebnisse wird oft von bestimmten Reizen, sogenannten Triggern, ausgelöst.
Betroffene versuchen daher auch diesen Reizen auszuweichen. Es entsteht Angst vor der Angst. Diesen Mechanismus
werden wir uns zu Nutze machen. Als Begleitmaßnahme erhalten Sie einen Trigger, der Sie sofort in ein
überwältigend positives, wundervolles Gefühlserlebnis Ihrer Wahl bringt. Diesen Trigger nennen wir Power-Anker.
Sie können ihn jederzeit auslösen, so dass Sie keine Angst mehr vor anderen, negativen Triggern zu haben
brauchen.
Hier eine Liste der häufigsten Symptome von Trauma. Bitte überdenken Sie kurz, welche bei Ihnen auftreten und
welche nicht:
- Angst, Schreckhaftigkeit, Panikattacken, Albträume, Schlafstörungen und Schock. Das Leben eines Trauma-Betroffenen ist zu einem erheblichen Teil von Angst und Schrecken erfüllt. Viele verbringen nicht nur den Tag in dauernder Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit, sondern erleben nachts in Albträumen die Geschehnisse wieder und wieder.
- Selbstwertverlust bzw. geringes Selbstwertgefühl (können Sie positiv über sich selbst sprechen?), Gefühl der Verunreinigung
- sozialer Rückzug, Antriebslosigkeit, Angst vor Alleinsein, Gefühl allein sein zu müssen, »bloß nicht reden«
- Schuldgefühle
- Konzentationsschwierigkeiten, emotionaler Taubheitszustand
- Wut, Rachegedanken
- Geschlechtsverkehr mit beliebigen, häufig wechselnden Partnern (Promiskuität)
- selbstzerstörisches Verhalten (um nicht fühlen zu müssen oder umgekehrt: um überhaupt zu fühlen), Sucht bzw. Substanzmissbrauch
- Zwangshandlungen (z.B. Waschzwang), wieder zum Opfer werden zu müssen, andere zum Opfer machen
- Angst vor Männern
- Sexualstörungen
- Kopfschmerzen, chronische (d.h. wiederkehrende) Schmerzen, Eß- oder Verdauungsstörungen
- Erwartungshaltung (man rechnet damit, dass es nochmal passiert)
- Halluzinationen, Verfolgungswahn, man wird z.B. wieder zu dem Kind, dem das Trauma passiert ist (Regression)
- Selbstmordanwandlungen, man glaubt, mit dem Erlebten nicht weiterleben zu können
Nach der Trauma-Auflösung können Sie überprüfen, ob die Symptome noch auftreten.
All diese Symptome sind legitime Versuche, mit dem Erlebten zurechtzukommen. Leider haben sie aber auch
gravierende Nachteile und tendieren dazu, das Leben der Betroffenen zu dominieren. Die Techniken in den
folgenden Kapiteln geben Ihrem Gehirn leistungsfähige Alternativen. Diese können Sie auch bei anderen
Gelegenheiten im Leben nutzen.
Folgende Aktivitäten können sich negativ auf die Trauma-Auflösung auswirken. Beschließen Sie daher diese
Verhaltensweisen zu ändern bzw. zu unterlassen:
- Sozialer Rückzug (stattdessen sollten Sie stabile Beziehungen zu verlässlichen Menschen z.B. zu Freunden oder Familie aufbauen. Bleiben Sie in Kontakt mit Freunden und Bekannten).
- Selbstzerstörerische Verhaltensweisen.
- Suchtverhalten, Substanzmissbrauch. Die hier beschriebenen Techniken sollten Sie ohne Einfluss von Drogen und Alkohol, sowie ohne Einfluss von psychoaktiven Medikamenten durchführen. Medikamente dürfen Sie nur unter ärztlicher Aufsicht und guter Betreuung absetzen.
- Selbstmordversuche, Selbstmord ist eine permanente Lösung für ein temporäres Problem. Gescheiterte Selbstmordversuche führen oft zu Langzeitschäden. Ärzte, die Verletzungen aufgrund von Selbstmordversuchen feststellen, sind dazu verpflichtet, Sie (notfalls gegen Ihren Willen) in eine Nervenklinik einzuweisen. Für uns ist aber die Tatsache, dass Sie dieses Buch in den Händen halten, Beweis genug, dass Sie lieber eine bessere Lösung als Selbstmord suchen. Und die werden Sie auch finden. Mit den Techniken der folgenden Kapitel können Sie sich innerhalb kürzester Zeit von der gefühlsmäßigen Belastung befreien. Außerdem lernen Sie jede Menge weitere Techniken für den Umgang mit Ihren Gefühlen.
Wir wissen, dass viele Trauma-Betroffene eine lange Leidensgeschichte haben. Die hier dargestellten Techniken
eignen sich für alle Arten von Trauma. Aufgrund der statistischen Datenlage werden etwa doppelt so viele Frauen
wie Männer mindestens einmal Opfer sexuellen Missbrauchs bzw. Vergewaltigung (jede 6. bis 7. Frau). Daher
werden wir dieses Thema schwerpunktmäßig behandeln. Die Ausführungen gelten aber auch für Opfer von anderen
Gewaltverbrechen und Misshandlungen sowie Kriegserlebnisse, Geiselnahmen, Folter, Massenvernichtung,
Naturkatastrophen, Unfälle (z.B. Verkehrsunfälle) und berufsbedingte Traumatisierungen (z.B. bei
Rettungseinsätzen). In einigen Fällen werden Menschen wiederholt und/oder über einen längeren Zeitraum
traumatisiert z.B. bei Geiselhaft, Kriegsgefangenschaft oder Kindesmissbrauch. Dieser Gruppe lässt sich mit
den hier beschriebenen Techniken genauso helfen, wie Opfern einmaliger Traumatisierung. Jeder hat eine schnelle
und effektive Trauma-Auflösung verdient.
Sexueller Missbrauch kann neben Traumatisierung noch zusätzlichen Einfluss auf das Leben der Opfer haben. Hier
bieten wir weitere Techniken, die Sie durchführen können, nachdem das Trauma überwunden ist.
Sexueller Missbrauch und Gewalt treten oft wiederholt auf. Wenn Sie also eine Person kennen, die in
Verhältnissen lebt, die von Gewalt und Missbrauch geprägt sind, helfen Sie ihr aus diesem Umfeld heraus. Die
Betroffenen erkennen nämlich oft selbst nicht das Unrecht solcher Situationen. Im Anhang sind professionelle
Anlaufstellen aufgelistet. Manchmal kann sich die Person nur vor dem Täter schützen, wenn sie vorübergehend in
einer anderen Stadt wohnt. Dann kann Ihnen die zentrale Informationsstelle für autonome Frauenhäuser eine
Einrichtung nennen, in der die Person zeitweise untergebracht werden kann.
Woher weiß ich, ob ich traumatisiert bin?
Manche Menschen wurden in ihrer frühen Kindheit von Angehörgen ihrer Familie traumatisiert. Da dies oft geheimgehalten oder abgestritten wurde, haben die Kinder später Schwierigkeiten zu wissen, ob sie traumatisiert wurden. Wir wollen niemandem etwas einreden. Andererseits kommen aber immer wieder Menschen zu uns mit der Vermutung, dass früher etwas passiert sei. Wenn Sie die obigen Hauptsymptome Angst, Schreckhaftigkeit, Panikattacken und Albträume haben, kann dies ein Indiz für Trauma sein. Wir schlagen vor, dass Sie zunächst weiterlesen. Sie werden Techniken erlernen, wie Sie mit traumatischen Erinnerungen umgehen können. Falls Sie wirklich traumatisiert wurden, kann Ihr Gehirn Ihnen, sobald Sie die Techniken gut beherrschen, diese Erinnerungen zugänglich machen (s. hierzu später Erinnerungs-Lücken aufheben). Als nächster Schritt folgt die Trauma-Auflösung. Falls aber keine Traumatisierungen vorliegen, können Sie diese Vermutung als widerlegt ansehen und sich anderen Themen zuwenden.
Lange Zeit kannte man kein zuverlässiges Mittel zur Überwindung von Trauma. Die ersten therapeutischen Verfahren
basierten auf Gesprächen. Man dachte, wenn der Klient das Trauma versteht, kann er es überwinden. Dies ist aber
ineffektiv. Daher verbrachten die Betroffenen oft Jahre und Jahrzehnte, Woche für Woche Zeit beim Therapeuten
ohne die geringste Besserung. Dies führte sogar dazu, dass viele heute noch glauben, Trauma könne man nicht
überwinden.
Entscheidender Bestandteil jeder funktionierenden Trauma-Therapie ist eine Desensibilisierung von dem
jeweiligen traumatischen Erlebnis. Bei der Desensibilisierung erinnern Sie sich auf eine besondere Art an das
traumatische Erlebnis, so dass Sie die Kontrolle über die Erinnerung behalten. Allergikern wird zur
Desensibilisierung eine kleine, kontrollierte Dosis des Allergens verabreicht. Dadurch lernt das Immunsystem
damit umzugehen, ohne überwältigt zu werden. Ähnlich funktioniert die Trauma-Desensibilisierung: Sie erinnern
sich auf eine bestimmte Weise an eine kleine Dosis des Erlebnisses und nehmen gleichzeitig einen
Bewusstseins-Zustand des Lernens ein. Die neue Betrachtungsweise schützt Sie vor den Panikgefühlen. Das, was
das Gehirn am besten kann, ist lernen. Und so löst schon eine einmalige neue Betrachtung diejenigen
Lernaktivitäten aus, die das Erlebnis neutralisieren.
Die Wirkung der Desensibilisierung ist:
- Sie können neutral an das Erlebnis denken, ohne dass Panik und belastende Emotionen auftreten. Die Erinnerung an die Fakten bleibt erhalten, aber die Gefühle fallen weg.
- Reize und Trigger haben ihre Bedeutung geändert und damit ihre Wirkung verloren.
- Sie können die Erinnerung an das Erlebnis endgültig verarbeiten. Das Gehirn kann einen anderen Bezugsrahmen herstellen. Statt jede Nacht davon zu träumen, wissen Sie, dass es vorüber ist.
Es ist ein Fehler, Trauma-Betroffene wieder in den Panikzustand zu versetzen. Vermeiden Sie daher solche
Methoden. Es ist aber ebenso ein Fehler, auf die Desensibilisierung zu verzichten. Ohne diese haben Sie keinen
Zugang zu der Erinnerung, der Ihnen erlaubt, sich von dem Einfluss solcher Erlebnisse zu befreien.
Gesprächstherapie alleine hilft nicht. Da Desensibilisierung oft nicht in ein festes 45-Minuten-Raster passt,
schiebt so mancher Therapeut diesen Schritt durch unnötig lange Vorgespräche vor sich her.
Sie können selbst überprüfen, wie erfolgreich die Desensibilierung ist. Das gibt Ihnen zusätzliche Sicherheit
vor unangenehmen Überraschungen und zeigt Ihnen, dass Sie nun mit dem Erlebnis abschließen können.
Desensibilisierung ist auch Voraussetzung für die Übungen im dritten Teil des Buches, in dem Sie ggf.
Begleitprobleme bearbeiten können. Manchmal ist nämlich neben der Desensibilisierung noch etwas Nachbearbeitung
nötig. Wir sind z.B. nicht zufrieden, wenn das Trauma von sexueller Misshandlung zwar aufgelöst ist, die
Betroffene aber Männern gegenüber misstrauisch ist. Wir legen Wert darauf, dass solche Einflüsse traumatischer
Erlebnisse überprüft und ggf. aufgelöst werden. Dies kann dann z.B. dazu führen, dass die Betroffene besser
weiß, wie sie gute von schlechten Männern unterscheiden kann und optimistisch an die nächste Liebesbeziehung
denkt.
Was andere nicht tun sollten:
- Trauma-Betroffene fühlen sich ausserhalb der Gemeinschaft. Sie haben den sehnlichen Wunsch, ein normales Leben zu führen, wie jeder andere auch. Sie sollten im Umgang mit der Trauma-Problematik also weder dramatisieren, noch so tun, als wäre es nicht passiert. Es hilft den Betroffenen weder ›als Opfer‹ behandelt zu werden, noch, wenn Sie der Problematik ausweichen oder weglaufen. Am besten Sie bleiben sachlich und helfen der betroffenen Person bei den Übungen in diesem Buch.
- Versuchen Sie nicht, die betroffene Person zum Reden zu bringen. Bilden Sie sich nicht ein, zu verstehen, was derjenige oder diejenige durchgemacht hat. Überlassen Sie es dem Gesprächspartner, wie stark er oder sie ins Detail gehen möchte. Wenn Sie zu stark ins Detail gehen, führen Sie Ihr Gegenüber tiefer in das Erlebnis herein und riskieren Panikattacken. Dies kann destabilisierend wirken und sogar Selbstmordanwandlungen auslösen. Drängen Sie Trauma-Betroffene zu überhaupt nichts. Sie müssen sich nämlich vor unangenehmen Erinnerungen schützen. Bitte auch keine inhaltlichen ›Patentrezepte‹ und ›schlaue Tipps‹. Beschränken Sie sich auf formale Anregungen z.B. die Dinge aus großem Abstand zu betrachten. Seien Sie froh, dass Ihnen das nicht passiert ist.
- Ja, es ist wichtig, mit seinen Gefühlen in Kontakt zu kommen. Aber erst nach der Trauma-Auflösung. Hierzu bietet dann der dritte Teil des Buches viele Gelegenheiten.
- Gerichtsverhandlungen können eine sehr große Belastung darstellen. Die Ermittlungsbehörden haben mittlerweile speziell für Trauma-Opfer ausgebildetes Personal. Sorgen Sie dafür, dass diese Spezialisten eingeschaltet werden, falls Sie sich für eine Anzeige entscheiden. Sie müssen auch nicht stundenlang auf der Polizeiwache Ihr Erlebnis zu Protokoll geben. Lassen Sie sich eine Liste der Fakten geben, die die Ermittlungsbehörden auf jeden Fall brauchen und schreiben Sie die Dinge zu Hause auf. Dieses Protokoll können Sie dann später der Polizei übergeben. ›Schotterblume‹ bietet auf ihrer Webseite viele Informationen für Trauma-Betroffene im Umgang mit Behörden und bei Gerichtsverhandlungen (s. Anhang).
- Statistisch wirkt es sich in 30% aller Fälle schädlich auf die psychische Selbstheilung aus, wenn Opfer von Sexualverbrechen ihrem neuen Partner erst von dem traumatischen Erlebnis berichteten und danach Sex mit ihm hatten. War es genau umgekehrt, d.h. sie hatten erst Sex und informierten danach ihren Partner von der Traumatisierung, hatte dies keinen Einfluss auf den Heilungsprozess. Überlegen Sie sich also genau, ob eine sexuelle Beziehung zu diesem Zeitpunkt angemessen ist.
- Viele Außenstehende reagieren auf Trauma-Geschehnisse mit impliziten Schuldzuweisungen: »Wärest Du doch nicht die dunkle Gasse entlang gegangen!«. Als wenn ein Täter in dunklen Gassen ein Recht zur Tat hätte!? Solche Reaktionen sind für die Betroffenen katastrophal, weil ihnen dann auch noch die Schuld für das Geschehene zugewiesen wird. In Wirklichkeit möchten Sie als Angehöriger das Geschehene mit diesem Wunsch rückgängig machen. Die Trauma-Betroffenen verstehen dies aber in den allermeisten Fällen als Schuldzuweisung. Schuldgefühle sind ein typisches Trauma-Symptom. Sie sollten diese nicht auch noch verstärken, sondern stattdessen klar Stellung beziehen und sagen, wer Täter und wer Opfer ist.
Was ist NLP?
NLP, Neuro-Linguistisches Programmieren, ist eine Technologie zur effektiven persönlichen Veränderung. Sie
entstand aus der Beobachtung einiger der erfolgreichsten Psychotherapeuten. NLP beschäftigt sich mit dem
subjektiven Erleben, mit effektiver Kommunikation und mit persönlicher Veränderung. Eigentlich ist NLP eine
Methode, mit der man besondere Fähigkeiten vom Menschen modellieren und für andere erlernbar machen kann. Die
Erfinder, Richard Bandler und John Grinder, entwickelten NLP in den 70er Jahren, indem sie herausragende
Therapeuten, wie Milton Erickson, Virginia Satir und Fritz Perls untersuchten. Sie stellten fest, dass alle
effektiven Therapeuten in dem Moment, wo sich ihr Gegenüber veränderte, gemeinsame Elemente in ihrem Verhalten
aufwiesen. Aus der Essenz dieses Verhaltens entwickelten sich die ersten NLP-Techniken mit Schwerpunkt
Psychotherapie. NLP kann mittlerweile auf eine Erfolgsgeschichte von über 30 Jahren zurückblicken. Heute wird
NLP nicht nur zu Therapiezwecken eingesetzt, sondern auch in der Wirtschaft, beim Coaching, beim Lehren und in
der Werbung.
NLP geht davon aus, dass sich innere Prozesse äußerlich durch Sprachgebrauch und non-verbale
Kommunikationssignale z.B. Gesten und Gesichtsausdruck zeigen. Wenn jemand z.B. innere Bilder oder Filme
betrachtet, kann man dies an seinen Augen wahrnehmen, z.B. wenn er nach oben schaut oder den Blick
defokussiert. Aus solchen Beobachtungen kann der NLP-Praktiker dann Verhaltensänderungen entwickeln und den
Partner durch die von außen erkennbaren inneren Prozesse leiten. Er könnte z.B. feststellen, dass ein
bestimmtes immer wiederkehrendes inneres Bild jemanden sich automatisch schlecht fühlen lässt und ihn daher
auffordern dieses Bild zu verändern. Während des gesamten Veränderungsprozess orientiert sich der NLPler an
äußeren non-verbalen Anzeichen und passt seine Kommunikation immer wieder den Reaktionen seines Partners an.
Im NLP müssen alle Veränderungen an konkreten Anzeichen überprüfbar sein, d.h. sichtbare Verhaltensänderungen
bewirken. »Woran wirst Du erkennen, dass diese Veränderung eingetreten ist? Woran, konkret, wirst Du das
erkennen? Woran merkst Du, dass Dein Ziel erreicht ist?«. Antwort: »Daran, dass ich mich am nächsten Montag in
dieser Situation so und so fühle und so und so verhalten werde.« Ein guter NLPler testet den Erfolg seiner
Techniken. Man verlässt sich nicht auf die verbalen Äußerungen, sondern überprüft die Veränderungen möglichst
im realen Leben. Nach Überwindung von Höhenangst würde man z.B. auf einen Turm steigen. Der Erfolg von
Trauma-Auflösung lässt sich besonders gut dadurch feststellen, dass die Panik-Gefühle verschwunden sind.
\newpage
NLP Techniken funktionieren auch ohne dass der NLP-Praktiker den Inhalt der Erlebnisses seines Klienten kennen
muss. Er nimmt nur Einfluss auf den eigentlichen Veränderungsprozess, während der Klient sich auf den Inhalt
seiner Erlebnisse konzentriert. Statt über den Inhalt eines Erlebnis zu sprechen, kann der Klient dem
NLP-Praktiker einfach ein Code-Wort für dieses Erlebnis nennen.
Eine wichtige Forderung des NLP ist: Sie sollen lernen, Ihr inneres Erleben selbst zu steuern, statt ihm
ausgeliefert zu sein. Indem Sie lernen Ihr Gehirn zu kontrollieren, sind Sie in der Lage sich selbst zu helfen,
statt auf jemand anderen angewiesen zu sein.
Persönliche Veränderungen mit NLP sind leicht und gehen schnell. Gehören Sie zu den den Menschen, denen man
jahrelang eingeredet hat, persönliche Veränderung sei ein schmerzvoller und langwieriger Prozess? Dann bitten
wir Sie, dieser Glaubensvorstellung beim Lesen dieses Buchs entweder beiseite zu schieben oder außer Kraft zu
setzen. Lassen Sie sich von der Wirkung der NLP-Techniken angenehm überraschen. Bedenken Sie: Im Alltag
geschehen viele Veränderungen plötzlich und mit einem Lächeln. Übrigens behandeln wir die Veränderung von
Glaubensvorstellungen in Kapitel 15. Sie sollten außerdem Ihr Gehirn nicht unterschätzen. Die Quote für
›spontane‹ Heilung von einmaligen traumatischen Erlebnissen liegt bei 30% innerhalb des ersten Jahres.
Wir werden hier NLP-Methoden verwenden, die von Bandler und Grinder, sowie Robert Dilts entwickelt wurden.
Zusätzlich greifen wir auf Techniken von Tad James, sowie Connirae und Steve Andreas, ebenfalls NLP-Entwickler
der ersten Stunde, zurück. Außerdem haben wir neuere Techniken von Michael Hall und Robert Dilts eingearbeitet.
Zum Nachlesen finden Sie im Anhang eine Liste der entsprechenden NLP-Bücher. Teilweise haben wir die Techniken
um ein paar Komponenten erweitert. Sie sind alle ohne Vorkenntnisse durchführbar.
Hier ein Beispiel, wie NLP wirken kann:
Jemand mit Hemmungen zu tanzen wendet eine NLP-Technik an und geht anschließend in eine Diskothek. Statt gegen seine Hemmungen ankämpfen zu müssen, entdeckt er in sich ein starkes Gefühl der Neugier, welches bewirkt, dass er das Tanzen einfach ausprobiert. Nach einer NLP-Technik muss man sich nicht anstrengen sich anders zu verhalten bzw. zu fühlen, sondern man tut es ganz natürlich und automatisch. Sie haben die Option, etwas zu tun, müssen aber nicht. Es ist Ihre Entscheidung.
Wir möchten hier keine theoretischen Abhandlungen über NLP verfassen. Was NLP ist, erfahren Sie am besten, wenn
Sie die Übungen in den folgenden Kapiteln durchführen.
NLP hat für uns folgende Vorteile:
- Es funktioniert auch, ohne dass Sie Ihre Geschichte erzählen.
- Die Veränderung ist schnell und schonend.
- Es kann von Laien und unabhängig von bestimmten Medikamenten oder Geräten durchgeführt werden.
Führen Sie das hier dargestellte Programm mit einer Vertrauensperson zusammen durch. Er oder sie wird in dieser
Zeit die Rolle des B, also Ihrer Beraterin bzw. ihres Beraters einnehmen und überwachen, dass Sie alle Übungen richtig und
gründlich durchführen. Dadurch können Sie sich auf die Inhalte konzentrieren, während Ihr B
darauf achtet, dass Sie alles richtig machen (Arbeitsteilung). In Fällen mit psychotischen
”Anwandlungen”, z.B. Wahrnehmungsstörungen, ist eine Beraterin bzw. ein Berater unverzichtbar. Hier müssen Sie
zusätzlich die Hinweise im Anhang, Kapitel Psychotische Symptome beachten, Fachpersonal hinzuziehen (z.B. einen staatlich anerkannten Therapeuten) und rund um die Uhr für durchgängige Betreuung sorgen! Unsere Testpersonen waren in vielen Fällen in
›offiziellen Stellen‹ (z.B. in einem Frauenhaus) untergebracht oder wohnten bei einem Freund bzw. einer
Freundin.
Sie brauchen nichts über die eigentlichen Erlebnisse zu erzählen!
Ihr B wird anhand Ihrer non-verbalen Kommunikations-Signale (Gesichtsausdruck,
Atmung, etc.) sehen können, dass Sie alles richtig machen. Die ersten Übungen haben daher nicht nur den Zweck
Ihnen mehr Einfluss auf Ihr inneres Erleben zu geben, sondern auch Ihrem B die
Möglichkeit zu geben, sich auf Ihre non-verbalen Kommunikationssignale einzustellen. Wenn Sie dann beide
optimal auf einander eingespielt sind, können Sie die folgende Trauma-Auflösung durchführen.
Sollten Sie professionell im Bereich der Psychologie arbeiten, können Sie unser Buch den Betroffenen als
Hausaufgabe mitgeben oder als B die Übungen mit Ihrem Klienten oder Ihrer Klientin
durchgehen.
Als Betroffene bzw. Betroffener brauchen Sie nicht an die Wirkung der NLP Techniken zu glauben. Sie
funktionieren unabhängig davon. Ihr B ist aber effektiver, wenn er oder sie daran
glaubt, dass das Trauma mit Techniken wie NLP aufgelöst werden kann. Hierzu können Sie bei Bedarf die Übungen
in den Kapiteln Überprüfung der Einstellung und Inneres Erleben auch mit vertauschten Rollen durchführen.
Das gilt natürlich auch für alle anderen Übungen.
Frage: Wie oft muss man die Techniken zur Trauma-Auflösung pro Erlebnis wiederholen? Antwort: Nur einmal, dies
aber gewissenhaft und gründlich. Oft wird sogar ein Trauma-Erlebnis durch die Bearbeitung eines anderen mit
aufgelöst. In jedem Fall sollten Sie sich am Ende des Übungsprogramms durch Tests vergewissern, dass Sie das
Trauma überwunden haben.
Die schweigend Leidenden:
Es gibt eine Gruppe von Menschen, die Hilfe brauchen, aber nie einen Therapeuten aufsuchen würden. Andere empfinden Therapie als ein Eingeständnis, dass man ›nicht ganz richtig tickt‹. Wieder andere wenden sich nicht an Therapeuten aus Angst, sie müßten über das Erlebte sprechen oder weil sie leider in der Annahme leben, dass sie schon zurecht kommen bzw. es bereits überwunden haben. Es ist unser Wunsch, dass Sie solchen Menschen dieses Buch empfehlen und gegebenenfalls für die Übungen als B fungieren. Diese Menschen wissen oft gar nicht, wie anders ihre Welt aussehen könnte, weil sich das Trauma zu sehr auf ihr Alltagsleben auswirkt.
Folgendes erwartet Sie:
In der ersten Übung sorgen wir für die richtige Einstellung und nützliche Glaubensvorstellungen bezüglich persönlicher Veränderung. Dies unterstützt alle folgenden Techniken. Dann lernen Sie, wie Sie ganz allgemein Ihr inneres Erleben kontrollieren können. Als nächstes folgt ein Power-Anker, der Ihnen ermöglicht, jederzeit auf ein besonders angenehmes Erlebnis zurückzugreifen. Falls Sie z.B. von Ängsten überkommen werden, können Sie diesen Anker benutzen um aus dem Angst-Zustand wieder in einen angenehmen Zustand zu wechseln. Auch in Situationen, in denen Sie z.B. schlechte Laune haben, können Sie sich mit diesem Anker in Sekundenschnelle in einen angenehmen Zustand versetzen.
In der ersten Übung sorgen wir für die richtige Einstellung und nützliche Glaubensvorstellungen bezüglich persönlicher Veränderung. Dies unterstützt alle folgenden Techniken. Dann lernen Sie, wie Sie ganz allgemein Ihr inneres Erleben kontrollieren können. Als nächstes folgt ein Power-Anker, der Ihnen ermöglicht, jederzeit auf ein besonders angenehmes Erlebnis zurückzugreifen. Falls Sie z.B. von Ängsten überkommen werden, können Sie diesen Anker benutzen um aus dem Angst-Zustand wieder in einen angenehmen Zustand zu wechseln. Auch in Situationen, in denen Sie z.B. schlechte Laune haben, können Sie sich mit diesem Anker in Sekundenschnelle in einen angenehmen Zustand versetzen.
Dann bringen wir Ihnen die doppelte Dissoziation bei, mit der Sie sich so stark von einem Erlebnis distanzieren
können, dass die negativen Gefühle keinen Einfluss mehr haben. Viele Menschen dissoziieren sich automatisch bei
negativen Erlebnissen, d.h. sie sehen sich buchstäblich von außen, als ›hätten sie einen neben sich stehen‹.
Mit der doppelten Dissoziation gehen wir noch einen Schritt weiter, so dass Sie ein Mittel haben an
schreckliche Erlebnisse zu denken, ohne dass die Panik auftritt: Sie sollen nicht nur lernen, sich von außen zu
betrachten, sondern lernen den Betrachter, der sich von außen betrachtet, zu betrachten. :-)

Doppelte Dissoziation
Dann folgt der Kernpunkt des Programms: Die Desensibilisierung von der traumatischen Erfahrung. Dabei bringen
wir Ihrem Gehirn bei, das Erlebnis so abzuspeichern, dass die Reiz-Reaktionskette, die bisher zur Panik führte,
unterbrochen wird, und Sie eine neue Sichtweise der Situation gewinnen. Dadurch setzen Verarbeitungsprozesse
ein, so dass die allermeisten Symptome meist innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen ganz von alleine
verschwinden.
Zu keinem Zeitpunkt werden wir Sie irgendwelchen Panikzuständen aussetzen. Davon hatten Sie in der
Vergangenheit mehr als genug!
Anschließend können Sie je nach Bedarf bestimmte Themen nachbearbeiten. Dazu gehören beispielsweise
Schuldgefühle, Schamgefühle oder die Veränderung von Glaubenssätzen, d.h. Ideen, die man sich aufgrund
bestimmter Erfahrungen in den Kopf gesetzt hat und die die persönliche Handlungsfreiheit einschränken. Bitte
beachten Sie: Voraussetzung ist, dass Sie die Trauma-Auflösung schon durchgeführt haben.
Hinweis zur Sprache: Wir werden Sie, die das Trauma überwindet und sich damit Aktiv verändert, mit A bezeichnen.
Damit umgehen wir, uns auf ein Geschlecht festlegen zu müssen. B ist, wie oben
erwähnt, Ihr Berater bzw. Ihre Beraterin und wird Sie durch die Übungen begleiten.
Die meisten wollen jetzt sofort loslegen und das Trauma endlich auflösen. Falls Sie aber Bedenken haben, können
Sie unser Programm erst einmal an einem ”kleineren” Erlebnis ausprobieren, z.B. einem Unfall ohne große Folgen.
Sobald Sie dann festgestellt haben, das Sie jederzeit in Sicherheit sind, können Sie das eigentliche
Trauma-Erlebnis Schritt für Schritt bearbeiten.
Mit dem Trauma zurechtkommen
Folgende Aktivitäten können Sie begleitend zu den Übungen durchführen, da diese den Verarbeitungsprozess
unterstützen. Vielleicht sind Sie ja schon selbst auf einige dieser Maßnahmen gekommen, da Sie intuitiv wissen,
was gut für Sie ist. Besonders hilfreich ist folgende Einstellung: Egal, was auch immer passieren mag. Ich kann
mich davon erholen! Siehe hierzu auch das Kapitel Überprüfung der Einstellung.
Viele Trauma-Betroffene befassen sich mit Geschichten von weit schlimmeren Erlebnissen. In diesem Licht
erscheint einem dann die eigene Erfahrung als geringer (Minimalisierung). Es kann auch helfen, Freunden gegenüber
häufig davon zu reden oder darüber zu schreiben. Einige stürzen sich in die Arbeit, um die Erinnerung an die
Erlebnisse zu unterdrücken. Jede dieser Möglichkeiten ist in Ordnung, solange es Ihnen und Ihrem Umfeld gut
tut.
Außerdem können Sie
- Beratungsangebote wahrnehmen, s. Anhang
- häufig Freunde bzw. die Familie besuchen
- positiv denken und sich beschäftigen
- sich ein schönes Hobby suchen, z.B. Sport
- reisen oder umziehen
Hinweise für die Beraterin bzw. den Berater
Ihre Aufgabe als B, also als Beraterin bzw. Berater besteht darin, Ihr A durch die hier angegebenen Techniken zu
führen. Vor jeder Übung sollten Sie sich gemeinsam mit Ihrem A und mit dem genauen Ablauf der einzelnen
Schritte vertraut machen. Sorgen Sie auch für eine angenehme Atmosphäre, in der sie sich beide entspannt und
gut fühlen. Lächeln und Humor sind jederzeit erlaubt! Ihre Rolle als B beinhaltet
einen wohlmeinenden Grundzustand. Achten Sie darauf, dass Ihr A die Anweisungen genau befolgt. Sie
behalten den roten Faden und verhindern, dass Ihr A ›abdriftet‹. Hier noch ein paar Hinweise, die
Ihnen und Ihrem A die Techniken leicht machen:
Beispiel:
B: »Nun brauchen wir ein besonders angenehmes Erlebnis. Nimm' Dir bitte ein besonders angenehmes Erlebnis. Was für eine Erinnerung kannst Du nehmen, die so stark ist, dass diese Erinnerung Dich in allen Situationen, in denen Du bessere Laune haben möchtest, sofort auf gute Gedanken bringt und Dich guuut fühlen lässt.«
(A schaut skeptisch, da sie vielleicht eher an schlechte Laune denkt)
B: »Nicht daran denken, sondern an ein gutes Erlebnis. Wir suchen angenehme Erlebnisse!«
(A grinst und atmet tief ein)
(B nickt und grinst ebenfalls und geht mit, d.h. auch sie erinnert sich an ein angenehmes Erlebnis)
B: »Genau! Und nun schau' Dir dieses angenehme Erlebnis an. Ist dieses Erlebnis intensiv genug? Oder möchtest Du ein anderes nehmen?«
(A lächelt und hat leicht abwesenden Blick)
B: »All diese angenehmen Erlebnisse...Welches ist gut, damit Du Dich in jeder Situation sofort gut fühlen kannst?«
(B wartet 1-2 Sekunden)
B: »Schau' Dir diese angenehmen Erlebnisse genau an...welches war besonders angenehm?«
(B wartet 1-2 Sekunden)
(A blickt auf einmal in eine bestimmte Richtung)
B: »Dieses?«
(A schaut verwirrt und unsicher)
B: »Ok, vielleicht ein anderes. Schau' sie Dir genau an. Was für eine Erinnerung ist besonders kraftvoll?« (A schaut wieder in eine definitive Richtung, atmet tief ein, schaut B an und lächelt: »Jetzt habe ich eine besonders gute Erinnerung.«)
Diese Art der Kommunikation erlaubt Ihrem A in ihrem inneren Erleben zu bleiben. Sie braucht sich nicht darauf zu konzentrieren, Ihnen verbal zu antworten. Das macht es ihr besonders leicht und angenehm. Wenn Sie Ihr A schon länger kennen, hat sich vielleicht schon eine bestimmte Kommunikation zwischen Ihnen eingespielt, die sie natürlich auch nutzen können. Im obigen Beispiel haben sie vielleicht auch bemerkt, dass Ihr A zu keinem Zeitpunkt über den Inhalt des angenehmen Erlebnis mit Ihnen gesprochen hat.
- Führen Sie die hier dargestellten Techniken in unveränderter Form durch. Hierbei sollen Sie die Anweisungen wörtlich nehmen. Generell gilt: Sie sollen Ihr A von negativen Gefühlen distanzieren und zu positiven Gefühlen in Kontakt bringen (und nicht umgekehrt!). Mehr dazu später. Wichtig: Unbedingt die Übungen in Teil A und B nur in der hier angegebener Reihenfolge durchführen, die sich daran anschließenden Übungen des Teils C je nach Bedarf. Vielleicht auch hier beim ersten Lesen in der angegebenen Reihenfolge. Wenn Sie die Techniken später auch auf andere (nicht-traumatische) Themen anwenden möchten, können Sie alle Übungen auch unabhängig voneinander durchführen.
- Leiten Sie Ihr A in einzelnen Schritten durch die Techniken. Wenn man z.B. für eine Technik drei Erinnerungen braucht, sagen Sie Ihrem A nicht »Nun erinnere Dich an drei Situationen«, sondern stattdessen »Nun erinnere Dich an eine Situation. Hast Du eine? Gut! Nun erinnere Dich an eine weitere Situation. Gut! Und nun noch eine dritte.«
- Formulieren Sie Ihre Anweisungen in klaren, einfachen Sätzen in positiver Form d.h. ohne Verwendung von Negationen. Ihr A wird Ihren Anweisungen wörtlich folgen. Wenn Sie sagen »Sei nicht sauer!« muss sich Ihr A erst erinnern, wie es ist, sauer zu sein, bevor sie weiß, wie sie sich nicht fühlen soll. Die Chancen, dass sie dabei sauer wird, sind groß. Sagen Sie stattdessen »Fühle Dich ganz entspannt. Stelle Dir dies vor. Schau Dir das an. Schau Dir Dich in dem Bild an. Was ist das für ein gutes Gefühl? Wo ist das gute Gefühl im Körper?«
- Sagen Sie Ihrem A genau, wie sie denken soll, aber geben Sie ihr möglichst wenig Inhalt vor. Beobachten Sie genau die Reaktion Ihres A. Wenn Sie Ihren Anweisungen gut folgen kann, können Sie eine non-verbale Reaktion innerhalb von wenigen Sekunden sehen. Falls sie Probleme hat und Ihre Anweisungen erst für sich passend machen muss, können Sie dies an einer vielleicht 1-3 Sekunden lang andauernden Unruhe erkennen. Bandler und Grinder baten in ihren Seminaren die Teilnehmer ein Kristallkugelspiel zu spielen: Stellen Sie sich vor, sie hätten eine Kristallkugel und müssten Ihrem A gegenüber Gedankenleserin bzw. Gedankenleser spielen. Sie müssten ihr etwas erzählen, ohne wirklich ihre Gedanken zu kennen. Daher fangen Sie sehr vage an: »Ich sehe im Nebel der Kugel einen Mann«. Signalisiert Ihr A eher Zustimmung, machen Sie mit dem Mann weiter. Erkennen Sie eher Ablehnung, sagen Sie »Jetzt lichtet sich der Nebel und ich sehe, es ist doch eine Frau«. Wenn Sie diese inhaltliche Unklarheit benutzen, machen Sie es Ihrem A besonders leicht, sich auf ihr inneres Erleben zu konzentrieren und gleichzeitig Ihren Anweisungen zu folgen. Diese sollen ja in positiven Sätzen klar formuliert sein (s. oben). Sagen Sie z.B. »Erinnere Dich an ein angenehmes Erlebnis«. Dabei lassen Sie offen, was das konkret für ein angenehmes Erlebnis ist. Wenn Sie merken, dass Ihr A beginnt sich angenehm zu fühlen, sagen Sie einfach »ja« oder »gut« oder nicken. Sie brauchen nicht zu wissen, um was es geht. Wenn Sie möchten, dass sich Ihr A von diesem Erlebnis dann ein Bild macht, sagen Sie »Und schau' Dir dieses Erlebnis jetzt genau an«. Auch hierzu brauchen Sie nichts über das Erlebnis wissen. Sie werden aber an den Augenbewegungen und am Fokus ihrer Augen erkennen, ob sich Ihr A jetzt wirklich das Bild ansieht. Verlassen Sie sich auf das, was Sie beobachten können und passen Sie kontinuierlich Ihre Anweisungen auf Ihr A an.
- Vertrauen Sie im Zweifel Ihrer Sinneswahrnehmung mehr, als den verbalen Antworten Ihres A. Fragen Sie aber, wo sie gerade ist, wenn Sie im Unklaren sind, welchen Teil Ihrer Anweisungen sie gerade durchführt. Nehmen Sie eine Position ein, in der Sie Ihr A gut beobachten können. Setzen Sie sich z.B. nicht frontal gegenüber, sondern etwas über Eck, damit Sie sie auch von der Seite sehen können.
- Sprechen Sie in Ruhe mit Ihrem A. Lassen Sie ihr Zeit auf Ihre Anweisungen zu reagieren. Sie können anhand der non-verbalen Kommunikationssignale z.B. Augenbewegungen erkennen, wann Ihr A Ihre Anweisung befolgt. Dies geschieht etwa 1/2 Sekunde bis 3 Sekunden nachdem Sie sie dazu aufgefordert haben. Zählen Sie jetzt einmal drei Sekunden ab, damit Sie ein Gefühl für die Länge der Zeitspanne bekommen, innerhalb derer Ihr A wahrscheinlich reagieren wird: 21...22...23. Lassen Sie Ihrem A bei längeren inneren Prozessen, z.B. einer Suche, Zeit: »Nimm' Dir jetzt mal ein besonders angenehmes Erlebnis«. Hier muss Ihr A mehrere angenehme Erlebnisse durchgehen, bis sie ein passendes, besonders gutes gefunden hat. Sie können ihr Brücken bauen, indem Sie ihr Erlebnisse vorschlagen. Auch für das Ablaufenlassen von Filmen vor dem inneren Auge braucht Ihr A Zeit. Sie können weiter reden, während Ihr A ihre Aufmerksamkeit nach innen richtet, so dass Ihre Formulierungen sie bei den inneren Prozessen unterstützen. Oder Sie können Sprechpausen machen und abwarten. Wenn Sie aber zu lange Sprechpausen machen, verliert Ihr A eventuell den Kontakt zu Ihnen und driftet in irgendwelche Erinnerungen ab, anstatt Ihre Anweisungen zu befolgen. Dann wiederholen Sie einfach Ihre Anweisungen solange, bis sie sie ausgeführt hat. Es ist völlig ok, beliebig oft den gleichen Satz zu sagen.
- Gehen Sie innerlich mit: Während Sie sie z.B. auffordern, sich ein inneres Bild zu machen, schauen Sie sich selbst ein inneres Bild an. Wenn Sie möchten, dass sich Ihr A entspannt, atmen Sie tief durch, lehnen sich zurück, lächeln und sagen (mit entspannter Stimme) »du kannst es Dir jetzt erlauben, Dich richtig zu entspannen«. Sie erzeugen damit so viele non-verbale Signale, dass es Ihrem A besonders leicht fallen wird, Ihren Anweisungen zu folgen.
- Ihr A braucht nichts über ihre Erlebnisse zu erzählen. Sie soll selbst entscheiden, ob und was sie Ihnen dazu mitteilt. Ihr A soll Sie, während Sie die Übungen durchgehen, möglichst wenig mit Inhalten belasten, damit Sie sich ganz auf den Prozess konzentrieren und Ihr A optimal bei den Übungen unterstützen können.
- Trauma-Betroffene können selbstmordgefährdet sein! Die Betroffenen wollen dadurch der emotionalen Belastung entfliehen und glauben, dass sie mit dem Erlebten nicht mehr weiterleben können. Teilen Sie Ihrem A vorsorglich mit, dass die Leidensphase zu Ende ist, sobald Sie das Kapitel Trauma-Auflösung durchgeführt haben. Auch durch die anderen Übungen lernt Ihr A jede Menge Techniken im Umgang mit erwünschten und unerwünschten Gefühlen. Bei Selbstmordgefahr müssen Sie Fachpersonal hinzuziehen und bis zur vollständigen Trauma-Auflösung für eine durchgängige ›rund-um-die-Uhr‹-Betreuung sorgen.
- Hier noch Hinweise für Fachleute, die normalerweise andere Techniken als NLP einsetzen: Während Sie Ihr A bzw. Klientin durch die Übungen führen, können Sie natürlich sämtliche kommunikativen Fähigkeiten, Erkenntnisse und Erfahrungen aus Ihrer Fachrichtung einsetzen. Behalten Sie aber die Grundstruktur der Übungen bei. Besonders bei der Trauma-Auflösung ist es wichtig, zuerst dissoziiert, dann assoziert zu arbeiten. Lassen Sie Ihr A bzw. Klientin im voraus wissen, was als nächstes kommt und welches Ziel die jeweilige Übung hat. Im NLP ist neben Multilevel-Kommunikation zudem wichtig, dass die Klienten die Übungen selbstständig durchführen lernen und dass Veränderungen in konkreten zukünftigen Situationen kontextualisiert werden. Besonders im dritten Teil können Sie - besser als jedes Buch - Ihrem A bzw. Klientin wertvolle Hinweise aus pychologischer Sicht geben und das Übungsprogramm um Techniken Ihrer Fachrichtung bereichern.
Wahrnehmung
Gute Wahrnehmung hat im NLP einen hohen Stellenwert. 60% der Kommunikation findet über Körpersprache statt z.B. Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Atmung, Muskeltonus, Augenbewegungen, Körpersprache statt z.B. Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Atmung, Muskeltonus, Augenbewegungen, Augenfokussierung, Hautfärbung und Glanz, etc. Weitere 30% sind Stimmklang, wie Tonhöhe, Lautstärke, Tempo, Modulation, etc. Nur 10% der Informationen bei der Kommunikation werden durch Sprache d.h. Wörter übermittelt. Im NLP ordnet man einem bestimmten non-verbalen körperlichen und stimmlichen Ausdruck einen jeweiligen inneren Zustand zu. Wenn Sie z.B. an jemanden bestimmten denken, drückt sich dies in Ihren non-verbalen Kommunikationssignalen aus, die bei jedem individuell verschieden sind. Ein guter NLPler kann sich auf die jeweiligen äußerlichen Veränderungen einstellen und sieht daher, wenn Ihr A in einen bestimmten inneren Zustand geht. Er kann so erkennen, ob Ihr A den Anweisungen folgt. Sie haben also immer non-verbale Rückmeldung über das, was Ihr A gerade tut. Beobachten Sie daher genau und passen Sie Ihre Kommunikation sofort der Beobachtung an.Beispiel:
B: »Nun brauchen wir ein besonders angenehmes Erlebnis. Nimm' Dir bitte ein besonders angenehmes Erlebnis. Was für eine Erinnerung kannst Du nehmen, die so stark ist, dass diese Erinnerung Dich in allen Situationen, in denen Du bessere Laune haben möchtest, sofort auf gute Gedanken bringt und Dich guuut fühlen lässt.«
(A schaut skeptisch, da sie vielleicht eher an schlechte Laune denkt)
B: »Nicht daran denken, sondern an ein gutes Erlebnis. Wir suchen angenehme Erlebnisse!«
(A grinst und atmet tief ein)
(B nickt und grinst ebenfalls und geht mit, d.h. auch sie erinnert sich an ein angenehmes Erlebnis)
B: »Genau! Und nun schau' Dir dieses angenehme Erlebnis an. Ist dieses Erlebnis intensiv genug? Oder möchtest Du ein anderes nehmen?«
(A lächelt und hat leicht abwesenden Blick)
B: »All diese angenehmen Erlebnisse...Welches ist gut, damit Du Dich in jeder Situation sofort gut fühlen kannst?«
(B wartet 1-2 Sekunden)
B: »Schau' Dir diese angenehmen Erlebnisse genau an...welches war besonders angenehm?«
(B wartet 1-2 Sekunden)
(A blickt auf einmal in eine bestimmte Richtung)
B: »Dieses?«
(A schaut verwirrt und unsicher)
B: »Ok, vielleicht ein anderes. Schau' sie Dir genau an. Was für eine Erinnerung ist besonders kraftvoll?« (A schaut wieder in eine definitive Richtung, atmet tief ein, schaut B an und lächelt: »Jetzt habe ich eine besonders gute Erinnerung.«)
Diese Art der Kommunikation erlaubt Ihrem A in ihrem inneren Erleben zu bleiben. Sie braucht sich nicht darauf zu konzentrieren, Ihnen verbal zu antworten. Das macht es ihr besonders leicht und angenehm. Wenn Sie Ihr A schon länger kennen, hat sich vielleicht schon eine bestimmte Kommunikation zwischen Ihnen eingespielt, die sie natürlich auch nutzen können. Im obigen Beispiel haben sie vielleicht auch bemerkt, dass Ihr A zu keinem Zeitpunkt über den Inhalt des angenehmen Erlebnis mit Ihnen gesprochen hat.
Bei den Übungen gehen Sie am besten so vor: Lesen Sie zusammen das jeweilige Kapitel ganz durch. Am Ende
finden Sie eine Zusammenfassung. Besprechen Sie die Übung und klären, wer wofür zuständig ist. Vielleicht
möchten Sie sich zusätzlich Notizen machen. Es geht am leichtesten, wenn Sie die jeweilige Übung an
einem Stück durchführen.
Nun geht es los! Wir wünschen eine angenehme Reise!
Überprüfung der Einstellung
Ihre Glaubensvorstellungen über die Veränderung des inneren Erlebens haben Einfluss darauf, wie leicht sie die
Übungen durchführen können. Es funktioniert zwar auch, wenn man nicht daran glaubt. Aber es ist leichter mit
den ”richtigen” Glaubenssätzen und einer nützlichen Einstellung. Und wir möchten es Ihnen so leicht wie möglich
machen. In Bandlers NLP-Kursen wurden als erstes alle Glaubensvorstellungen über das Lernen überprüft. Danach
hatten die Teilnehmer die Einstellung, dass sie leicht, schnell und mit Spaß an der Sache lernen können. Dann
erst ging das eigentliche (beschleunigte) Kursprogramm los.
Unsere Gesellschaft nimmt wissenschaftliche Erkenntnisse zum Teil mit einer erheblichen Verzögerung auf. Daher
halten sich einige Glaubenssätze, die sogar Fachleute daran hindern können, Heilungsmöglichkeiten wahrzunehmen.
Hier einige Negativ-Beispiele:
»Psychische Heilung ist ein langwieriger Prozess«, »Veränderung ist schwierig und leidvoll«, »Der Mensch
verändert sich nicht gerne«, »Für dramatische Erlebnisse braucht man dramatische Heilungsmethoden«.
Viele Trauma-Betroffene hoffen zwar auf eine Linderung der Symptome, glauben aber nicht wirklich daran, dass
sie ihr Trauma vollständig auflösen können. Hier lautet der einschränkende Glaubenssatz »Das Trauma wird mich
mein Leben lang begleiten/verfolgen«, statt »Ich kann das Trauma vollständig auflösen und ein normales Leben
führen.«
Ein wichtiger Aspekt Ihrer Einstellung ist die zeitliche Einordnung der traumatischen Erlebnisse. Für viele
Betroffenen ist es so, als wäre das traumatische Erlebnis in der Gegenwart statt in der Vergangenheit. Sie
ziehen keine klare Trennung zwischen vergangenen Erlebnissen und dem Hier-und-Jetzt. Wo in Ihrer
Vergangenheit ist das traumatische Erlebnis einzuordnen? Machen Sie sich bitte folgendes klar: »Vergangene
Erlebnisse sind heute nicht mehr real«. Diese Glaubenssatz macht es Ihnen leichter mit unangenehmen Erlebnissen
klarzukommen, als die Vorstellung »unangenehme Erlebnisse werden mich ein Leben lang begleiten«. Natürlich
sollen Sie sich an die Fakten des Erlebnisses erinnern können. Aber nur im Rückblick! Nur die Gegenwart ist
real, die Vergangenheit ist bereits vorüber, und die Zukunft ist erst Möglichkeit. Daher Richard Bandlers
Ausspruch: »Das Beste an der Vergangenheit ist, dass sie vorüber ist«. Solch eine Einstellung schwächt außerdem
unaufgefordert auftretende Erinnerungen (Flashbacks und Intrusionen) ab. Wie wäre es, wenn Sie alle
unangenehmen Erinnerungen der Vergangenheit als vergangen d.h. nicht mehr real, ansehen würden?
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Hier ein paar nützliche Glaubenssätze:
- Ich kann negative Erlebnisse so einordnen, dass klar wird/ist, dass sie vergangen sind.
- Das Trauma-Erlebnis fand in der Vergangenheit statt, nicht in der Gegenwart bzw. Zukunft
- Informationen über negative Erlebnisse haben Schutzfunktion.
- Alle positiven Erlebnisse erzeugen Ressourcen, die uns in Zukunft zur Verfügung stehen.
- Ich kann lernen, mich schnell und effektiv zu verändern und die Richtung selbst bestimmen.
- Ich kann die Wirkung von persönlichen Veränderungen im Alltag wahrnehmen und testen.
Überprüfen Sie jetzt Ihre Einstellung, Ihre Glaubenssätze und Vorannahmen bezüglich Trauma-Auflösung. Falls sie
Glaubenssätze mit sich herumtragen, die Ihnen die persönliche Veränderung erschweren könnten, notieren Sie sich
diese, um sie in nachfolgender Übung umzuwandeln. Bestimmen Sie zu jedem Glaubenssatz, den sie umwandeln
möchten, eine Alternative, die Ihnen die persönliche Veränderung erleichtert. Der neue Glaubenssatz soll sich
positiv auf Ihr Leben und Ihre Weiterentwicklung auswirken. Verwandeln Sie einschränkene Glaubenssätze in
solche, die Ihnen mehr Möglichkeiten schaffen.
Als B sollten Sie natürlich ebenfalls Ihre Glaubenssätze überprüfen und ggf. die Übung mit
vertauschten Rollen durchführen.
Checkliste für wirkungsvolle Glaubenssätze
- Positiv formuliert (sagen, was man will, statt was man nicht will)
- Dynamischer Prozess, statt »ich bin gut in X«, lieber »ich kann lernen besser in X zu sein«
- Ist der Glaubenssatz genau genug formuliert? In welchem Kontext soll er gelten? Wann? Wo?
- Woran können Sie erkennen, dass sich der Glaubenssatz bewahrheitet?
- Ist der neue Glaubenssatz verlockend genug?
- Können Sie nach diesem Glaubenssatz handeln? Sind Sie dabei unabhängig von anderen?
- Passt der Glaubensatz zu allen Aspekten Ihres Lebens, zu Ihren Werten und Zielen?
- Was wäre, wenn Sie ihn jetzt glauben? Sind Sie zu 100% mit dem Glaubenssatz zufrieden? Gibt es Einwände?
Bitte beachten Sie: Diese Checkliste bezieht sich auf die Form der Glaubenssätze, nicht auf den Inhalt. Jeder soll und muss den Inhalt seiner Glaubenssätze selbst bestimmen. Als B sollen Sie darauf achten, dass die formalen Kriterien der Checkliste erfüllt sind, aber inhaltlich Ihre eigene Meinung heraushalten.
Die mit einem großen B markierten Anweisungen sind für Ihren Berater bzw.
Ihre Beraterin bestimmt.
Die mit A gekenntzeichneten sind für Sie. Als Team können Sie alle
Anweisungen, also auch die für den jeweils anderen, vor jeder Übung gemeinsam lesen.
Glaubenssätze neu bewerten (Meta-Yessing/Meta-Noing):
Überprüfen Sie auch, ob Sie sich in einer Opferrolle sehen. Dies beinhaltet nämlich Passivität und
Hilflosigkeit. Ändern Sie diese Einstellung in: »Ich bin eine Suchende«, »ich bin eine aktiv und bewusst
Gestaltende«, »Ich gehe los, gestalte und bestimme mein Leben!«, »...und bei Schwierigkeiten werde ich
das lernen, was ich zur Überwindung brauche«. Dies gibt Ihnen die Chance, die Werte und Richtung Ihres Lebens
selbst neu zu bestimmen!
Nachdem Sie alle einschränkenden Glaubenssätze bearbeitet haben, nehmen Sie sich einen Moment Zeit und denken
über Ihre neue Einstellung nach, die Sie mit den neuen Glaubenssätzen gewonnen haben. Wie denken Sie jetzt über
die Trauma-Auflösung? Was erwarten Sie von den Übungen? Wie denken Sie über Ihre persönliche Weiterentwicklung?
Welche Mindestanforderung stellen Sie? Sind Sie bereit sich überraschen zu lassen, wenn Ihre Erwartungen sogar
übertroffen werden? Sie können aber auch ruhig skeptisch sein, wenn das bewirkt, dass Sie genauer hinsehen und
Ihr sonstiges Wissen in den Prozess einbauen.
Vielen gibt diese konzentrierte Art über Glaubenssätze nachzudenken neue Denkanstöße. Nun können Sie das
Übungsprogramm mit neuen Glaubenssätzen und neuer Einstellung fortführen. Sie können aber auch erst für ein
paar Tage Ihre Glaubenssätze überprüfen und dann hierher zurückkehren. Meta-Yessing/Meta-Noing eigenet sich
natürlich auch, um andere einschränkende Glaubenssätze in nützliche zu verwandeln. Mehr dazu später im Kapitel
Glaubenssätze ändern. Viele von unseren Test-Personen setzen die Ja-Geste und die Nein-Geste auch in anderen
Alltagssituationen ein, wann immer sie ein starkes Ja-Gefühl bzw. Nein-Gefühl brauchen.
Inneres Erleben
Da wir nach Richard Bandler nicht mit einer Bedienungsanleitung für unser Gehirn zur Welt kommen, müssen wir
anderweitig lernen, wie wir unsere inneren Prozesse steuern können. Dies ist in seinem Buch ›Die Veränderung
des subjektiven Erlebens‹ (s. Literaturhinweise im Anhang) meisterhaft und humorvoll beschrieben. Viele
Menschen sind z.B. Stimmungsschwankungen und schlechter Laune ausgeliefert. Bandler und Grinder stellten fest,
dass unsere Gefühle und Stimmungen durch Bilder hervorgerufen werden, die wir uns vor unserem inneren Auge
machen. Auch das, was wir uns vor unserem inneren Ohr vorspielen, beeinflusst unser Gefühlsleben. Manche hören
z.B. die kritische Stimme eines Elternteils oder Lehrers und fühlen sich dann schlecht.
Sobald Sie das einmal erkannt haben, können Sie solche Bilder, Filme oder Stimmen verändern und damit Ihr
Gefühlsleben beeinflussen. Sie erhalten so die Kontrolle über Ihr inneres Erleben.
Welche Farbe hat Ihre Zahnbürste? Um diese Frage zu beantworten, müssen Sie sich kurz Ihre Zahnbürste vor Ihrem
inneren Auge vorstellen. Sie lesen ein Buch. Der Held verlässt das Haus, steigt in ein rotes Auto und braust
davon. Während Sie dies lesen, sehen Sie wahrscheinlich jemanden vor Ihrem inneren Auge, wie er aus einem Haus
geht und in ein rotes Auto steigt. Hören Sie dabei auch das Geräusch, wie das Auto davon braust? Nehmen Sie
sich einen Moment Zeit und beachten Sie, welche Dinge Sie vor Ihrem inneren Auge und/oder in Ihren inneren
Ohren wahrnehmen. Wenn Sie genau darauf achten, werden Sie feststellen, dass es bei Ihren inneren Bildern und
Filmen Unterschiede zu den Bildern der äußeren Realität gibt. Bei manchen sind die inneren Bilder zum Beispiel
etwas dunkler oder unschärfer als die der Realität. Es ist gut, dass Ihr Gehirn hier einen Unterschied zwischen
innerer und äußerer Realität macht. Andernfalls hätten Sie Schwierigkeiten sofort zu erkennen, was Realität
ist. Wenn Sie in Zukunft stärker auf Ihre inneren Bilder bzw. Filme, sowie inneren Monologe, Dialoge, Töne und
Geräusche achten, lernen Sie diese weitgehend unbewusst ablaufenden Denkprozesse bewusst wahrzunehmen.
Visualisieren
Manche glauben, dass ihnen das Visualisieren schwer fällt. Wenn Sie vorhin ein rotes Auto gesehen haben, gehören Sie nicht dazu. Dann können Sie diesen Kasten überspringen. Ansonsten hier ein paar Hinweise zu Ihren inneren Bildern:- Jeder Mensch macht sich innere Bilder und Filme. Die Frage ist nur, ob er sich darüber bewusst ist.
- Manche Menschen sind zu kritisch und sehen zwar Bilder und Filme, diese unterscheiden sich aber in ihrer visuellen Qualität von den Bildern der äußeren Realität. Gut so, denn so unterscheiden Sie innere von äußerer Realität. Bei vielen sind die inneren Bilder etwas dunkler, vielleicht nicht so scharf, usw. Nichtsdestotrotz sind es Bilder. Im folgenden lernen Sie Ihre visuellen Fähigkeiten kennen.
- Entspannen Sie sich und lächeln!
- Wenn Sie an etwas denken, kommt vielleicht zuerst kein Bild, sondern eher ein Gefühl oder eine auditive Erinnerung z.B. ein Wort, Ton oder Geräusch. Achten Sie auf das, was Sie fühlen oder hören und machen es stärker. Sie werden bemerken, wie Sie dadurch auch das Bild oder den Film (besser) sehen können. Manchmal ist es auch ein Geruch oder Geschmack. Sie können also von einem Wahrnehmungssystem ins andere übergehen.
- Glauben Sie, dass Sie kein ›visueller Mensch‹ sind? Dann sollten Sie diesen Glaubenssatz mit Hilfe von Meta-Yessing/Meta-Noing im vorangegangenen Kapitel ändern: »Ich kann lernen mein visuelles System genauso gut zu benutzen, wie die anderen Systeme auch«.
Das, was vor unseren inneren Augen und Ohren stattfindet, beeinflusst unser Gefühlsleben. Sie kennen sicher
folgendes Phänomen: Sie haben eine besonders angenehme Zeit verbracht und währenddessen immer wieder ein
bestimmtes Lied im Radio gehört? Wenn Sie jetzt in Ihren inneren Ohren dieses Lied erklingen lassen, kehren
automatisch die angenehmen Gefühle dieser Zeit zurück.
Bandler und Grinder entdeckten nun, dass man die Eigenschaften dieser inneren Wahrnehmung ändern kann und damit
die Wirkung, die diese auf das Empfinden hat. Erinnern Sie sich jetzt bitte an ein angenehmes Erlebnis! Haben
Sie dabei vor Ihrem inneren Auge ein Standbild oder einen Film? Wo in Ihrem Gesichtsfeld ist das Bild oder der
Film Ihrer Erinnerung? Welche Entfernung von Ihnen hat das Bild oder der Film? Ist das Bild oder der Film eher
groß oder eher klein? Erinnern Sie sich daran farbig oder schwarz-weiß? Eher hell oder eher dunkel? Die Art,
wie Sie diese visuelle Erinnerung vor Ihrem inneren Auge repräsentieren, beeinflusst die Art, wie Sie auf
dieses angenehme Erlebnis reagieren. Um sich den Zugang zu dem Bild oder Film zu erleichtern, können Sie ein
Stichwort nennen, das dieses Erlebnis treffend beschreibt. Oder Sie strecken den Arm aus und fassen das Bild
oder den Film an oder zeigen nur darauf.
\newpage
Jetzt lernen Sie, die Wirkung dieses angenehmen Erlebnisses zu beeinflussen. Ihr B kann
Sie dabei unterstützen. Als B haben Sie die Aufgabe, Ihr A von negativen
Gefühlen wegzubewegen und sich guten Gefühlen und Erinnerungen hinzuwenden. Hinweis: Bis zum Kapitel
Trauma-Auflösung soll Ihr A keine traumatischen Erlebnisse bearbeiten. Ihr A soll sich
generell nicht intensiv schlecht fühlen, sondern sich in einem Bewusstseinszustand befinden, der ihr
Handlungsfähigkeit gibt. Beobachten Sie sie also genau. Manche Betroffene nehmen nämlich stark belastende
Erlebnisse. Dann müssen Sie sie unterbrechen und in einen guten oder neutralen Zustand zurückbringen.
Bitte führen Sie wirklich alle folgenden Übungen durch. Diese haben nicht nur einen positiven Einfluss auf Ihr
Leben, sondern auch den Sinn, dass Sie und Ihr B optimal aufeinander eingespielt
sind.
Nun zurück zu dem angenehmen Erlebnis:
Übung zur Veränderung des Empfindens (visuell)
Da Sie und Ihr B schwerkpunktmäßig etwas anderes bei dieser Übung lernen, können
Sie die Rollen tauschen. So haben beide maximalen Nutzen davon. Sie könnten sich z.B. angewöhnen, in Zukunft
automatisch angenehme Bilder und Filme größer und unangenehme kleiner zu machen. Bei welchen Gelegenheiten
werden Sie in Zukunft angenehme Bilder verstärken und unangenehme abschwächen?
Übung zur Änderung des Blickwinkels
Achten Sie darauf, ob Sie sich bei dem angenehmen Erlebnis im Bild oder Film selbst gesehen haben oder aus Ihren Augen auf die Szenerie um sich herum geschaut haben. Falls Sie sich selbst gesehen haben, als hätte Sie jemand anderes fotografiert oder gefilmt, nennt man dies dissoziierte Perspektive. Der Blick aus Ihren Augen auf die Szenerie heißt assoziierte Perspektive. In dieser Ansicht können Sie an sich selbst herunter schauen oder gerade noch die Nasenspitze erkennen, so wie wir die äußere Realität um uns herum wahrnehmen.
Assoziiert / Dissoziiert
Übung zur Veränderung des Empfindens (auditiv)
Wir alle haben nicht nur innere Bilder und Gefühle, sondern auch Töne, Geräusche und Stimmen im inneren Ohr. Denken sie z.B. an Vogelgezwitscher oder das Hupen eines Autos. Wie hört sich das trockene Ping-Pong beim Tischtennis an? Wie klingt die Stimme eines geliebten Menschen? Unser Gehirn kann anhand klanglicher Eigenschaften unterscheiden, ob es sich um reale oder innere Stimmen oder Geräusche handelt. Früher hielt man Menschen, die Stimmen hören oder Selbstgespräche führen, für gestört. Heute weiß man, dass intensives inneres auditives Erleben Bestandteil erfolgreicher Denkstrategien ist. Ein Komponist muss sich den Klang seiner Komposition in seinem inneren Ohr anhören können, wie ein Schriftsteller, der sich innerlich den Text vorliest, damit er den Sprachfluss beurteilen kann.
Auch hier können Sie wieder die Rollen tauschen und mit allen auditiven Eigenschaften herumexperimentieren.
Sie können auch den Klang der Stimme ändern (z.B. aus einer kritischen Stimme eine Micky-Maus-Stimme machen)
oder Musik einfügen, z.B. Fanfaren um sich zu bestärken oder Gute-Laune-Musik um sich besser zu fühlen.
Wiederholen Sie die obigen drei Übungen ein paarmal mit verschiedenen Erlebnissen, so dass es Ihnen leicht
fällt, die Submodalitäten Ihrer Erinnerungen zu verändern. Gleichzeitig spielen Sie sich als Team gut
aufeinander ein. Nehmen Sie hierbei immer angenehme Erlebnisse.
Übung zur Wirkung vergangener Erlebnisse
Es ist wichtig, dass unangenehme Erinnerungen Sie nicht (mehr) einschränken und angenehme Erinnerungen Sie unterstützen. Dazu können Sie die Art, wie Sie Erinnerungen speichern, ändern. Sie behalten den Inhalt Ihrer Erinnerungen bei, ändern aber die Darstellung und damit den Einfluss der Erlebnisse.
Natürlich können Sie auch hierbei wieder die Rollen tauschen.
Genauso, wie Sie die visuellen Eigenschaften Ihres Erlebens ändern können, geht dies auch mit den auditiven.
Viele Menschen hören in den Situationen, in denen sie zu schüchtern oder wenig erfolgreich sind, eine innere
Stimme, die sie kritisiert oder hemmende Dinge sagt. Diese Stimme können Sie natürlich ebenfalls ändern. Dabei
empfiehlt es sich z.B. die Stimme liebevoll besorgt oder leiser zu machen und weiter weg zu schieben. Sie
können insbesondere auch den Stimmklang angenehmer gestalten. Oft sagt dann die Stimme auf einmal eher
unterstützende Dinge oder verschwindet ganz.
Besonders die letzten beiden Übungen können Ihre Art, wie Sie auf Ihr Leben blicken, grundlegend verändern.
Manchmal kann man mit dieser Technik auch Depressionen heilen, denn depressive Menschen überbewerten vergangene
negative Erlebnisse und sehen positive Erlebnisse nicht als wichtig genug an. Dadurch sieht ihr Leben eher wie
eine Kette schlechter Erfahrungen aus. Wenn man ihnen aber beibringt, Erfahrungen genau umgekehrt zu speichern,
löst man damit die Depressionen auf. Durch ein wenig Übung lernt das Gehirn, in Zukunft ganz automatisch
positive Erlebnisse intensiver und negative Erlebnisse schwächer zu speichern. Mehr zur Gestaltung Ihrer
persönlichen Vergangenheit später im Kapitel Die Vergangenheit erneuern. Hinweis: Dies soll nicht als
Allheilmittel für Depressionen verstanden werden. Die Behandlung von Depressionen ist (abgesehen von
trauma-bedingten) nicht Gegenstand dieses Buches. Bei Depressionen muss unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden,
da diese medizinische Ursachen haben können. Menschen mit Depressionen können unter Umständen
selbstmordgefährdet sein!
Sobald Sie und Ihr B ihren jeweiligen Part gut und sicher übernehmen können, gehen Sie
zum nächsten Kapitel über. Dort lernen Sie, wie Sie sich innerhalb kürzester Zeit von negativen Gefühlen
befreien und in einen guten Zustand versetzen können.
Power-Anker
Als nächstes statten wir Sie mit einem Power-Anker aus - ein Mittel zur schnellen Stimmungsänderung. Suchen Sie
sich dazu ein mächtiges positives Erlebnis aus Ihrer Vergangenheit. Nehmen Sie eins, in dem Sie im Vollbesitz
Ihrer geistigen und körperlichen Kräfte waren und das sich wundervoll angefühlt hat. Es geht um ein wirklich
starkes Erlebnis! Dieses wollen wir mit einer körperlichen Berührung so verknüpfen, dass Sie sich durch diese
Berührung wieder an dieses Erlebnis erinnern und die angenehmen Gefühle intensiv genießenn können. Sie brauchen
Ihrem B nichts über den Inhalt des Erlebnisses zu erzählen. Wichtig ist bei der
Erinnerung an dieses Erlebnis assoziiert zu sein, d.h. die Szene aus Ihren eigenen Augen betrachten. Wenn Sie
doch über das Erlebnis erzählen möchten, tun Sie dies, indem Sie die Sätze mit ›ich‹, statt ›man‹ anfangen,
z.B. »Man steht am Meer und schaut sich den Sonnenuntergang an« wird zu »Ich stehe am Meer und schaue mir den
Sonnenuntergang an«. Außerdem verwenden Sie die Gegenwartsform, als würde es gerade passieren (d.h. statt »Ich
stand am Meer...« sagen Sie »Ich stehe am Meer...«). Dadurch wird das Erlebnis noch intensiver.
Nun haben Sie beide zwei sogenannte Anker: den Druck auf die Körperstelle und das Stichwort. Sie können
beide Anker einzeln oder zusammen benutzen z.B. den Druck auf die Körperstelle ausüben und gleichzeitig das
Stichwort sagen.
Test: Machen Sie nun eine kurze Pause und denken an etwas völlig anderes. Dann testen Sie beide Anker.
Drücken Sie genau die Körperstelle. Als B sagen Sie beim Drücken das Stichwort. Kommt das Erlebnis
intensiv wieder?
Wiederholen Sie die diese Übung noch einmal, wobei Sie jedoch diesmal das Gefühl, das mit diesem wundervollen
Erlebnis verbunden ist, doppelt so stark machen. Hierzu können Sie das Bild bzw. den Film doppelt so
groß machen oder näher an sich heranholen. Machen Sie ebenfalls die Stimme(n) und Hintergrundgeräusche lauter.
Genauso, wie sich manche Menschen auf Knopfdruck intensiv ärgern oder schlecht fühlen, sollen Sie sich hierbei
durch den Anker intensiv gut fühlen - richtig intensiv! Diese Übung also mindestens zweimal durchlaufen.
Es ist wichtig, dass Sie beide den Anker testen. Jede von Ihnen sollte mit ihrem Anker das Erlebnis auslösen
und damit eine intensive Gefühlsregung hervorrufen können. Sie sollen wieder richtig voll in diesem
wundervollen Erlebnis drin sein! Falls keine intensive Reaktion erfolgt, wiederholen Sie die Übung. Sie
können gegebenenfalls die Submodalitäten des Erlebnisses variieren, um intensivere Reaktionen zu bekommen.
Machen Sie z.B. das Bild bzw. den Film an die Erinnerung größer und die Farben intensiver. Sie entscheiden,
welche Submodalitäten wie geändert werden sollen, damit das Erlebnis maximale Intensität hat.
Von nun an haben Sie einen Power-Anker. Wenn Sie sich also von negativen Gefühlen befreien wollen, drücken Sie
einfach die Körperstelle und denken oder sagen das Stichwort. Dadurch haben Sie augenblicklich die Erinnerung
und die Stärken des positiven Erlebnis zur Verfügung.
Erinnerungen an traumatische Erlebnisse werden oft durch sogenannte ›Trigger‹ ausgelöst. Was genau die
traumatische Erinnerung auslöst, ist bei jedem verschieden. Ab heute sind Sie diesen Triggern aber nicht mehr
hilflos ausgeliefert, da Sie ja nun Ihren Power-Anker haben. Falls nötig drücken Sie einfach die Körperstelle
und denken an das mächtige, wundervolle Erlebnis. Sie brauchen keine Angst mehr vor Panikattacken zu haben.
Aber auch Alltagssituationen, in denen Sie sich bisher ›automatisch‹ schlecht gefühlt haben, können Sie mit dem
Wissen um Ihren Power-Anker anders entgegentreten.
Als B haben Sie mit dem Power-Anker ein Mittel, mit dem Sie Ihr A aus einem
möglichen Panikzustand herausholen und in das wundervolle Erlebnis versetzen können. Aber auch das Stichwort
allein ist ein kleiner Anker, mit dem Sie Ihr A an das wundervolle Erlebnis erinnern können.
Sich von dem Erlebnis distanzieren
Die doppelte Dissoziation ist eine Betrachtungsweise, die Sie vor belastenden Erinnerungen schützt.
Die einfache Dissoziation kennen Sie ja schon aus der Übung zur Änderung des Blickwinkels. Wenn Sie nicht aus
Ihren eigenen Augen schauen, sondern sich selbst in dem Bild oder Film sehen, werden Ihre Gefühle schwächer.
Steigen Sie hingegen in das Bild ein und schauen aus Ihren eigenen Augen, werden die Gefühle intensiver. Dies
ist gut, wenn Sie gerade an etwas Angenehmes denken. Wenn Sie aber an ein unangenehmes Erlebnis denken, können
Sie sich von Ihren Gefühlen distanzieren. Sie welchseln die Perspektive, treten aus dem Bild heraus, sehen sich
selbst in der Situation. Bei einigen Menschen würde für die im nächsten Kapitel beschriebene Trauma-Auflösung
diese einfache Dissoziationsstufe schon ausreichen und sie hinreichend von den Gefühlen und der Panik des
traumatischen Erlebnis distanzieren. Da wir aber ganz sicher gehen wollen, werden wir eine zweite
Dissoziationsstufe aufbauen. So distanzieren Sie sich so weit von dem Erlebnis, dass Sie nahezu vollständig von
den Gefühlen abgekoppelt sind.

\newpage
Diese Kino-Situation muss Ihnen absolut klar präsent und vertraut sein. Sie sollten den Kinosaal und den
Vorführraum detailliert beschreiben können. Welche Farbe haben die Wände? Gibt es einen Vorhang? Liegen im
Vorführraum Gegenstände herum? Gibt es Popcorn-Reste im Kinosaal? Sollten die Wände neu gestrichen werden? Wie
sehen die Sitzbezüge aus? Ist der Vorführraum eher groß oder klein? Gibt es eine Glasscheibe zum Kinosaal oder
nur ein Loch in der Wand?
Wiederholen Sie, falls nötig, diese Übung, so dass Sie das Szenario der doppelten Dissoziation sicher
beherrschen. Sie bringen damit Ihrem Gehirn eine hochwirksame Betrachtungsweise bei. Bei unseren Tests
verschwanden bei einem Teil der Betroffenen allein durch diese Technik ein Teil der Trauma-Symptome (z.B.
selbstverletzendes Verhalten).
Wenn Sie auch diese Übung erfolgreich durchgeführt haben, ist es Zeit für eine Pause. Lassen Sie Ihrem Gehirn
eine Nacht Zeit das bisher Erlebte und die neuen Fähigkeiten zu verarbeiten und in Ihr Verhaltensrepertoire zu
integrieren. Am nächsten Tag können Sie mit der Trauma-Auflösung in Teil B weitermachen.